Reifenhandelssoftware: Was darf es denn sein?

Obwohl es wegen des bescheidenen Winterreifengeschäftes in der zurückliegenden Saison nicht gerade zum besten um die Investitionsbereitschaft im Reifenfachhandel bestellt ist, bleibt ein Thema dennoch wie gehabt ganz oben auf der Tagesordnung: die „richtige“ EDV-Lösung für den Betrieb, mit dem sich die tagtäglich anfallenden Arbeiten möglichst effizient bzw. zeit- und damit kostensparend bewältigen lassen.

Dabei ist es gar nicht so einfach, die beste Lösung für den jeweiligen Betrieb zu identifizieren. Wobei mit dem Besten nicht automatisch unbedingt das hinsichtlich seiner Funktionalität umfangreichste Programm gemeint sein muss, sondern vielmehr dasjenige, das den Bedürfnissen des Anwenders am ehesten gerecht wird. Beispielweise wird ein Einmannbetrieb andere Anforderungen an seine EDV stellen als ein größerer Filialist, der sämtliche Lager mit seinem IT-System verwalten will. Solche Klippen umschiffen die meisten IT-Dienstleister heute allerdings mit Lösungen, die sich den vorherrschenden Erfordernissen entsprechend anpassen lassen. Vorteil: Kommt dann vielleicht doch einmal eine weitere Expansion durch zusätzliche Filialen in Frage, muss nicht gleich in neue Software investiert werden, weil die vorhandene das für solche Fälle benötigte Rüstzeug zugunsten einer noch einfacheren bzw. komfortableren Bediendung vielleicht bislang nur unter ihrer Anwenderoberfläche verborgen hat.

Bei der Wahl der Reifenhandelssoftware kann neben rein technischen Kriterien allerdings auch die etwaige Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Kooperation eine mitentscheidende Rolle spielen – egal ob nun eine solche nun eher locker an die Reifenindustrie gebunden ist oder auch stärker. So wird zum Beispiel sicherlich so mancher Partner der Goodyear Dunlop Handelssysteme (GDHS) schon einmal ein Auge auf die „Tiresoft II“ genannte Software geworfen haben, welche die Handelsorganisation des Reifenherstellers den Partnern ans Herz legt. Sie soll unter anderem Schnittstellen zum Managementinformationssystem (MIS), zum Credit Pool der GDHS, zu Teilelieferanten, zum Price Analysing Tool (PAT) und zum „Vendor Managed Inventory“ (VMI) des Unternehmens bereithalten. Als eines der wichtigsten Elemente von „Tiresoft II“ wird jedoch die zentrale Preis- und Artikelpflege herausgestellt, wobei Artikel- und Preislisten regelmäßig elektronisch in die Betriebe der GDHS-Partner übertragen werden. Dies sieht man bei Goodyear Dunlop als „Grundlage für wohlüberlegte Kalkulationen und gesunde Erträge“ im Handel.

Neben den „klassischen“ Funktionen eines Warenwirtschaftssystems ermöglicht „Tiresoft II“ darüber hinaus die Analyse von Kundendaten. Es lässt sich also beispielsweise auswerten, was für den jeweiligen Betrieb die erfolgreichsten Werbeträger sind – Anzeigen, Internet, Bandenwerbung oder das Plakat an der Ausfallstraße – oder welche Gebiete ein besonders gutes Potenzial bergen. Denn das System versetze die Partner in die Lage, bei jedem Verkauf festzuhalten, über welche Werbequelle der Kunde auf das Unternehmen aufmerksam wurde. Daraus kann dann zurückgeschlossen werden, welche Werbemaßnahme zu welchem Erfolg geführt hat, sodass sich durch eine noch gezieltere Kundenansprache Umsatz und Gewinn möglicherweise zusätzlich steigern lassen. Eine Übersicht aller Komplettpreise, inklusive Dienstleistungen und Zusatzartikel beherrscht „Tiresoft II“ dabei ebenso wie die Verwaltung sämtlicher Kunden- und Kfz-Informationen zum jeweiligen Auftrag, eine flexible Preisgestaltung durch individuelle Preisschienen und kundenspezifische Preise für einzelne Artikel, die Onlineidentifizierung des jeweiligen Kfz und dessen Serienbereifung sowie die Integration von mehreren Kfz-Teilekatalogen mit automatischem Bestellwesen bzw. Artikel- und Preisupdates.

