„Scorpion Trail“ löst Pirelli-Enduroreifen „MT 90 S/T“ ab

Jüngt hat der Reifenhersteller Pirelli mit dem „Scorpion Trail“ sein – wie Dr. Guglielmo Fiocchi, Chef der Business Unit Moto bei dem italienischen Konzern und zugleich Vorsitzender der Geschäftsführung von dessen deutscher Tochter, es formuliert – „neuestes Baby“ für den Motorradreifenmarkt vorgestellt. Er trägt den „Scorpion“-Familiennamen des Herstellers, weil es sich bei ihm um einen Enduroreifen handelt und bei Pirelli alle Reifen (auch die für vierrädrige Fahrzeuge) mit einer Eignung für den Einsatz auch abseits befestigter Straßen mit diesem Zusatz in ihrer Produktbezeichnung aufwarten. Bei der Entwicklung des neuen Reifens, der den „Scorpion MT 90 S/T“ in der Pirelli-Produktpalette ablöst, standen aber nicht nur Offroadeigenschaften im Fokus, der Schwerpunkt wurde vielmehr auf gleich vier Aspekte gelegt: Zwar sind die Leistungen im Geländeeinsatz einer davon, aber da laut Fiocchi viele Endurofahrer mit ihrer Maschine doch meist eher auf als abseits der Straße unterwegs sind, wurde auch dem Grip, den Handlingeigenschaften sowie der Stabilität des Reifens viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei hat der Hersteller Fiocchi zufolge vor allem den Anforderungen Rechnung getragen, welche die Kunden heute an einen Enduroreifen stellen. „Uns war dabei besonders wichtig, wie der Kunde den Reifen nutzen will. Wir haben dabei den Normalfahrer als Maßstab herangezogen“, erklärt Fiocchi.

„Die meisten Endurofahrer fahren auf der Straße“, bestätigt auch Piero Misani, Direktor Forschung und Entwicklung der Business Unit Moto bei Pirelli Tyre. Gleichzeitig verweist er darauf, dass das Enduromarktsegment, das seit der Einführung der GS-Modelle von BMW immer populärer geworden sei, weiterhin von einem starken Wachstum geprägt ist, wobei es außerdem noch in immer mehr Untersegmente – von ihm als Endurotourer, Enduro-Café und Crossover/Urban Allround bezeichnet – zerfasere. Daraus resultiere auch ein breiteres Anforderungsprofil an einen Motorradreifen für dieses Segment. Ein gewisses Maß an Geländeeignung sei da ebenso gefragt wie ansprechende Leistungen auf der Straße. Darüber hinaus spielten dabei auch solche Dinge wie beispielsweise das Profildesign verstärkt eine Rolle für die Kundschaft. „Aber Enduroreifen sind nicht einfach Straßenreifen nur mit einem anderen Profil“, sagt Misani unter Verweis auf die dreijährige Entwicklungszeit für den „Scorpion Trail“. Technologie ist seinen Worten zufolge die Antwort auf die verschiedenen Anforderungen an einen Reifen, dessen Aussehen/Eigenschaften zwar eher auf einen Offroadreifen schließen lassen würden, der aber nichtsdestotrotz doch für den vorwiegenden Einsatz auf der Straße konzipiert ist.

Als größte Innovation des „Scorpion Trail“ bezeichnet Misani dessen Profildesign. „Zwei in eins ist das dahinter stehende Konzept, für das wir zwei Patente beantragt haben“, sagt er. Gemeint damit ist, dass die Profilgestaltung sektionsweise über den Reifenumfang abwechseln so ausgelegt wurde, damit sie einerseits eher dem Straßenbetrieb zugutekommt und andererseits auch Unterstützung für Fahrten abseits befestigter Wege bietet. So finden sich je nach Sektion sowohl stabile Profilblöcke mit einer reduzierten Zahl von Profilrillen, sodass viel Gummi in Kontakt mit der Fahrbahn kommt und entsprechend hoher Grip aufgebaut werden kann, als auch Bereiche, die durch mehr Einschnitte bzw. Profilrillen gekennzeichnet sind, um auf diese Weise genügend Griffkanten für ordentliche Traktionswerte auf unbefestigtem Untergrund sowie einen guten Nassgrip zu sorgen. Unterstützt wird dies laut Misani durch die spezielle Kontur der „Scorpion-Trail“-Reifen. „Über die Kontur hat man Einfluss auf die Handlingeigenschaften des Reifens“, erklärt Misani. „Jede Längsrille im Profil bewirkt eine Art Scharniereffekt, was wiederum Einfluss auf die Kontur hat“, beschreibt er die Zusammenhänge. Insofern trage der Profilbereich mit den wenigen Profilrillen auch zur Stabilisierung der Kontur bei.

