Reifen Recycling Arnold setzt bewusst auf Trennung

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Spätestens seit 2005, als Heinz Arnold die Führung der Reifenbörse Arnold GmbH komplett in die Hände seines Sohnes Andreas übergeben hatte, kann sich der Bergkamener voll und ganz auf das Geschäft mit der Entsorgung von Altreifen kümmern. „Wir sind ein klassischer Entsorgungsfachbetrieb“, betont der Inhaber von Reifen Recycling Arnold und setzt sich mit dieser Aussage ganz bewusst ab von Mischbetrieben, die einerseits Altreifen entsorgen, diese aber andererseits ganz systematisch nach möglichen Gebrauchtreifen und Karkassen durchsuchen. Dies, so Heinz Arnold, sei nicht sein Geschäft; er sei Dienstleister des Reifenfachhandels, nicht dessen Wettbewerber.

Das Geschäft mit den Altreifen, die Heinz Arnold im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG stets als zu entsorgender Abfall bezeichnet, hänge dabei ganz besonders vom Vertrauen der Kunden und der „festen, stabilen Beziehungen“ zu diesen Kunden ab. Ein ständiger Wechsel der Lieferanten, also der Reifenfachhändler, steigere die eh schon komplexe Logistik des Altreifentransportes und führe so zu einer Verschlechterung der Kostensituation des Entsorgers. Der „Kostenapparat“, den Arnold bewältigen muss, sei sowieso schon „gewaltig“. Reifen Recycling Arnold jedenfalls bedient in einem Radius von rund 150 Kilometern um Bergkamen nördlich von Dortmund die klassische Kundschaft aus dem Reifenfachhandel. Im Einzugsgebiet des Unternehmens liegt demnach beinahe das gesamte Ruhrgebiet und somit die bevölkerungsreichste Region Deutschlands. Autohäuser, Reifenhersteller und andere Unternehmen, in denen Gummiabfälle anfallen, gehören indes kaum zur Klientel von Heinz Arnold. 95 Prozent der Betriebe, die regelmäßig entsorgt werden, sind unabhängige Reifenfachhandelsbetriebe aus dem Einzugsgebiet.

Und spätestens seit der Übernahme der Reifenbörse Arnold, also des Reifenhandelsbetriebes (ist First Stop angegliedert), durch seinen Sohn Andreas vor vier Jahren (der Standort selbst entstand schon 1999) kann sich Heinz Arnold komplett auf das Geschäft mit der Altreifenentsorgung kümmern. Entsprechend definiert er folglich auch sein Geschäft, dass Arnold als den „klassischen Entsorgungsbetrieb“ umschreibt. „Es interessiert uns nicht, ob da gute oder schlechte Reifen drin sind.“

Anstatt die ankommenden Container – Reifen Recycling Arnold nennt davon 120 Stück sein Eigen – systematisch nach verwertbaren Gebrauchtreifen oder Karkassen zu durchsuchen, werden die rund 7.000 Tonnen Altreifen, die jedes Jahr bei Arnold anfallen, nach Pkw-, Lkw-, Llkw-, Motorrad- und Landwirtschaftsreifen sowie gelegentlich nach Vollgummireifen sortiert. Und diese werden dann entweder der thermischen oder der stofflichen Verwertung zugeführt, wobei rund 70 Prozent verbrannt werden, während die verbleibenden 30 Prozent Altreifen eben geshreddert bzw. granuliert werden. Handelspartner der Zementindustrie ist dabei im Übrigen nicht Reifen Recycling Arnold selbst, sondern das Unternehmen Energy Trading, das von Heinz Arnolds Ehefrau Anja Arnold geführt wird.