Als weitere Vorteile der Lösung hebt GDHS noch die Lageroptimierung durch VMI, die Anbindungsmöglichkeit von Onlinewerkstattplanern oder die AdHoc-Bestellmöglichkeit mittels der Software heraus. „Direkt aus der Beratung prüft das Verkaufspersonal die Verfügbarkeit und bestellt per Mausklick. Das Verkaufsgespräch läuft indes ungestört weiter“, wird ein Anwendungsszenario beschrieben. Aber auch wenn seitens der GDHS betont wird, nur mit „Tiresoft II“ lasse sich ein Reifen- und Autoservicebetrieb ganzheitlich führen mit allen Komponenten, die für den Reifenhandel eine Rolle spielen, so tummeln sich doch unabhängig davon dennoch zahlreiche unabhängige IT-Anbieter im Markt, die aus ihrer Perspektive natürlich mindestens den gleichen Anspruch für sich bzw. für die von ihnen offerierte Software reklamieren. Allerdings ist das Bestreben, die eigenen Kooperationspartner auf ein bestimmtes System einzuschwören, nicht auf den Dunstkreis der Reifenhersteller beschränkt. So hat point S Deutschland seinen Servicepartnern beispielsweise erst im Februar dieses Jahres empfohlen, die Reifensoftware „BSS.tire“ einzuführen.

Diese auf Microsoft Dynamics NAV basierende Software wurde von der österreichischen Firma Begusch Software Systeme (BSS) entwickelt, wobei das Unternehmen schon seit Ende 2005 eng mit der KUMAvision AG aus Markdorf zusammenarbeitet, die Vertriebs- und Implementierungspartner aller BSS-Projekte in Deutschland ist. Dem Schritt, dass point S den eigenen Partnern den Einsatz von „BSS.tire“ nahe legt, ist scheinbar jedoch ein längerer Entscheidungsfindungsprozess vorausgegangen. Jedenfalls ist noch im Rahmen der Jahresauftaktsitzung 2007 des Reifenfachhandelsverbundes mit „Tradesprint“ mindestens ein weiterer Kandidat als mögliche Gesellschafterlösung bei point S gehandelt worden. Unabhängig davon steht zudem nicht zu erwarten, dass die Empfehlung der point-S-Zentrale bei tatsächlich allen Partnern tatsächlich umgesetzt wird. Dafür gibt es sicherlich zu viele Händler die mit ihrer bisherigen EDV-Lösung nach wie vor zufrieden sind und keinen Bedarf für einen Umstieg sehen, doch dazu später mehr.

„Wir gehen auch gar nicht davon aus, dass die Empfehlung der point-S-Zentrale bei 100 Prozent aller Partner umgesetzt wird. Wir rechnen eher mit einer Größenordnung von vielleicht zwei Dritteln“, so Armin Schneider-Lenhof, Leiter Marketing bei der KUMAvision AG, im Gespräch mit dieser Fachzeitschrift. Kopfzerbrechen bereitet das dem Unternehmen sicherlich nicht, konnte man doch über den Erfolg bei point S hinaus jüngst erst den Anwenderkreis für die Reifenhandelssoftware „BSS.tire“ mit Kunden wie etwa dem Großhandelsunternehmen Grasdorf Wennekamp oder der Reifen Müller KG (Hammelburg) erweitern. Zum Einsatz kommen bei den Hammelburgern demnach neben Standardfunktionen der Software wie beispielweise dem integrierten Artikelstamm mit rund 80.000 Reifen- und Felgendaten auch unternehmensspezifische Anpassungen für die rund 175 Anwender: Dazu zählt neben der Echtzeitanbindung der Filialen auch die Abbildung der Logistikkette im neuen Verteilerzentrum, sodass die Hammelburger unternehmensweit von einer integrierten Softwarelösung profitieren.

