Laurent Reifen erfährt deutliches Wachstum

Das Unternehmen, das bereits früh begonnen hat, runderneuerte Reifen in die eigene industrielle Produktion mit einzubeziehen, und dem es als einzigem Neureifenhersteller schon frühzeitig gelungen ist, die Runderneuerung als integralen Bestandteil des Nutzfahrzeugreifengeschäftes zu verstehen und in die eigenen Aktivitäten einzubeziehen, ist Michelin. Der französische Konzern betreibt nicht nur seine Remix-Produktion und lässt auch nicht nur die Recamic-Kalterneuerten durch Partner fertigen. Marktführer Michelin verfügt als weiteren zentralen Baustein des eigenen Runderneuerungskonzeptes noch über die Laurent-Gruppe mit ihren beiden Produktionsstätten in Avallon, Frankreich, und in Oranienburg, Deutschland. Dabei ist der Letztgenannte zwar der kleinere Standort, dient aber gerade auf den so wichtigen Märkten in Mitteleuropa als wichtige Säule im Konzern.

Der französische Michelin-Konzern erhielt erst durch die Übernahme des damaligen Viborg-Werkes durch Euromaster in 2003 eine weitere wichtige industrielle Basis in Deutschland und in Mitteleuropa; Pneu Laurent war bis dahin nur durch eine Vertriebsorganisation in Deutschland vertreten. Mit dem Werk in Oranienburg nördlich von Berlin stellt der Konzern nun auch runderneuerte Lkw-Reifen in Deutschland im Heißverfahren her (neben den in Homburg gefertigten Remix-Reifen), die parallel zum Neureifen- bzw. Karkassenkonzept stehen, das bei Michelin mit dem Schlagwort der „Vier Leben“ umschrieben wird. Laurent, so erläutern Geschäftsführer Jérôme Mouillet und Vertriebsleiter Dirk Schierhorn im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, biete folglich original Michelin-Profile zu Michelin-Qualität für den allgemeinen Reifenhandel – aber eben nicht ausschließlich auf Michelin-Karkassen.

Nach der Übernahme des Werkes durch den Michelin-Konzern wurde zunächst umfassend in die Technik des Werkes, also in Maschinen, Anlagen und Formen, wie auch in Brand- und Umweltschutz investiert. Auch eine komplette Bodensanierung am Standort fand statt, um den hohen gesetzlichen wie auch Qualitätsstandards der neuen Eigentümer zu genügen. Seit 2004 läuft aber die Produktion.

Die Laurent Reifen GmbH betreibt in Oranienburg seither ein Werk, das zwar ein Produkt im Heißverfahren fertigt und dabei auch vom Michelin-Qualitätsmanagementsystem profitieren kann. Das Laurent-Produkt stehe allerdings nicht im Wettbewerb zum Remix-Werksrunderneuerten, sondern werde eben vorwiegend auf Fremdkarkassen hergestellt. Diese Reifen werden allerdings nicht unter dem Markennamen der Muttergesellschaft, sondern unter der Bezeichnung „Pneu Laurent“ vermarktet. Dabei hat das Unternehmen nicht seine komplette Produktion auf die hochwertige und optisch anspruchsvolle Heißrunderneuerung umgestellt. Derzeit werden vier von fünf Reifen im Heißverfahren erneuert, ein Großteil davon als Wulst-zu-Wulst-Erneuerung, während die verbleibenden 20 Prozent eben kalterneuerte Reifen sind. Die Letztgenannten sind vorwiegend Profile und Dimensionen, die in kleineren Mengen nachgefragt werden und für die sich die kostspielige Anschaffung spezieller Formen nicht unbedingt rechnet, so Mouillet weiter. Im Übrigen bieten beide Produktionsstätten – also Avallon und Oranienburg – ein identisches Portfolio an, mit der Ausnahme, dass EM-Reifen in Oranienburg eben nicht runderneuert werden. Die Mischungen für die Runderneuerung werden dabei ausschließlich aus dem Michelin-Konzern bezogen; ein etwaiger Überschuss an Laufstreifen werde im Konzern genutzt.

