Lanxess: Kautschuk-Know-how macht den Unterschied

Die konsequente Weiterentwicklung synthetischer Kautschuke kann Reifen zu erheblichen Leistungssteigerungen verhelfen: Wie das geht, zeigte der Spezialchemie-Konzern Lanxess AG auf dem 4. Intelligent Tire Technology-Kongress, der in dieser Woche in Wiesbaden stattfand. Auf einem eigenen Stand präsentierte der Synthesekautschuk-Hersteller dem Fachpublikum innovative Highlights für die Reifenbranche. Darüber hinaus informierte ein detaillierter Fachvortrag über neue Lösungs-Styrol-Butadien-Kautschuke (S-SBR), die durch neuentwickelte, intelligente Herstellverfahren zugänglich werden. Tests in den Lanxess-Prüflaboratorien sowie bei Kunden legen nahe, dass sich über diese neuen Laufflächen-Elastomere Nassgriff und Rollwiderstand von Fahrzeugreifen gleichzeitig auf ein neues Niveau heben lassen – bislang waren diese Eigenschaften gegenläufig miteinander verknüpft.

„Die aktuellen Diskussionen zum Thema ‚Intelligente Reifen‘ drehen sich vor allem um Fortschritte im Bereich der Sensorik“, so Christoph Kalla, Marketingleiter in der Lanxess-Business Unit Performance Butadiene Rubbers. „Über diese Entwicklung freuen wir uns sehr, denn sie zeigt unmittelbar, wie deutlich die moderne Reifenentwicklung vom Einsatz topaktueller Spezialkautschuke von Lanxess profitiert.“ So machen zum Beispiel die aktuellen Monitoring-Systeme zur Messung des Reifeninnendrucks (TPMS) das Potenzial moderner, gasdichter Butyl- und Halobutylkautschuke dieses Unternehmens direkt messbar.

Den Unterschied zwischen Standard- und Highend-Produkten machen dabei nicht selten eher diffizile Änderungen an den Elastomermolekülen aus, die heute nur noch forschungsfreudige Premiumanbieter im Kautschuksektor beherrschen, wie Norbert Steinhauser von Lanxess in seinem Vortrag erläuterte. Er beschäftigt sich mit der konsequenten Weiterentwicklung von Styrol-Butadienkautschuken, die im Lösungsverfahren über die so genannte anionische Polymerisation hergestellt werden. Nach dieser Technologie entstehen besonders verzweigungsarme Kautschukmoleküle, die sich durch eine vergleichsweise enge Molekulargewichtsverteilung auszeichnen – was Kautschukexperten mit guten Abrieb- und Rollwiderstandswerten verbinden. Diese Moleküle ließen sich über ihre chemisch aktiven Endgruppen bisher schon sehr vielfältig modifizieren. So kann man sie zum Beispiel untereinander verknüpfen, um ihre Verarbeitungs­eigenschaften zu verbessern, oder an den Enden mit speziellen chemischen „Ankern“ versehen. Über diese kann der Kautschuk besser mit Füllstoffen interagieren – was den Rollwiderstand des Reifens verbessert, ohne den Griff auf nasser Straße zu beeinträchtigen.

Lanxess führt diesen Gedanken nun weiter – mit der Einführung von „intelligenten“ Lösungs-SBR-Kautschuken, die nicht bloß an den Molekülenden, sondern über die ganze Länge des Moleküls verteilt „Anker“ aufweisen, über die das Elastomer mit anderen Gummi-Bestandteilen in Wechselwirkung treten kann. In Laborversuchen konnte belegt werden, dass derartige SBR-Kautschuke genau die gefragten Eigenschaften mitbringen, die in der Praxis mit einem gesteigerten Nassgriff bei gleichzeitig reduziertem Rollwiderstand korreliert sind. Bei „klassischen“ Kautschuken dagegen lässt sich der eine Wert nicht steigern, ohne den anderen zu verschlechtern. Auch der Abrieb bewegt sich bei den neuen Kautschuken auf einem sehr niedrigen Niveau. Mehr noch: Der positive Effekt schlägt auch dann durch, wenn die Mikrostruktur des Kautschuks durch übliche Änderungen der Polymerisationsbedingungen variiert wird.

„Die Effekte, die wir im Labor sehen, sind zum Teil dramatisch“, betont Steinhauser. „Und sie schlagen sich auch in ersten Praxisversuchen bei einigen unserer Kunden in einer besseren Reifenperformance nieder.“ Damit haben Reifenentwickler ein ganz neues Werkzeug zur Hand: Jetzt lassen sich Rollwiderstand und Nassgriff erstmals in bemerkenswertem Ausmaß gleichzeitig optimieren. „Dieses aktuelle Beispiel zeigt, was mit modernen Reifenrohstoffen heute alles geht“, bestätigt Kalla. „Und welches Innovationspotenzial im Werkstoff Gummi auch beinahe hundert Jahre nach der Entdeckung der ersten Synthesekautschuke in den Laboratorien unserer Vorgänger in Leverkusen heute noch steckt.“ Damit reiht sich die neueste Entwicklung nahtlos in eine Reihe anderer Innovationen aus dem Hause Lanxess ein, die dem weltweiten Trend zum Hightech-Reifen erhebliche Impulse verliehen haben.

Die Business Unit Performance Butadiene Rubbers gehört zum Lanxess-Segment Performance Polymers, das im Geschäftsjahr 2007 einen Umsatz von 2,68 Milliarden Euro erzielte.

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