„Berater der Firma Reifen Müller haben unser Angebot mit einem ausführlichen Pflichtenheft auf Herz und Nieren geprüft. Wir konnten alle Anforderungen erfüllen und haben nicht zuletzt dank unseres nachgewiesenen Prozess-Know-hows und unserer Branchenkompetenz den Zuschlag dafür erhalten“, so Jürgen Natter, der bei KUMAvision im Bereich Reifenhandel für Beratung und Vertrieb verantwortlich zeichnet. Seit über 40 Jahren ist die Reifen Müller KG im Reifen- und Zubehörgeschäft tätig. Über 350 Mitarbeiter betreuen ein Servicenetz mit 30 Filialen und Montagestationen. Das Firmenportfolio stellt vielfältige Anforderungen an die im Unternehmen eingesetzte Warenwirtschaft. Nicht zuletzt das stetige Wachstum und das eigene Runderneuerungswerk machten die Ablösung der bisher eingesetzten Individuallösung erforderlich. „Unsere Wahl fiel auf ‚BSS.tire’, da wir in der Lösung durch ihr Gesamtkonzept und den existierenden Funktionsumfang die beste Perspektive für uns sehen“, erklärt Klaus Müller, Geschäftsführer der Reifen Müller KG. „Ein weiterer wesentlicher Punkt bei der Entscheidungsfindung für uns war, dass Microsoft Dynamics NAV die Plattform für ‚BSS.tire’ ist. Das neue System bietet uns dadurch eine hohe Investitionssicherheit und integriert sich auch gut in unsere bestehende IT-Landschaft“, ergänzt Müller.

Es sieht also ganz so aus, als ob das Unternehmen weiter auf Wachstumskurs sei. Als Indiz dafür kann auch die Bilanz für das zurückliegende Geschäftsjahr 2007 herangezogen werden, die das Unternehmen kürzlich im Rahmen seiner Hauptversammlung veröffentlichte. Demnach konnten die KUMAvision AG und ihre drei Tochterunternehmen 2007 ihren Umsatz von 17,9 auf 21,5 Millionen Euro steigern und damit den geplanten Wert von 19 Millionen Euro sogar noch übertreffen. Auch der Gewinnanteil vor Steuern und Zinsen (EBIT) des Anbieters von Businesssoftware stieg von fünf auf 7,5 Prozent zu. Dazu wird dank erweiterter Kundenbasis nicht zuletzt auch der Bereich Reifenhandel – darüber hinaus ist KUMAvision noch in anderen Branchen wie beispielsweise Maschinen- und Anlagenbau, Medizintechnik, Ingenieurdienstleister, Zulieferindustrie, Elektronik sowie Großhandel aktiv – sein Scherflein beigetragen haben. „Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück“, so Markus Schrade, Vorstand der KUMAvision AG, angesichts der positiven Entwicklung.

Insbesondere im Dienstleistungsbereich, der seinen Worten zufolge 69 Prozent zum Gesamtumsatz des derzeit 170 Mitarbeiter (allein 20 davon sind dem Bereich Reifenhandel zuzuordnen) beschäftigenden Unternehmens beiträgt, habe es im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Aufträge gegeben. Eine Verbesserung könne jedoch auch vom Softwarelizenzgeschäft (Umsatzanteil: 31 Prozent) gemeldet werden, so das Unternehmen, das sich weiteres Wachstum während der kommenden Jahre auf die Fahnen geschrieben hat. Deshalb ergänzt seit Anfang 2008 Kay von Wilcken den Vorstand des Unternehmens. Gemeinsam mit Markus Schrade und Markus Leuter leitet er das Unternehmen und will vor allem den eingeschlagenen Expansionskurs vorantreiben. Das Ziel für die nächsten Jahre ist es demnach, eine flächendeckende Präsenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufzubauen. Derzeit ist KUMAvision bereits an elf Standorten in Deutschland und Österreich vertreten. „Auch wenn die globale Vernetzung vieles vereinfacht hat, ist die regionale Nähe zu unseren Kunden unerlässlich“, erklärt Kay von Wilcken.

„Um eine optimale Betreuung zu gewährleisten, streben wir möglichst kurze Wege an. Unsere Spezialisten sollen so wenig Zeit wie möglich auf der Straße verbringen“, ergänzt er. Schließlich ist KUMAvision ja nicht nur Vertriebs-, sondern eben auch Implementierungspartner von BSS. Das bedeutet, dass der IT-Dienstleister seinen Kunden selbstverständlich auch nach der Entscheidung für „BSS.tire“ weiter begleitend zur Seite steht. Denn bietet die Software eine Fülle an Funktionen rund um alle in der Reifenhandelspraxis anfallenden Aufgaben an, die es jeweils auf die konkret vor Ort benötigten Erfordernisse abzustimmen gilt. Das fängt schon bei Standards wie dem Artikelstamm an, bei dem für die verschiedenen Artikelarten wie Reifen, Stahlräder, Aluräder, Schläuche etc. auch Untergruppierungen möglich sind, geht weiter mit der KB-Preispflege und Preiskalkulation bis hin zur Belegerstellung und dergleichen mehr. Darüber hinaus können Katalogsysteme in „BSS.tire“ übernommen werden, eine Bühnenplanung ist vorgesehen und auch eine Karkassenverwaltung für Runderneuerer sowie natürlich die Anbindung eines Webshops oder die Nutzung von Webservices stellt die Software des Duos KUMAvision/BSS nicht vor unlösbare Aufgaben. Alles dies hat das Unternehmen in einer neuen Broschüre zusammengefasst, die druckfrisch zur Reifenmesse erschienen ist.

