Die Alcar-Gruppe ist „Your Wheel Partner“

Die Alcar-Unternehmensgruppe (Hirtenberg/Niederösterreich) agiert europaweit und ist in privater Hand. Das Kerngeschäftsfeld ist die Produktion und der Großhandel mit Pkw-Rädern aus Stahl und Aluminium. Komplettiert wird das Portfolio durch die Geschäftseinheit Stahlmöbelsysteme, die allerdings in der Firmenbilanz eine eher untergeordnete Rolle spielt. Im letzten Geschäftsjahr (endete am 30.6.2007) wurden konsolidiert 263 Millionen Euro umgesetzt, die Mitarbeiterzahl betrug zum Stichtag 784. Eine Schlüsselrolle im Firmenverbund kommt dem deutschen Standort in Neuenrade zu: der AEZ Produktion GmbH, der Fabrik zur Herstellung von Aluminiumgussfelgen, die seit dem Jahre 2006 zu hundert Prozent zur Muttergesellschaft Alcar Holding GmbH gehört.

In der Gruppe stark

Zur Unternehmensgruppe gehören fünf eigene Produktionsstandorte und sechs exklusive Eigenmarken. Von den europaweit unter dem Namen Alcar agierenden zwölf Automotive-Vertriebsgesellschaften sind zehn zu hundert Prozent in eigener Hand, an zweien halten die Altgesellschafter nach wie vor Anteile. In den Ländern, in denen es keine eigene Vertriebsgesellschaft gibt, arbeitet Alcar mit nationalen Räderspezialisten zusammen, die zu den besten Adressen im jeweiligen Lande gehören, wie AEZ-Geschäftsführer Norbert Frohner anlässlich einer Unternehmenspräsentation erklärt. Und der Blick auf die Landkarte zeigt auch, dass die Gruppe nicht nur eurapaweit flächendeckend präsent, sondern mittlerweile auch in Asien angekommen ist: Ein leistungsfähiger Distributeur für Aserbaidschan konnte hinzugewonnen werden. Man wolle in den sich schnell entwickelnden Märkten des Ostens frühzeitig präsent sein, erklärt Frohner, dessen Gruppe unter anderem auch in Moskau/Russland – als östlichstem Vorposten – mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft längst angekommen ist.

Von den fünf Produktionsstandorten dient nur die Fabrik am Firmensitz im heimischen Hirtenberg nicht der Räderfertigung: Hier werden Garderobenschränke und Stahlmöbel unter dem Markennamen „Kromag“ hergestellt und von hier im Wesentlichen in Österreich vertrieben. In der Schweiz (die Ambrosetti Räder AG bei Lugano/Tessin) und in Italien (die Consud S.r.l. bei Neapel) werden Pkw-Stahlräder hergestellt, die Kapazität liegt bei 2,7 Millionen Einheiten jährlich und hat sich im letzten Jahr in etwa auf 2,3 Millionen Einheiten in der Schweiz und 350.000 in Italien verteilt. Wobei allerdings durchaus anzumerken ist, dass bei Neapel auch besondere Stahlräder in relativ geringen Losgrößen produziert werden können. In Neuenrade und im nahen Werdohl (die frühere Horst Schmidt Niederdruck-Kokillen-Gießerei) werden Aluminiumgussfelgen produziert, die aktuelle Jahreskapazität dieser beiden Produktionsstätten liegt bei 1,3 Millionen Einheiten.

Als europäischer Marktführer im Ersatzgeschäft mit Pkw-Rädern liegt der Bedarf sowohl bei Aluminium- wie auch bei Stahlrädern höher als die eigene Fertigung ausstoßen kann, wobei der „strategische Partner“ Hayes Lemmerz in etwa so viele Stahlräder beisteuern konnte wie die Eigenfertigung hergab. Während Hayes Lemmerz sich bei Pkw-Stahlrädern ganz überwiegend auf das Erstausrüstungsgeschäft – der Domäne des weltgrößten Räderherstellers – konzentriert, ist die Alcar-Gruppe im europäischen Nachrüstmarkt der kongeniale Partner. In der Wintersaison 2007 konnten auf dem deutschen Markt die gesteckten Ziele für den Verkauf von Stahlrädern auf Grund des mangelnden Kaufverhaltens für Winterreifen nicht erfüllt werden, was zu einem Rückgang der Verkaufsstückzahlen für das laufende Geschäftsjahr auf rund fünf Millionen Stück Pkw-Stahlräder führen wird. An Aluminiumrädern konnten europaweit im Geschäftsjahr 2006/2007 genau 1,658 Millionen Einheiten abgesetzt werden (nach 1,643 Millionen) im Vorjahr, fürs laufende Jahr ist eine weitere, dann etwas weniger moderate Steigerung auf 1,825 Millionen Einheiten anvisiert. Auch hier tut sich eine Lücke zwischen Eigenproduktion und Absatzzahlen auf: Nachdem in der Vergangenheit auch Produzenten beispielsweise in der Türkei oder in Italien dieses Vakuum ausgefüllt haben, hat Alcar für die eigenen Aluminiumrädermarken drei Produzenten in Fernost (zwei in China, einen in Indonesien) als Fremdproduzenten akquiriert, wobei die Adressen zu den renommierteren in der Region gehören. Außerdem, so Frohner: „Wir haben dort ausschließlich Zweit- oder Drittwerkzeuge implantiert und tragen dafür Sorge, dass die Grundauslastung in unserem eigenen Werk verbleibt. Darüber hinaus beziehen wir aus Fernost überwiegend solche Rädertypen, die wir mit eigener Technik nicht herstellen können – so Chromräder – bzw. verteilt sich das Mix so, dass überproportional einfache Designs bzw. preisgünstige Räder der Marke Enzo in China und Indonesien hergestellt werden.“

