Gripen Wheels: „Wir haben die Reifen“

Der schwedische Nutzfahrzeugreifenspezialist Gripen Wheels ist für deutsche Kunden kein neuer Marktteilnehmer, wurde das expansive Unternehmen doch vor mittlerweile 15 Jahren gegründet. Doch spätestens seit Gripen Wheels in Deutschland Anfang des vergangenen Jahres seine erste Auslandsniederlassung überhaupt – inzwischen sind elf weitere hinzugekommen – gegründet hat, werden die Geschäfte hierzulande deutlich forciert. Und wie Area Managerin Andrea Brix im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG sagt, konzentriere man sich dabei insbesondere auf das Segment EM-Reifen, wo man doch über die beiden chinesischen Exklusivmarken Triangle und Hilo verfüge. Gripen Wheels biete aber nicht nur „gute Reifen zu einem guten Preis“, sondern – und das könnten angesichts der aktuellen Marktlage bei EM-Reifen nicht viele behaupten – Gripen Wheels habe den Vorteil, überhaupt Reifen liefern zu können: „Wir haben die Reifen“, so Brix, die andere gerne hätten.

Für deutsche Reifenhändler hat das schwedische Unternehmen Gripen Wheels, das hierzulande mit Reifen wesentlich präsenter als mir Rädern, also „Wheels“, ist, erst in den vergangenen anderthalb Jahren so richtig an Format gewonnen. Das Unternehmen, das in Deutschland als „Gripen Wheels GmbH“ mit Sitz in Walsrode nördlich von Hannover firmiert (war bis April 2008 noch Hamburg), hat seither seine Marktpräsenz deutlich ausgebaut und sieht sich auf einem guten Weg, die „Lücke zu füllen, die Premiumhersteller hinterlassen“, wie Area Managerin Andrea Brix erzählt. Gripen Wheels könne mit seiner hohen Lieferfähigkeit dafür sorgen, dass die Montagemaschinen des Reifenfachhandels und die Baumaschinen der Endkunden möglichst optimal genutzt werden, während etablierte Reifenhersteller des öfteren lange Lieferzeiten bei ihren EM-Reifen hätten, die teilweise bis zu 18 Monate dauern könnten.

Für das schwedische Unternehmen ist es das oberte Ziel, mehr als nur „Lückenbüßer“ angesichts eines vorübergehenden Nachfragebooms zu spielen. „Wir wollen langfristig eine Akzeptanz bei unseren Kunden schaffen – für die Zeit nach dem Boom“, so Brix weiter. Dafür müsse das Unternehmen eben das liefern, was die Kunden in Deutschland brauchen: EM-Reifen sowie die entsprechend dazu passenden Dienstleistungen aus dem technischen Umfeld. Wie die Verkaufsleiterin betont, könne Gripen Wheels in Deutschland in der Regel rund 80 Prozent der eingehenden Bestellungen „sofort liefern“. Dabei werden die Lieferungen innerhalb Deutschlands aus dem Zentrallager des Logistikpartners Schenker in Friedewald bei Frankfurt abgewickelt. Schenker kann auf einen durchschnittlichen Lagerbestand von rund 4.500 Reifen zurückgreifen; Gripen Wheels verspricht eine maximale Lieferzeit von in der Regel 48 Stunden, wobei auch 24 Stunden – bei entsprechendem Bestelleingang bis mittags – absolut üblich sind.

Aktuell verfügt das Unternehmen Gripen Wheels über zehn Läger verteilt über Europa. Aus diesen Lägern werden Reifen in 23 Länder geliefert; einzig das Lager in Schweden, das derzeit an einem neuen Standort expandiert und dann über eine Fläche von 32.000 m² verfügt, befindet sich im Eigentum der Großhändlers – das junge Unternehmen Gripen Wheels setzt folglich auf Flexibilität.

Flexibel müssen auch Andrea Brix und Außendienstmitarbeiter Oliver Gehlker sein, die derzeit den deutschsprachigen Markt als Verkaufsteam noch alleine bearbeiten. Dies soll sich aber in naher Zukunft ändern, so Brix weiter, suche man derzeit doch zwei weitere Mitarbeiter für den Außendienst in Nord- und in Süddeutschland sowie einen Assistenten für das Backoffice, also die Verwaltung bzw. das Vertriebsbüro in Walsrode. Bis vor kurzem arbeitete die deutsche Vertriebsgesellschaft, deren Geschäftsführer überigens Pelle Fritzon ist, Sohn des schwedischen Unternehmensgründers Ulf Fritzon, noch aus einem Büro in Hamburg. Nachdem allerdings Verkaufs- und Marketingleiter Oliver Dietrich zum Februar 2008 das Unternehmen in Richtung Reifenindustrie verlassen hatte, entschied Andrea Brix, das Büro nach Walsrode zu verlegen, ihrem Heimatort in der Nähe von Hannover.