Vorwärts geht es allerdings nicht nur bei den Markdorfern, schließlich kann auch die Cormeta AG für das abgelaufene Geschäftsjahr ein zweistelliges Umsatzwachstum vorweisen. Im Geschäftsjahr 2007/2008, das am 30. April endete, konnte die Cormeta AG eigenen Angaben zufolge ihren Umsatz auf 18,4 Millionen Euro steigern, was einem Plus von 3,7 Millionen Euro bzw. gut 25 Prozent gegenüber dem Bezugwert von 14,7 Millionen des vorangegangenen Berichtszeitraumes 2006/2007 entspricht. Im gleichen Zeitraum soll sich die Mitarbeiterzahl auf 103 (zuvor: 94) erhöht haben. „Die positive Entwicklung der letzten Jahre beweist, dass wir unser Profil als SAP-Anbieter weiter geschärft haben. Cormeta ist zu einem Begriff für in der Praxis erprobte Technologie, gepaart mit fundiertem Branchenwissen, geworden“, ist Vorstand Holger Behrens überzeugt, der das Umsatzwachstum darauf zurückführt, dass durch die gute Konjunktur entsprechende Volumina vorhanden seien.

„Es wird jetzt verstärkt in Informationstechnologie investiert, um für zukünftige Herausforderungen gerüstet zu sein“, sagt er unter Verweis auf vor allem im Bereich technischer (Groß-)Handel hinzugewonnene zahlreiche Neukunden. Als Beispiele nennt er in diesem Zusammenhang die Firmen Reifen Ihle Günzburg und Burkert Fahrzeugteile, die auf die von dem Ettlinger Softwarehaus angebotene und „Tradesprint“ genannte Lösung für den technischen (Groß-)Handel, den Kfz-Teile- und Reifenhandel setzen. Darüber hinaus bietet Cormeta allerdings auch Branchensoftware etwa für die Nahrungsmittelindustrie („Foodsprint“), pharmazeutische Industrie („Pharmasprint“) oder auch die Kosmetikindustrie („Beautysprint“) an. Als neues Produkt wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr außerdem „Trimahnsprint“ – eine Lösung für das integrierte gerichtliche Mahnverfahren – lanciert. Kunden aus der Versorgungswirtschaft und dem Großhandel sollen ihre Mahnverfahren damit bereits per elektronischem Datenaustausch direkt aus SAP heraus mit den zuständigen Gerichten abwickeln.

Und auch wenn seitens der point-S-Führung nicht die Empfehlung für „Tradesprint“ als Gesellschafterlösung ausgesprochen wurde, so heißt dies allerdings nicht, dass das IT-Unternehmen den Reifenhandelsverbund nicht doch zu seinen Referenzkunden zählen kann. Denn in der Zentrale setzt man sehr wohl auf die auf SAP basierende Software. Als weitere Referenzen aus der Reifenbranche werden auf der Cormeta-Website neben Ihle und point S darüber hinaus noch die GHU Reifen + System GmbH (Fulda), die Pneuhage Management GmbH & Co. KG (Karlsruhe) oder die Reifen Krupp GmbH & Co. KG (Schifferstadt) geführt. Und schließlich geht man selbst bei KUMAvision ja davon aus, dass rund ein Drittel der point-S-Partner möglicherweise nicht der Empfehlung der Kooperationszentrale folgen werden, sondern einer anderen Lösung als „BSS.tire“ den Vorzug geben. Und warum sollte das bei dem einen oder anderen dann eben nicht vielleicht auch „Tradesprint“ sein?

