Uniwheels kommt bei ATS zum Zuge

Die Firma Uniwheels AG (Hünenberg/Schweiz) und der Insolvenzverwalter der im pfälzischen Bad Dürkheim ansässigen Konzernholding ATS Beteiligungs GmbH – der Mannheimer Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Tobias Hoefer von der Kanzlei Hack/Hoefer – teilen heute zeitgleich mit, dass Uniwheels die Anteile der Tochtergesellschaften von der insolventen ATS Beteiligungs GmbH übernimmt. „Damit können alle Arbeitsplätze und Standorte der Gruppe in Europa erhalten werden. Das ist für die Gläubiger und die Mitarbeiter das bestmögliche Ergebnis“, so Hoefer. Uniwheels hat sich damit in einem mehrmonatigen intensiven Bieterprozess gegen mehrere internationale Wettbewerber durchgesetzt. In der Branche genannt wurden als weitere Interessenten Borbet, CMS, Hayes Lemmerz, Punch (der neue BBS-Eigner), Superior und eine nie genau identifizierte südafrikanische Investorengruppe.

Uniwheels wird demnach die operativen Tochtergesellschaften der ATS-Gruppe in Deutschland – die ATS Stahlschmidt & Maiworm GmbH in Werdohl, die ATS aluStar Wheels Trading GmbH in Bad Dürkheim und die ATS Leichtmetallräder GmbH & Co. KG sowie die polnischen Töchter ATS Stahlschmidt & Maiworm Sp. z.o.o und ATS aluStar Polska Sp. z.o.o in Stalowa Wola – mit Wirkung spätestens zum 1. April 2008 übernehmen. Für die US-amerikanische Tochter ATS Light Alloy Wheels (Alabama), Inc. soll es in den nächsten Wochen eine eigenständige Lösung geben, das ebenfalls zur Gruppe gehörende Werk Warsaw in Kentucky wird in beider Stellungnahmen nicht erwähnt, das vormalige Werk im südafrikanischen Babelegi wurde bereits von den südafrikanischen Insolvenzverwaltern veräußert, ist und – so wird allgemein erwartet – bleibt wohl geschlossen. Weil die vormals zur ATS-/Tiger-Gruppe gehörenden amerikanischen Produktionsstätten nicht in die Vereinbarung eingebunden sind, spricht Uniwheels von einem „Share-Deal“.

In den „goldenen ATS-Jahren“ stand an der Spitze des Unternehmens der Gründer (1969) und Mitgesellschafter Günter Schmid, dessen Name (auch wegen des Formel-1-Engagements) auch nach seinem (gut dotierten) Ausscheiden noch lange in Verbindung mit ATS gebracht worden war. Nach seiner ATS-Ära ließ Schmid, der im Frühjahr 2005 im Alter von 72 Jahren verstorben ist, die kaum weniger erfolgreiche Rial-Zeit folgen, wiederum mit Formel-1-Engagement. Heute gehört Rial zur Uniwheels-Gruppe, und deren Mehrheitsgesellschafter und Präsident des Verwaltungsrates ist Ralf Schmid, der Sohn des Felgenpioniers Günter Schmid.

Der Gläubigerausschuss der ATS Beteiligungs GmbH hat dem Kaufvertrag bereits zugestimmt. Im Rahmen der Übergabe müssen noch die Hauptgläubiger (Banken und Aluminiumlieferanten) der Übernahme zustimmen. Über den Kaufpreis und weitere Einzelheiten des Vertragswerks wurde Stillschweigen vereinbart.