Exklusivmarken aus China

Zentraler Baustein im Produktsortiment des schwedischen Großhändlers sind EM-Reifen aus China. Exklusiv vertreibt Gripen Wheels in Europa EM-Reifen von Triangle Tyre und Hilo Tires, wobei der Markt in Großbritannien in Bezug auf Triangle-EM-Reifen die nennenswerte Ausnahme von der Regel sind; dort gibt es eine älteres Engagement mit dem chinesischen Hersteller, das Bestandsschutz genießt. Es ist gerade die Exklusivität dieser beiden Reifenmarken, die Gripen Wheels auf dem deutschen und dem europäischen EM-Reifenmarkt einen besonderen Status verleiht, kann man mit einem entsprechenden Produkt – richtig angefangen – doch eine überaus profitable Geschäftsbeziehung aufbauen, von der natürlich auch die Reifenhändler und Endverbraucher profitieren sollen. Insbesondere was den Sell-out betrifft, könnten die Reifenfachhändler mit den beiden Budgetmarken aus Fernost viel mehr verdienen als mit etablierten A-Marken, so die langjährige ehemalige Michelin-Mitarbeiterin weiter; eine doppelt so hohe Marge sei bei den beiden Gripen-Wheels-Marken im Abverkauf sicher drin, so die Empfehlung der Verkaufsleiterin. Aktuell ist es zwar noch der Markt in Skandinavien, der für das junge Unternehmen den größten Umsatzanteil generiert. Doch schon bald, so rechnet Andrea Brix vor, könnte die deutsche GmbH zur wichtigsten Gesellschaft innerhalb der Unternehmensgruppe werden. „Wir sind auf einem guten Weg“. Gripen Wheels konnte im vergangenen Jahr – dem ersten seit der Firmengründung im Februar 2007 – einen Umsatz in Höhe von rund vier Millionen Euro erzielen, wobei die Gesamtgruppe einen Jahresumsatz in Höhe von rund 50 Millionen Euro angibt. Für das laufende Geschäftsjahr rechne man in Deutschland wenigstens mit einer Verdoppelung des Umsatzes auf acht Millionen Euro.

Dass es also insbesondere die beiden Exklusivmarken Triangle und Hilo sind, mit denen Gripen Wheels auf den deutschsprachigen Märkten die Umsatz- und anderen Ziele erreichen will, betont die Vertriebsleiterin immer wieder. Neben einem umfangreichen Sortiment an kleinen und mittleren EM-Reifendimensionen bis 33 Zoll in radialer und auch diagonaler Bauweise sollen in Zukunft auch größere EM-Reifen der beiden chinesischen Hersteller ins Sortiment aufgenommen werden. Die beiden chinesischen Partnerunternehmen beschreibt die Gripen-Wheels-Mitarbeiter in Bezug auf die Entwicklung neuer Profile und Dimensionen als „sehr innovativ und äußerst schnell in der Umsetzung“. Es werden also bald schon größere EM-Neureifen von Triangle Tyre und Hilo Tires im Sortiment des schwedischen Großhändlers stehen. Aktuell kann Gripen Wheels bereits runderneuerte EM-Reifen bis zu 49 Zoll Durchmesser liefern, die dann von einem der beiden Runderneuerungspartner Rösler oder Marangoni gefertigt wurden; eine eigene Runderneuerung wird nicht betrieben.

Das Angebot wird künftig also durch Neureifen in größeren Dimensionen abgerundet. Der deutsche EM-Reifenmarkt besteht dabei allerdings vorwiegend aus 25 bis 33 Zoll großen Reifen; sogenannte „Giant Tyres“ sind hierzulande nur schwer abzusetzen. Neben diesen beiden Exklusivmarken für Erdbewegungsmaschinen vertreibt Gripen Wheels – ebenfalls europaweit – Lkw-Reifen der chinesischen Marke Linglong. Darüber hinaus stehen auch die Marken Altura (Indien, Ceat Tyres), BKT (ebenfalls Indien), Mitas (Tschechien, CGS-Gruppe) sowie Simex (Malaysia, Continental Sime Tyre) und United (China) im Programm für verschiedene Anwendungen im EM-, AS-/Forst- und MPT-Segment. Während die schwedische Muttergesellschaft auch Schläuche, Ventile, Reparaturpflaster und andere Zubehörteile vertreibt, konzentriert sich die deutsche Vertriebsgesellschaft auf Nutzfahrzeugreifen sowie Felgen für Baumaschinen im engeren Sinne.

Aktuell sieht sich Gripen Wheels in Europa und in Deutschland gut aufgestellt. Folglich wolle Pelle Fritzon das zuletzt deutlich ausgebaute Geschäft erst einmal fest am Markt etablieren, Strukturen festigen und die einzelnen Gesellschaften gegenüber den Kunden positionieren. Die Kunden, so Andrea Brix weiter, sollen Gripen Wheels als verlässlichen und kompetenten Partner in Bezug auf EM-Reifen kennenlernen und – auch nach dem Ende des derzeitigen Booms auf dem weltweiten EM-Reifenmarkt – ihre Bestellungen lieber sofort über Gripen Wheels abwickeln. „Gerade im Budgetbereich ist der Handel mit EM-Reifen eine Vertrauenssache,“ so die Verkaufsleiterin abschließend. – Dieses Vertrauen wolle man sich erwerben, um es zu besitzen.

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.