Zugleich meldet mit der GDI Gesellschaft für Datentechnik und Informationssysteme GmbH allerdings ein anderer IT-Anbieter Zweifel daran an, ob allzu viele Mitglieder des Reifenhandelsverbundes überhaupt zur Abkehr von dem „heute anerkannten Softwarestandard bei den meisten point-S-Partnern“ bereit seien. Gemeint damit ist das Programm „Radius“, das bei mehr als 300 Kooperationspartnern installiert sein soll sowie laut Sabine Jost, die bei GDI für Vertrieb und Marketing verantwortlich zeichnet, zudem im Bereich Kfz- und Reifenhandel in ganz Europa autonom vermarktet wird. Die Einführung von „Radius“ vor zehn Jahren habe bei point S nicht nur Schluss gemacht mit einer langen Phase der Ungewissheit und Improvisation, die gekennzeichnet gewesen sei von uneinheitlichen Softwarelandschaften, selbst gebaute Programmsegmente, unzählige Insellösungen und inkompatible Softwarearchitekturen, sondern damit habe point S seinen Partnern zugleich eine Business-Lösung an die Hand geben, die den Interessen aller Beteiligten gerecht geworden sei, so das in Landau in der Pfalz beheimatete Softwarehaus rückblickend.

„Radius“ soll alle Funktionalitäten abdecken, die in der tagtäglichen Praxis des Reifenhandels benötigt werden: Ein Beratungssystem für Reifen, Felgen und Komplettpakete, Artikel- und KB-Preisversorgung und die direkte Anbindung an Kfz-Ersatzteilkataloge gehören demnach ebenso zum Standard wie ein Key-Account-Tool, komplettes Ad-hoc-Bestellwesen mit Anbindung an den EDIWheel-Standard sowie Filialhandling. „Wir arbeiten ständig an der Optimierung des Produktes, um bei ‚Radius’ das umzusetzen, worauf der Händler anderswo vergebens wartet. Zum Beispiel die Anbindung der neuen Onlinekataloge ‚STAkis’ von Stahlgruber und ‚Tmod’ von Trost, schnell, bequem und sicher über eine Internetplattform. Dieses Tools sind gerade am Werden und sollen schon ab Sommer dazu beitragen, dass das Herbstgeschäft so richtig brummt“, erklärt der bei GDI für das Projekt verantwortliche Harald Maurer. Bei all dem sei Radius ist kein „zentralistisches Controlling-Programm, sondern eine echte Indoor-Lösung, die dem einzelnen Händler die Autonomie der Entscheidung belässt und seine sensiblen Unternehmensdaten schützt“.

Erst im Dezember vergangenen Jahres hätte ein repräsentativer Querschnitt der „Radius“-Anwender ihrer Branchenlösung ein gutes Zeugnis ausgestellt, heißt es unter Verweis darauf, dass bei einer entsprechenden Befragung neunzig Prozent der Teilnehmer angegeben hatten, die Software jederzeit weiterzuempfehlen. Des Weiteren wurden dem Unternehmen bei der Umfrage eigenen Angaben zufolge außerdem noch gute Noten in Sachen Betreuung ausgestellt – sowohl was die Kompetenz bzw. fachliche IT-Beratung betrifft als auch in Bezug auf Freundlichkeit oder Erreichbarkeit. Darin, dass die point-S-Zentrale ungeachtet dessen nunmehr „eine bislang wenig verbreitete Software“ als Standard eingeführt bzw. den Partnern der Umstieg auf diese Lösung empfiehlt, sieht GDI nicht nur ohne Not aufs Spiel gesetztes Vertrauenskapital, sondern auch als möglichen „Versuch, per neuer Softwarestrukturen durch die Hintertür eine verstärkte Kontrolle der unabhängigen Servicecenter“ einzuführen und die „Eigenständigkeit der einzelnen Unternehmen im Verbund zu schwächen“. Wie dem auch sei, außer KUMAvision/BSS, Cormeta oder GDI gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Softwareanbieter, die ihren Hut respektive ihre Branchenlösung in die Arena zu werfen haben.

Dazu gehört beispielsweise die Schaal Informatic GmbH aus Essen, die seit Jahren dedizierte Software für alle an der Vermarktung von Reifen und Zubehör beteiligten Unternehmen – Einzelhändler, Großhändler, Filialisten, Felgenhersteller etc. – entwickelt. Das Spektrum, das mit der „Propar“ genannten Lösung abgedeckt werden kann, reicht Unternehmensangaben zufolge dabei von der lokalen PC-Anwendung über Filialnetzwerke mit Zentralverwaltung bis hin zur Steuerung von Hochregallagern. Die Anbindung von Webshops an diese Warenwirtschaft sowie Im- und Exportschnittstellen zu Onlinemarktplätzen sind ebenfalls in die Lösung integriert, die sich neuerdings auch „on demand“ über das Internet nutzen lässt. Um solche Dinge wie Speicherplatz, Datensicherheit, die Aktualität der Anwendung selbst oder auch die Pflege der KB-Preise kümmert sich dabei dann Schaal Informatic. „Zusätzliche Hardwareinvestitionen, Aufwand für die Installation des Programms oder eine langwierige Schulung kann so entfallen“, zählen die Essener die Vorteile einer solchen Lösung auf. Dabei wird betont, dass jederzeit ein Umzug auf die klassische „Propar“-Version möglich ist, falls beispielsweise bedingt durch die Erweiterung des Betriebes zusätzliche Funktionen benötigt werden.