Sechs Eigenmarken

Stahlmöbel verkauft die Alcar-Gruppe unter dem Markennamen Kromag, konventionelle Pkw-Stahlräder unter dem Markennamen KFZ Stahlrad (plus einige fürs Offroad-Segment mit optischen Features unter Dotz), wobei der Markenstatus in diesem Teilsegment eher von untergeordneter Bedeutung ist. Das ist bei Pkw-Aluminiumrädern, von denen die Alcar-Gruppe mit Enzo, Dezent, Dotz und AEZ gleich vier Markenlinien pflegt, ganz anders.

Allerdings: Auf der „Billigschiene“ spielt Bekanntheit überhaupt keine Rolle, Alcar investiert mithin auch nicht in Werbung für Enzo, mit der dieses untere Segment des Marktes abgedeckt wird. Das sind relativ einfache Designs, auch in der Fertigung eher unproblematisch, „zeitlos schön“ und werden folglich auch überproportional von Fernostproduzenten und somit aus Fremdfertigung bezogen. Der Preis ist das überragende Kriterium, bezogen aufs Design ist Enzo in hohem Maße austauschbar mit Wettbewerberfabrikaten, ist für Alcar aber trotzdem sinnvoll, weil größere Kunden so einen nach ihren eigenen Bedürfnissen ausgerichteten Mix zusammenstellen können, bei denen die anderen Alcar-Marken den Part darüber liegender Segmente abdecken können.

„Austauschbar“ ist im Grunde weitgehend auch die zweite Marke Dezent, räumt Frohner ein, verzichtbar ist sie schon aufgrund des Volumens jedoch keineswegs. Denn die Marke Dezent ist preislich sichtbar über Enzo angesiedelt, aber auch ansonsten differenziert positioniert: Mit Dezent soll nicht die Zielgruppe der Pfennigfuchser, sondern die Zielgruppe der an unproblematischer Montage auf ihrem Auto interessierten Verbraucher abgedeckt werden: Seriengrößen, für die Verwendung von Schneeketten geeignet, Stylings, die nicht polarisieren sollen … „Allerweltsräder“ eben, bei Alcar würde man eher sagen „Mainstream“.

Das sind „Dotz“-Räder nun überhaupt nicht. Sie sollen polarisieren und provozieren, man mag die Designs oder man mag sie nicht. Bei keiner Marke hat Alcar in den letzten Jahren das Profil so geschärft wie bei Dotz. Aggressive Designs, mutige Oberflächen, ausgefallene Features wie Kappensets zur individuellen Gestaltung – Speed, Sport, Spaß, Special. Mit Dotz setzt sich Alcar vom „Mainstream“ ganz bewusst ab. Und subsumiert darüber hinaus unter diesem Markennamen auch den „Hardcore“-Bereich des Offroadens, wobei manches Design gar nicht aus Aluminium, sondern aus Stahl daherkommt. Weiß man doch, dass die tatsächlichen oder vermeintlichen „echt harten Jungs“ dem feinen Aluminium wenig abgewinnen können. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, gibt Alcar den Dotz-Rädern für den Geländeeinsatz den Zusatz „Survival“ mit.

Ganz anders die Premiummarke aus dem Sortiment AEZ. Die wurde etwa Mitte des vergangenen Jahrzehnts übernommen und dümpelte damals mit einer verkauften Stückzahl von um die 40.000 europaweit ziemlich nichtssagend am unteren Ende des Mittelfeldes im Leichtmetallrädermarkt. „Um eine Marke aufzubauen und bis an die Spitze des Marktes zu führen, bedarf es eines langen Atems“, ist Frohner bewusst. Ohne dass er Stückzahlen nennen mag für AEZ: In diesen Sphären schließen sich Exklusivität und gleichzeitiges Schielen auf Stückzahlen aus. Das Markenbild für AEZ ist geschärft, vielleicht noch nicht zugespitzt genug. Aber wer immer weiter zuspitzt, wird auch Klientel verlieren. Dennoch: Aus dem Alcar-Markenstrauß sind AEZ die Highend-Produkte vorbehalten. Technologisch ist diese Marke der Leuchtturm, der über allen anderen Hausprodukten strahlt. Und der so hoch sein soll wie die Räder der renommierten Tuner und der so wenigen Wettbewerber, die ebenfalls in der Upperclass der Räderwelt residieren. Am besten erreicht man dies durch technologisch herausragende Produkte und Projekte: Solche Produkte sind gekennzeichnet durch Besonderheiten wie das Schmiedeverfahren, den modularen Aufbau der Räder (also Mehrteiligkeit), innovative Oberflächen („Nano tec – easy 2 clean“, „handpoliert“ und verchromt wären da Beispiele) oder spezielle Leichtbauweisen (heißt hier „Lite tec“). Herausragende Designkreationen – gerne verbunden mit einem bekannten Markennamen – sind in diesem Segment ohnehin unabdingbar. Die Positionierung der Marke als „Lifestyle“ in der automobilen Oberklasse und bei exquisiten Sportwagen konnte mit AEZ schon recht gut realisiert werden, am Ende des Weges sei man aber noch lange nicht, verweist Frohner auf Projekte wie erst den eXasis und aktuell den sQuba von Rinspeed: „Durch die Zusammenarbeit mit solch einem renommierten Unternehmen und den dort vorhandenen Sachverstand – auch und gerade in Designfragen – können wir enorm viel lernen und werden weiter vorangetrieben.“

