Nexen baut Europastrukturen weiter aus

Dass der koreanische Reifenhersteller Nexen Tire mit seiner Expansionsstrategie ernst macht, zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass seit 1. Mai dieses Jahres das bisherige „Verbindungsbüro“ in Deutschland zu einer eigenständigen GmbH – Nexen Tyre Europe GmbH – aufgewertet wurde und künftig auch erweiterte Kompetenzen in Bezug auf den deutschen und den europäischen Markt haben wird, was auch durch neue Positionen, etwa im Marketing, untermauert wird. Hinzu kommt noch, dass Nexen Tire seit Januar auch seine neu gebaute Fabrik in China in Betrieb genommen hat, in der im laufenden Jahr schon anderthalb Millionen Pkw-Reifen gefertigt werden sollen. Für die Zukunft jedenfalls haben sich die Nexen-Manager noch einiges vorgenommen, wie im Rahmen eines Interviews während der Reifenmesse zu erfahren war.

Nach dem der koreanische Hersteller seit über einem Jahrzehnt bereits mit einem sogenannten „Branch Office“ in Deutschland sowie einem weiteren Büro in Großbritannien für den europäischen Markt da war, wolle man die Herangehensweise an den hiesigen Markt auf ganz neue Beine stellen und die Marktpräsenz – auch institutionell – weiter ausbauen. Einerseits hat Nexen zum 1. Mai 2008 die Next Tyre Europa GmbH gegründet, in der derzeit bereits sieben Mitarbeiter Dienst tun. Andererseits habe man sich dazu entschlossen, in Spanien, Italien und in Frankreich in naher Zukunft weitere Büros zu eröffnen, erklärt David Sul gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG. Der Managing Director der Overseas Sales Division des koreanischen Mutterkonzerns sieht dadurch die wachsende Bedeutung des europäischen Reifenmarktes unterstrichen, der eben zentraler Baustein der eigenen Wachstumsstrategie ist. Andererseits bekennt sich Nexen Tire aber auch ganz klar zu seinem koreanischen Heimatmarkt, wo man – hinter Hankook und Kumho – die Nummer drei ist.

Dass sich diese Wachstumsstrategie nicht allein anhand von Absatz- oder Produktionszahlen (dazu unten mehr) ablesen lässt, bescheinigt auch die personelle Aufstockung der neu gegründeten GmbH. Im hessischen Eschborn (bei Frankfurt) ist etwa seit neuestem auch Jürgen Wägner beschäftigt, der sich dort – mit Schwerpunkt Deutschland – als Direktor um Sales & Marketing kümmern soll. Dadurch, dass Nexen nun mit einer erweiterten Basis in Deutschland operieren kann, werde sich der Service, den man seinen Kunden bieten kann, deutlich verbessern, so Wägner weiter, und hat bereits einige besondere Initiativen in petto. Langfristig, so bestätigt auch der neue Geschäftsführer der Nexen Tyre Europe, John-Bosco Kim, solle sich aus der Gesellschaft so etwas wie eine eigenständige Vertriebsgesellschaft entwickeln. Aktuell operiere man mit einigen wenigen Importeuren pro Land bzw. Region. Dabei sei man mit der aktuellen Situation durchaus zufrieden, wolle die Importeure aber künftig noch stärker bei der Entwicklung und Etablierung der Marke „Nexen“ (und auch „Roadstone“, der gleichberechtigten Zweitmarke des koreanischen Herstellers) einbinden.

Dass entsprechende Initiativen auf dem europäischen Markt, den David Sul als „Wachstumsmarkt“ umschreibt, auch durch entsprechende Investitionen in die Produktion und insbesondere die Produktionsvorstufe untermauert werden müssen, ist für Nexen Tire eine Selbstverständlichkeit. So hat das Unternehmen, das bis 2000 noch als „Woosung Tire“ bekannt war und bis 2003 auch noch Diagonalreifen fertigte, seither doch einiges bewegt. Mit dem besonderen Schwerpunkt UHP- und SUV-Reifen hat Nexen Tire seine Fabrik im koreanischen Yang-San seither auf eine Kapazität von rund 16 Millionen Reifen (2008) ausgebaut, während dies vor acht Jahren noch nur sieben Millionen Reifen waren. Über 12,5 Millionen dieser Reifen werden dabei exportiert. Parallel zum Ausbau der heimischen Produktionskapazitäten hatte das 1942 gegründete Unternehmen eine zweite Fabrik aufgebaut, und zwar in China (Qingdao, Shandong-Provinz). Die Fabrik dort nahm erst zu Beginn dieses Jahres die Produktion auf und Nexen Tire hofft, im Laufe dieses Jahres bereits einen Output von 1,5 Millionen Reifen erzielen zu können. Bis zum Jahr 2010, wenn die erste Ausbaustufe vollständig abgeschlossen ist, sollen in Qingdao jährlich rund sechs Millionen Pkw-Reifen gefertigt werden. Weitere Ausbaustufen sind bereits in Planung; bei Nexen spricht man sogar davon, am neuen Standort in China einmal bis zu 20 Millionen Reifen bauen zu können. Andererseits könne man sich angesichts stark zunehmender Kosten in der Volksrepublik China und eines immer abschreckenderen Arbeitsrechts auch überlegen, außerhalb Chinas – vielleicht in Südostasien – eine dritte Fabrik zu bauen. Aber all das ist zunächst nur Teil der groben Unternehmensplanung.

Zum Thema „Investitionen in die Produktionsvorstufe“ hat sich bei Nexen Tire in den vergangenen Jahren ebenfalls einiges getan. Nicht nur, dass der koreanische Hersteller auf seinem Heimatmarkt ein modernes Forschungszentrum betreibt. Nexen hat ebenfalls ähnliche Einrichtungen in China und sogar im US-amerikanischen Akron eingerichtet. Zwar habe man eine entsprechende Einrichtung auch für den europäischen Markt „in Planung“. Einen Zeitplan dafür gebe es allerdings noch nicht, bestätigt David Sul.

Erstes Ergebnis dieser Investitionen sei die Entwicklung des sogenannten „Nano-Reifens“, der in Korea sogar ein Patent erhalten hat. Diese neue, Nexen-eigene Technologie solle nun bei Produktneuentwicklungen Anwendung finden. Nano-Reifen böten eine höhere Laufleistung durch einen geringeren Abrieb. Außerdem könnten sie helfen, Kraftstoff einzusparen. In naher Zukunft werde der erste Nano-Reifen vorgestellt, so Nexen während der Reifenmesse in Essen.

Zwei Reifen, die allerdings bereits jetzt auf dem europäischen Markt verfügbar sind, für den sie auch entwickelt und gebaut wurden, sind der N6000 und der Winterreifen Winguard Sport. Der N6000, so der Hersteller, biete insbesondere auf nasser Fahrbahn ein „exzellentes Fahren“, während der Winguard Sport als UHP-Reifen gerade auf leistungsstarke Fahrzeuge und deren Performance ausgelegt ist.

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