Auch bei „Tyre-Pro“ handelt es sich – nach dem Verständnis des dahinter stehenden IT-Anbieters Progressiv Reifen Media AG (PRM) – um „ein Softwaresystem, welches wie Strom aus der Steckdose einfach genutzt werden kann“. Die Offenheit des Programmes bzw. die Unterstützung anerkannter Softwarestandards unter Beachtung neuester Technologien erlaube völlig neue Lösungen einfach durch entsprechendes Konfigurieren, heißt es vonseiten des in Rutesheim beheimateten Unternehmens weiter. Gemeint damit jedoch im Wesentlichen eine Besonderheit, für welche die Reifenhandelssoftware im Rahmen der Reifenmesse in Essen mit dem sogenannten „Innovation-Award“ in der Kategorie „Konzepte und Prozesse“ ausgezeichnet worden ist: In „Tyre-Pro“ können – wie bei der Software anderer Anbieter auch – Fremdprogramme wie Bestellsysteme (adhocEDI, tradEDI), Kfz-Teilekataloge oder Flottenabrechnungssysteme eingebunden werden, jedoch werden die jeweiligen Fremdprogramme lediglich als Informationssysteme genutzt und brauchen daher nicht auf den verschiedenen Arbeitsplätzen installiert werden. „Softwareorientierte Architektur“ (SOA) nennt PRM dies.

„Das Internet ist heute das Maß aller Dinge, findet man dort doch die Informationen, die gerade benötigt werden. Über einen Browser greift man einfach auf die Portale zu. Eine Verbindung der Programme und Informationen ist damit jedoch noch nicht gegeben. Erst über eine SOA wird es möglich, dass Programme unterschiedlichster Hersteller kommunizieren und online Daten austauschen. Das Ganze geht über das Internet und darauf dürfte heute jeder einen Zugriff haben. Man muss sich das so vorstellen wie bei einem Staffellauf. Ein Dienst wartet startbereit darauf etwas zu tun, führt dies aus und wartet wieder. Daher ist dieses Verfahren auch so schnell und deutlich besser als jede andere Art des Datenaustausches zwischen unterschiedlichen Systemen“, so Hartmut Schramm von der Progressiv Reifen Media AG. Als Beispiel für das Zusammenspiel mehrerer verschiedener Webservices unterschiedlicher Programme geht er auf das Thema Räderberatung am Point of sale ein. „Hier wird COKIS als Beratungsprogramm mit den dort hinterlegten Informationen genutzt. Hat man die Felge gefunden, wird die Verfügbarkeit als Webservices, zum Beispiel bei dem Hersteller Alcar geprüft und eventuell über einen Bestellservice, dann gleich bestellt. Ein Auftragsbestätigungsservice des ERP-Systems des Lieferanten rundet das Ganze dann ab“, erklärt Schramm.

Komplizierter werde das Ganze, wenn zum Beispiel ein komplettes Leasingabrechnungssytem auf diese Art und Weise genutzt wird, so wie dies bei „Tyre-Pro“ zum Beispiel mit dem Reifenmanagement der IFS und EFR möglich ist. Aber auch hierbei verlasse der Anwender zu keinem Zeitpunkt sein eigenes Reifenprogramm, sondern werde über Services im Hintergrund völlig transparent bedient bis hin zur letztendlichen Übergabe des Abrechnungsbeleges. „Der Charme der Nutzung solcher Möglichkeiten liegt einfach darin, dass man fremde Programme mit seinen Informationen einfach nutzt, ohne diese installieren zu müssen“, meint Schramm. Von Vorteil sei zudem, dass Programme, die wie „Tyre-Pro“ auf einer entsprechenden Technik aufbauen, auch selbst wiederum anderen Anwendungen solche Services zur Verfügung stellen können. „So unterstützt ‚Tyre-Pro’ adhocEDI als Webservices, und alle Webshops der PRM AG sind Onlinewebshops, d.h. sämtliche Geschäftsprozesse eines Internetkunden erfolgen über Webservices an den Daten des Anwenders. Es müssen bei ‚Tyre-Pro’ eben nicht Dateien versandt oder eingelesen werden“, hebt Schramm hervor.