Hoefer, der vom Amtsgericht Neustadt an der Weinstraße nach dem Insolvenzantrag der ATS Beteiligungs GmbH im Juli 2007 als Verwalter bestellt worden war, zeigte sich mit dem erreichten Ergebnis zufrieden. „Mit dem Erhalt der Arbeitsplätze und Betriebe und dem Einstieg dieses potenten Investors haben wir einen Erfolg erzielt, wie er eigentlich nicht zu erwarten war.“ Am 13. Juli 2007 hatte neben der ATS Beteiligungs GmbH zunächst auch der größte inländische Produktionsbetrieb, die ATS Stahlschmidt & Maiworm GmbH, Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung gestellt. Hoefer war es gemeinsam mit dem ATS-Management in wenigen Wochen gelungen, die Unternehmensgruppe zu stabilisieren und die operativ tätige Tochtergesellschaft ATS Stahlschmidt & Maiworm wieder aus der Insolvenz zu holen. Sein Vorgehen wurde dabei von den Gläubigern – insbesondere den Banken, Automobilherstellern und Lieferanten – konstruktiv unterstützt, heißt es von Seiten des Rechtsanwaltsbüros. „Dass uns das gemeinsam gelang, ist eine absolute Besonderheit in einem Insolvenzverfahren“, hebt Hoefer hervor.

Die ATS-Gruppe erzielte zuletzt einen Umsatz von 400 Millionen Euro pro Jahr. Die Gruppe (inklusive Südafrika und USA) fertigte zuletzt insgesamt acht Millionen Aluräder jährlich für die Automobilindustrie und den Fachhandel. Dabei entfielen auf die ATS Stahlschmidt & Maiworm GmbH vom Standort Werdohl rund 350 Mitarbeiter bzw. 2,5 Millionen Aluräder pro Jahr. Im vergangenen Jahr wurden in den Werken in Deutschland und Polen knapp fünf Millionen Aluminiumräder produziert. Die ATS-Gruppe beschäftigt derzeit rund 1.260 Mitarbeiter an den europäischen Firmensitzen in Bad Dürkheim, Werdohl und im polnischen Stalowa Wola. Damit wird Uniwheels mit einem Volumen von an die sieben Millionen Räder pro Jahr – einschließlich des bestehenden eigenen Werkes ebenfalls in Stalowa Wola (dort auf der anderen Straßenseite der ATS-Fabrik) – zum nach Ronal und Borbet und auf Augenhöhe mit Hayes Lemmerz drittgrößten europäischen Hersteller und Automobilzulieferer von Leichtmetallfelgen.

Das umfassende Know-how von Uniwheels im Aftermarket-Bereich und die technische Kompetenz in der Erstausrüstung (OEM-Markt) der ATS dürften eine ideale Ergänzung darstellen. Die Uniwheels AG profitiert nach eigener Sicht durch die Akquisition in mehrerlei Hinsicht: Sie gewinnt qualifizierte und im OEM-Markt erfahrene Mitarbeiter, erwirbt weitere Kunden und laufende Geschäfte sowie zusätzliche Vertriebskapazitäten und Marktzugänge. Damit könne man die Position in der Räderbranche stärken und die Diversifikation im Erstausrüstungsmarkt über die Tochtergesellschaften intensivieren.

„Das Leistungsvermögen von ATS passt hervorragend in das Portfolio und die strategische Ausrichtung der Uniwheels-Gruppe. Die Übernahme bedeutet einen wesentlichen Beitrag für die Wachstumschancen und Zukunftssicherung beider Unternehmen“, kommentiert Harald Jacksties, Group Marketing Director der Uniwheels-Gruppe. Das Management von Uniwheels zeigt sich überzeugt, dass mit der Übernahme der Aktivitäten von ATS ein sehr wichtiger Schritt zum Ausbau der europäischen Marktposition getan wird. Es ist geplant, die derzeitigen Standorte von ATS in Deutschland und Polen in vollem Umfang weiter zu betreiben und auszubauen. Ein etwaiger Arbeitsplatzabbau sei nicht beabsichtigt. Durch Investitionen in die jeweiligen Standorte sollen die Kosteneffizienz gesteigert und die langfristige Zukunftssicherung der Werke vorangetrieben werden.

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