Natürlich sind die Eigenmarken im Verkaufssortiment der zwölf nationalen Vertriebsgesellschaften absolut dominant und nehmen einen Anteil von gut 95 Prozent ein, „Mitnahmechancen“ aber steht man immer aufgeschlossen gegenüber und werden durchaus genutzt. So verkauft – teils aus historischen Gründen – die eine „Tochter“ auch Lkw-Räder, eine andere zusätzlich Reifen, wieder eine andere diverses Tuning- und Fahrzeugzubehör und wieder eine andere auch Fremdfabrikate aus dem Bereich Aluminiumräder. Alcars Selbstverständnis ist schließlich auch das eines Handelshauses. Auch wenn Frohner gerne durch das Vorzeigewerk in Neuenrade führt.

In der AEZ-Fabrik Neuenrade

Als im Frühjahr 2005 im Städtchen Neuenrade die AEZ Produktion GmbH – damals noch als 50:50-Jointventure mit den Brüdern Harald und Günter Schmidt (in der Branche bekannt durch ihre Horst Schmidt Niederdruck-Kokillen-Gießerei im nahen Werdohl) – eingeweiht wurde, war die Anfangskapazität auf eine Million Gussräder ausgelegt mit der Perspektive, schon bald 1,2 Millionen Einheiten herzustellen, was im Geschäftsjahr 2005/2006 auch gelang. Mittlerweile wurde die Kapazität auf 1,3 Millionen Einheiten (im Geschäftsjahr 2006/2007) ausgebaut, aus den geplanten 13 Millionen Euro Investitionskosten sind 14 Millionen geworden. In Neuenrade steht eine komplette Fabrik, das heißt die drei wesentlichen Produktionsschritte (Niederdruck-)Gießen, Bearbeiten und Lackieren sind unter einem Dach. Und doch wurde die alte Gießerei am Standort Werdohl nicht überflüssig: Im Werk Neuenrade stehen acht Gießautomaten, die allesamt mit dem häufigsten Legierungstyp GK-AlSi 7 Mg gefüttert werden, andere Legierungen – womit im Wesentlichen GK-AlSi 11 gemeint ist – können an fünf Automaten in der alten Gießerei in Werdohl gefertigt werden und stören den Produktionsfluss im Hauptwerk somit nicht.

Die Fabrik ist „state of the art“ und bei den meisten Modulen durchaus auf dem Niveau der modernsten Erstausrüstungswerke, so genügen die vollautomatische Röntgenanlage oder die beiden Helium-Dichtigkeitsprüfgeräte ebenso OE-Ansprüchen wie die Roboterzellen mit Dreh- und Bohrmaschinen oder die Eisenmann-Lackieranlage auch bei den großen Erstausrüstern installiert sein könnten. In Bezug auf Nachrüstung ist Neuenrade zweifellos eine der modernsten und effizientesten Fabriken am Markt. Seit der Eröffnung ist ein zusätzliches Rohgusslager (Kapazität 25.000 Stück) hinzugekommen und wurde im Detail immer wieder nach- und aufgerüstet, wenn es sich anbot.

Selbstverständlich ist in Neuenrade auch ein Zwischenlager – ursprünglich ausgelegt auf immerhin 70.000 bis 100.000 Einheiten – vorhanden, das seit Inbetriebnahme sogar ausgebaut worden ist. In der Gruppe beläuft sich die Lagerkapazität derzeit auf etwa 600.000 Stück. Was nicht von Neuenrade direkt an Großkunden oder eine der Vertriebstöchter ausgeliefert wird, geht erst einmal nach Siegburg zur AEZ Leichtmetallräder GmbH. In Siegburg – gerade mal anderthalb Autostunden entfernt – verfügt das Team um Geschäftsführer Klaus-René Küfer über ein leistungsfähiges Zentrallager und die Infrastruktur, um schnell auf Bedarfsänderungen reagieren und Kleinbestellungen umgehend ausliefern zu können. Damit wird Alcar wie AEZ dem Motto der Gruppe gerecht: „Your Wheel Partner“.

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