E-Commerce-Schnittstellen gehören – wenn vielleicht auch nicht via Webservices – allerdings auch bei anderen Softwareanbietern für den Reifenhandel zum Standard. So hat beispielsweise die MSI Software GmbH aus Hanau im Rahmen der REIFEN jüngst erst ihre Shopanbindung an ihre „MSI-Reifen“ genannte Branchenlösung vorgeführt. In einen darüber realisierten B2B-Shop, der laut Michael Waldschmidt – Software Engineer und Abteilungsleiter bei MSI – zusammen mit einem externen Partner entwickelt wurde, können sämtliche Artikeldaten direkt aus der Warenwirtschaft übernommen werden. Die Gestaltung des Shops kann vom Händler dabei selbst mit einem einfach zu bedienenden Frontend in die Hand genommen werden. Als Nächstes ist Waldschmidts Worten zufolge auf mehr oder weniger der gleichen Basis auch ein B2C-Shop geplant.

Wie MSI war übrigens auch die Manus GmbH (Dresden) nach Essen gekommen, um dem dortigen Fachpublikum „Manus Reifen“ vorzustellen. Diese „Business-Softwarelösung für den Reifenhandel“ wird vom Anbieter als betriebssystemunabhängiges ERP-System – das Akronym ERP steht dabei für Enterprise Resource Planning – bezeichnet, das mit Blick auf die Erfahrungswerte rund um die betriebswirtschaftlichen Prozesse kleiner und mittelständischer Unternehmen der Kfz-Branche entstanden sei. „Manus Reifen“ soll sich sowohl für den Groß- als auch den Versand- und Einzelhandel eignen und alle kunden- und lieferantenseitigen Geschäftsvorfälle der Kfz-Branche wie beispielsweise die Erstellung von Angeboten, Bestellungen, Lieferscheinen, Rechnungen, Rücklieferscheinen mit Gutschriften etc. abbilden können. In der Stammdatenverwaltung sind dazu alle Daten über Kunden, Lieferanten, Artikel, Leistungen und Fahrzeuge hinterlegt. Für eine einfache Handhabung der Software in der täglichen Praxis werden unter anderem vielfältige Suchmöglichkeiten geboten – rund um die Fahrzeugdaten ist beispielsweise eine Suche über Kriterien wie die Bezeichnung, Typ oder Hersteller möglich, in Sachen Reifen über Lieferant, Lagerbestand oder natürlich die Dimension.

„Ein weiterer Vorteil besteht im schnellen Wechsel unter anderem in die Artikel-, Kunden- oder Fahrzeugstammdaten innerhalb des Programms. Anhand der Fahrzeugverwaltung können Sie auf alle relevanten Daten zu den Fahrzeugen Ihrer Kunden zugreifen. In der Belegbearbeitung ist stets eine Verknüpfung mit den Kunden- und Fahrzeugstammdaten möglich“, erklärt Manus-Anwendungsberaterin Marie Keller. Als ebenso einfach mithilfe der Software beherrschbar beschreibt sie die Preiskalkulation oder die Kundenberatung mit Unterstützung durch „Manus Reifen“. Dies gelte ebenso für die alle Vorgänge rund um die Einlagerung von Kundenrädern, und Geschäftsführer Lorenz Praefcke vergisst nicht, darüber hinaus noch auf die Optionen zur Auswertung (etwa in Sachen Tagesumsatz) sowie die in die Software integrierten Schnittstellen (ATRIS, Coparts, AdHoc-EDI, DATEV usw.) hinzuweisen. „Für den E-Commerce bietet ‚Manus Reifen’ Schnittstellen für einen schnelleren und unkomplizierten Datenaustausch, unter anderem durch automatisierte Artikelimporte, AdHoc EDI, Verfügbarkeitsanfragen und Onlinebestellungen direkt aus ‚ManusERP’. Des Weiteren wird eine Anbindung an Plattformen wie Tyre100 und Gettygo angestrebt“, so Praefcke. Gegenüber der Messe vor zwei Jahren habe sich jedenfalls eine Menge getan rund um „Manus Reifen“, und es seien – wie er sagt – seither zahlreiche Module der Software weiterentwickelt worden.

