Schaeffler trotz „massiver Schwierigkeiten“ von Conti-Deal nach wie vor überzeugt

Vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion rund um den Einstieg der Schaeffler-Gruppe bei der Continental AG sowie in Sachen einer etwaig notwendigen staatlichen Finanzspritze für das Herzogenauracher Familienunternehmen haben sich jetzt auch deren Gesellschafter – Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg – persönlich zu Wort gemeldet.

„Die strategische Verbindung zwischen der Schaeffler KG und der Continental AG folgt einem unverändert richtigen industriellen Ansatz“, heißt es in einer entsprechenden Stellungnahme. Man sei unverändert davon überzeugt, dass die nächsten Jahre beweisen werden, wie erfolgreich die Verbindung der Mechanik von Schaeffler mit der Elektronik von Continental sein wird, die letztlich zwei Weltmarktführer aus Deutschland zu einem Verbund zusammenzuführen, der in der Lage sei, das „Auto der Zukunft“ wesentlich mitzuentwickeln. Die Schaeffler-Gesellschafter verstehen sich nicht als Hasardeure, die sich verspekuliert oder verzockt haben. „Unsere Verbindung mit Continental hat mit Börsenspekulationen gar nichts zu tun. Wir sind keine kurzfristig orientierten Finanzinvestoren, wir sind langfristig denkende und handelnde Unternehmer. Wir haben Schaeffler und Continental zusammengeführt, um gemeinsam einen neuen globalen Zulieferer zu schaffen. Das liegt auch im Interesse des Standorts Deutschland, seiner Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit, seiner Arbeits- und Ausbildungsplätze“, sind Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler überzeugt.

Zugleich verweisen sie darauf, dass die globale Wirtschaftskrise und die nicht funktionierenden Finanz- und Kreditmärkte Schaeffler „massive Schwierigkeiten“ bereiten. „Auch wir und unser Management hatten Mitte 2008 eine konjunkturelle Abkühlung der Wirtschaft mit eingeplant. Aber wie kein Unternehmer, Politiker, Manager, Analyst oder Wirtschaftsjournalist konnten auch wir nicht den dramatischsten und schnellsten Zusammenbruch der globalen Wirtschaft in den letzten 80 Jahren erwarten. Der überraschende Kollaps von Lehman erschüttert die weltweiten Finanzmärkte bis heute und hat uns 90 Prozent der Continental-Aktien gebracht, der unvergleichliche Einbruch der Automobilindustrie, beginnend im letzten Quartal des letzten Jahres, hat die Lage, nicht nur für die Schaeffler Gruppe, weiter verschärft. Das Umfeld für alle Unternehmen hat sich dramatisch verändert, besonders auch in der Automobilindustrie“, so die Schaeffler-Gesellschafter, die eigenen Aussagen zufolge bereit wären, sich von einem Teil ihres im Unternehmen steckenden Vermögens zu trennen, um mit dem Erlös die Verschuldung der Schaeffler-Gruppe zurückzuführen.

„Aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes und der belastenden öffentlichen Diskussion ist es bisher jedoch trotz einer aktiven Suche nicht gelungen, Investoren zu finden“, heißt es. Deshalb gehe es nun für das Unternehmen darum, zusammen mit den Banken, möglichen Investoren und mithilfe der Politik eine „gemeinsame und verantwortungsvolle Lösung“ finden und nicht darum, einfach nur die Hand aufzuhalten. Da in Herzogenaurach aber offenbar davon ausgegangen wird, dass erst nach der Erholung der wirtschaftlichen Lage Investoren zu finden sein werden, mit denen die über die Verbindung von Schaeffler und Conti beabsichtigten strategischen Ziele umgesetzt werden können, benötigt die Schaeffler-Gruppe, die als „im Kern gesund“ beschrieben wird, eigenen Worten zufolge angesichts „einer besonderen Ausnahmesituation“ eine zeitlich begrenzte Unterstützung. „Die Schaeffler-Gruppe wird Bund und Ländern ein tragfähiges Konzept vorschlagen. Wir sind uns dabei im Klaren, dass die Tragfähigkeit dieses Konzeptes durch die zuständigen öffentlichen Stellen geprüft werden wird, um sicherzustellen, dass es im Rahmen dieser zeitlich befristeten Überbrückung nicht zu einer Belastung des Steuerzahlers kommt, und dass die Schaeffler-Gruppe für diese Überbrückung die gesetzlich vorgeschrieben Zinsen und Gebühren zahlen muss“, stellen Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler klar.

Zugleich wünschen die beiden sich eine Versachlichung der öffentlichen Diskussion, um eine schnelle und tragfähige Lösung zum Wohle beider Unternehmen und der betroffenen Mitarbeiter zu ermöglichen. „Unsere Familie hat die Gewinne immer konsequent in das Unternehmen reinvestiert und nicht für private Zwecke entnommen und ausgegeben. Die Schaeffler-Gruppe hat seit 1996 die Zahl ihrer Mitarbeiter und ihren Umsatz mehr als verdreifacht und meldet jedes Jahr über 1.000 Patente an. Wenn es uns darum gegangen wäre, uns persönlich zu bereichern, hätten wir in den vergangenen zwölf Jahren nicht in diesen weiteren Aufbau der Schaeffler-Gruppe investiert und uns auch nicht bei Continental engagiert. Es geht uns bei dieser Transaktion um die langfristige Sicherung der technologischen Basis zweier deutscher Weltmarktführer zum Wohle beider Unternehmen und seiner Mitarbeiter, davon allein knapp 80.000 in Deutschland“, lässt sich darüber hinaus der Stellungnahme der Gesellschafter entnehmen, die sich auch in Zukunft dafür einsetzen wollen, dass sich die verbundenen Unternehmen Schaeffler und Continental langfristig stabil entwickeln können. „Wir werden alles daran setzen, eine sinnlose, von kurzfristigen Interessen getriebene Zerschlagung zu verhindern“, machen Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg deutlich.

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