„Und die Stabilität eines Reifens ist dem Endurofahrer sehr, sehr wichtig“, weiß Misani von seinen Erfahrungen zu berichten. Deswegen vertraut Pirelli bei den „Scorpion-Trail“-Ausführungen in Radialbauweise auf seine patentierte Null-Grad-Stahlgürteltechnologie, woraus zudem eine homogenere Bodendruckverteilung bzw. gleichmäßigere Aufstandsfläche resultieren soll. Dies spiele vor allem auch in Sachen Kilometerlaufleistung eine wichtige Rolle, die er für den neuen Reifen mit über 10.000 Kilometern beziffert. Dies sei im Übrigen ein Ergebnis der sogenannten „Factory“-Tour gewesen, bei welcher der „Scorpion Trail“ auf einer Rundtour zu allen europäischen Pirelli-Produktionsstandorten seine Qualitäten im praxisnahen Fahrversuch unter Beweis stellen musste. „Innerhalb von 16 Tagen sind wir dabei durch 13 Länder gefahren und haben rund 10.000 Kilometer zurückgelegt. Im Anschluss hätten die Reifen wohl noch weiteres Potenzial für geschätzte 2.000 Kilometer gehabt“, so Salvo Pennisi, Leiter des Fahrversuches bei Pirelli Tyre. Um den unterschiedlichen Typen von Enduromotorrädern gerecht zu werden, ist der „Scorpion Trail“ allerdings auch in Diagonalbauweise für – wie Pirelli sagt – „Motorräder der mittleren Leistungsklassen und mit einem stärkeren Offroadanspruch“ erhältlich, während die Radialreifen für Maschinen vom Schlage einer BMW GS gedacht sind.

„Alle Vorzüge der beiden Reifenbauweisen bleiben ebenso bei gemischtem Einsatz der ‚Scorpion-Trail’-Varianten erhalten: Auch bei einem Diagonalreifen am Vorderrad und einer Radialversion am Hinterrad, wie sie viele beliebte Enduros – wie etwa die Honda Transalp – benötigen, bieten die Scorpion Trail die bestmögliche Performance“, heißt es vonseiten des Reifenherstellers. Demnach habe man zudem außerdem die Laufflächenmischungen der einzelnen „Scorpion-Trail“-Varianten noch individuell auf die verschiedenen Anforderungen und Einsatzbereiche zugeschnitten. Bei schweren Reiseenduros mit Radialbereifung kommt demnach am Vorderrad eine Mischung zum Einsatz, die maximale Stabilität bei voller Beladung und hohen Geschwindigkeiten bietet, während die Hinterradmischungen der Radialstahlgürtelreifen einen erhöhten Silica-Anteil besitzen sollen, um auf diese Weise nicht nur guten Nassgrip, sondern auch eine kurze Aufwärmzeit realisieren zu können. Die Mischung der Diagonalversionen des neuen Reifens sei demgegenüber für den Allroundeinsatz auf leichten bis mittelschweren Enduros optimiert. Unabhängig von solchen Unterschieden verspricht Pirelli, dass der „Scorpion Trail“ in der Summe aller seiner Eigenschaften sowohl Offroadtraktion in leichtem Gelände als auch Straßen-Grip in allen Fahrsituationen mit gutem Handling und Komfort sowie einer vertrauenerweckenden Hochgeschwindigkeitsstabilität verbindet.

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