Nicht auf der REIFEN vertreten war das Unternehmen Pneusoft.com-ERP Lösungen, das mit „Pneutyre 2000“ eine auf dem modularen Konzept der Sage KHK Office Line basierende Warenwirtschaft für den Reifenhandel zu bieten hat. Auch diese Software wird beständig weiterentwickelt und ermöglicht so neuerdings beispielsweise über auf Microsofts .net-Technologie basierende Webservices dem Anwender die Kommunikation mit seinen Partnern auf Basis des EDIWheel-XML/HTTP-Standards, wie Pneusoft-Geschäftsführer Daniel Smerda erklärt. Dies ermögliche den Kunden, Services wie Bestandsabfragen oder Bestellanfragen für Fremdsysteme zur Verfügung stellen zu können. „Konkret heißt das, dass Partner aus Warenwirtschaftssystemen die den EDIWheel-Standard beherrschen, bei ‚tyre2000’-Kunden bestellen oder Lagerbestände abfragen können, ohne neue Schnittstellen programmieren zu müssen“, so Smerda. Insofern verfolgt der Anbieter hier scheinbar den gleichen Ansatz wie PRM, denn abgesehen von Bestellungen oder Lagerbestandsabfragen ist demnach genauso die Bereitstellung von beliebigen Belegen, Artikelstammdaten, Preisen und Lagerbestandsdaten im XML Format oder Versandinformationen (Tracking) mit dem System möglich. Neben einer Anbindung der Tyre24-Plattform an die Pneusoft-Reifenhandelslösung können über zusätzliche Schnittstellen weitere Lieferanten eingebunden werden.

„Die Adhoc-Funktionen wurden in ‚tyre2000’ ebenfalls stark verbessert, so ist es zum Beispiel für eine Dimensionsabfrage möglich, neben den eigenen Beständen ebenfalls EDIWheel- und Fremdbestände von Industrie und Partnern parallel anzuzeigen. Ebenfalls wurde der Adhoc-Bestellworkflow optimiert, sodass neben der internen Bestellung gleichzeitig auch die Adhoc-Order erzeugt wird“, hebt Smerda weitere Neuerungen in der aktuellen Version der Software hervor. Zudem habe man das Kalkulationsmodul im Einkaufs- wie im Verkaufsbereich um eine Archivierung bzw. Planungstools ergänzt, damit beispielsweise Kalkulationen und Nettopreise aufbewahrt oder für Analysezwecke weiterverwendet werden können. Des Weiteren bringt das Programm nun einen sogenannten „Nettoarchivassistenten“ mit, mit dem die Preise von Lieferanten und Mitbewerbern importiert werden. „Das stellt eine wichtige Grundlage für ein weiteres Preismonitoring bzw. die Planung dar“, findet der Pneusoft-Geschäftsführer, und er verweist gleichzeitig darauf, dass Konditionen vorausplanend eingepflegt werden und zu einem bestimmten Stichtag dann manuell oder automatisch aktiviert werden können.

Man sieht also, dass es in Sachen Software für den Reifenhandel nichts gibt, was es nicht gibt. Oder andersherum gesagt: Alle hier vorgestellten Programme decken die grundlegenden, im Reifenhandel tagtäglich anfallenden betrieblichen Abläufe ab, nur hat jede der Lösungen ihre ganz speziellen Stärken. Die Frage, welches Programm denn nun für Händler XY das geeignetste ist, kann folglich an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Bei dieser Entscheidung spielen – wie eingangs bereits erwähnt – nämlich eine ganze Reihe individueller Faktoren eine Rolle. Insofern muss sich ein Händler zunächst einmal selbst im Klaren sein, was er von seiner zukünftigen EDV-Lösung erwartet. Für die sich daran sicherlich anschließende Kontaktaufnahme mit dem einen oder anderen Softwareanbieter ist die schon allein aus Platzgründen nicht zu sehr in Details gehende Übersicht über die verschiedenen Lösungen an dieser Stelle daher eher als eine Art grober Wegweiser zu verstehen. Zumal es ja außer den hier vorgestellten Warenwirtschaftssystemen noch eine ganze Reihe weiterer Anbieter im Markt gibt (siehe Tabelle) und die hier vorgestellte Software deswegen lediglich einer Auswahl darstellt, die weder Anspruch auf Vollständigkeit erhebt noch irgendeine Wertung implizieren soll.

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