Reifen Recycling Arnold betreibt zwar auch eine kleine, eigene, handelsübliche Shredderanlage am 24.000 Quadratmeter großen Standort in Bergkamen, einem ehemaligen Bahnhofsgelände, wo immer noch ein Stellwerk betrieben wird. Mit dieser Anlage wird aber nur jeder zehnte ankommende Reifen zerkleinert, je nach den Bedürfnisses des Abnehmers in der Zementindustrie. Es können allerdings ausschließlich Pkw-Reifen geshreddert werden; große Landwirtschaftsreifen werden außerdem gelegentlich zerkleinert. Die Kunden in der Zementindustrie, denen Arnold jährlich eine vertraglich fest vereinbarte Tonnage liefert, legen dabei großen Wert darauf, dass die Reifen nach Produktgruppen vorsortiert sind. Folglich werden Altreifen nie direkt vom zu entsorgenden Reifenfachhändler ins Zementwerk gefahren.

Die so genannte „Gate Fee“, also die Gebühr pro Tonne Altreifen, die Arnold für die Anlieferung des Ersatzbrennstoffs Altreifen in der Zementindustrie bezahlen muss, liege dabei auf Marktniveau, also zwischen 30 und 70 Euro. Die Kostendeckung muss folglich zwischen diesem Betrag – der übrigens auch bei Granulierern anfällt – und dem stattfinden, was der Reifenfachhandel für die Entsorgung seiner Altreifen an den Entsorger bezahlen muss. Und das sind rund 120 Euro pro Tonne bzw. 12 Cent pro Kilogramm (dies entspricht durchschnittlich rund 90 Cent pro Pkw-Reifen). Da Reifen Recycling Arnold nur begrenzte Lieferkontingente in der Zementindustrie hat, wie alle anderen Wettbewerber auch, müsse in jedem Fall eine fachgerechte Zwischenlagerung stattfinden.

Auch wenn Reifen Recycling Arnold sich nicht systematisch am Handel mit Gebrauchtreifen und Karkassen beteiligen wolle, werden doch „auf den ersten Blick gute Reifen“ vom Sortierpersonal herausgepickt; diese würden dann verkauft, was allerdings bei einer Sortierquote im unteren einstelligen Bereich die Ausnahme sei. Bewusst nach brauchbaren Altreifen suchen zu lassen und dafür geschulte Sortierer offiziell zu beschäftigen, rechne sich bei der Sortierquote und den aktuellen Karkassenpreisen sowieso kaum. „Wir wollen uns nicht an fünf Reifen klammern, die ich aus einem Container hole“, beschreibt Heinz Arnold seine Einstellung zum Geschäft und betont noch einmal, man sei schließlich Entsorger. Diese klare Trennung verschiedener Geschäftsinhalte schaffe außerdem Glaubwürdigkeit beim Kunden, ist er sich sicher.

Schwarze Schafe in der Branche

Dass es zunehmend schwarze Schafe in der Branche gibt, die ohne entsprechende Zertifizierungen und Genehmigungen Altreifen entsorgen und diese dann dem Verpächter der genutzten Immobilien hinterlassen, kann Heinz Arnold nicht feststellen. Auch will er nicht von einem Trend sprechen. Der Sprecher der ZARE – der „Zertifizierten Altreifenentsorger“ im BRV – ist allerdings auch nicht der Ansicht, dass dieses „Phänomen“ rückläufig ist, und erkennt sogar „mehr als Einzelfälle“. Selbst in den Niederlassungen großer und zur Industrie gehörender Ketten sei eine entsprechende kostenlose Entsorgung über die schwarzen Schafe der Branche nicht unüblich. Und eine Kontrolle durch die Inhaber? „Man schaut einfach nicht hin und überlässt es dem Geschäftsführer vor Ort.“ Außerdem werde im Reifenfachhandel die Entsorgungsgebühr für alte Reifen gerne als Rabattinstrument und als Margenbringer angesehen bzw. zur Deckung anderer Kosten genutzt. Jeder Altreifenentsorger allerdings, der sich um seinen Ruf und seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit Gedanken mache, so Arnold weiter, würde sich an entsprechenden „illegalen Machenschaften“ nicht beteiligen.

Reifen Recycling Arnold beschäftigt zwölf Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 600.000 Euro.

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