Der Spezialist für die Heißrunderneuerung hat allerdings gerade für das Kaltverfahren einen weithin beachteten innovativen Schritt unternommen: die Einführung des sogenannten SEPL-Verfahrens. SEPL steht dabei für „Sommet Élargie Pneu Laurent“; wörtlich aus dem Französischen übersetzt: Schulterverbreiterung von Pneu Laurent. Das SEPL-Verfahren ermöglicht es erstmals, für die Kaltrunderneuerung von Reifenkarkassen verschiedener Hersteller einen einheitlichen Laufstreifentyp zu verwenden, indem ein computergesteuerter Extruder bei Bedarf die Reifenschultern durch Gummiauftrag verbreitert. Bisher waren durch die unterschiedlichen Toleranzen der verschiedenen Hersteller – trotz gleicher Reifendimension – auch verschieden breite Laufstreifen notwendig. Dank der neuen Technologie aus dem Hause Pneu Laurent, die bereits früher ausführlich beschrieben wurde (vgl. NEUE REIFENZEITUNG 9/2007), erhöhe sich nicht nur die Laufleistung eines kaltrunderneuerten SEPL-Reifens um bis zu 14 Prozent – bei gleichem Preis für den Kunden. Darüber hinaus hat das Verfahren auch positive Auswirkungen auf Fahreigenschaften und Sicherheit. Das SEPL-Verfahren wird Schritt für Schritt für alle Dimensionen eingeführt. Diese neue Technologie löst dabei nicht nur ein industrielles Problem, sondern vereinfache auch die im Werk stattfindenden Prozesse und Abläufe.

Dies ist ein Stichwort, das für jeden Runderneuerungsbetrieb von zentraler Bedeutung ist. Vor dem Hintergrund stagnierender Märkte sind Prozesse und Abläufe aber nicht nur in der Fertigung zu optimieren. Gleiches gilt natürlich auch für das Vertriebsmodell und – ganz besonders wichtig – für die Karkassenlogistik. Dabei nutzt Laurent Reifen seine speziell geschulten Auslieferungsfahrer nicht nur für die Pflege der individuellen Beziehungen zu den Kunden. Die wöchentlichen Besuche dieses sogenannten Karkassenspezialisten dienen ebenfalls dazu, den ununterbrochenen Eingang an runderneuerungsfähigen Karkassen zu gewährleisten. Dabei werden die angebotenen (Kunden-)Karkassen gleich an Ort und Stelle ein erstes Mal in Augenschein genommen, was wiederum den Aufwand bei der umfangreichen, standardmäßigen Eingangskontrolle im Werk verringert. Neben den derzeit neun Karkassenspezialisten unterhält die Laurent Reifen GmbH noch einen siebenköpfigen kaufmännischen Außendienst; beides solle demnächst ausgebaut werden.

In Oranienburg wird in der Regel – mit Ausnahme der Wochenenden – im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Dies gibt nicht nur Hinweise auf die Auslastung im Werk, die „kontinuierlich ausgebaut“ wird, sondern lässt auch Rückschlüsse auf den durchgängig fließenden Produktionsprozess zu. Gerade während der vergangenen beiden Jahre konnte Laurent Reifen von einem zweistelligen, jährlichen Wachstum profitieren, und das vor dem Hintergrund eines stagnierenden Marktes. „Wir gewinnen Marktanteile hinzu, sehen uns aber auch einem starken Wettbewerbsdruck ausgesetzt, dem es mit Service, Produktqualität und Zuverlässigkeit zu begegnen gilt“, so Vertriebsleiter Dirk Schierhorn, der für die Märkte Deutschland, Österreich, Dänemark und Holland zuständig ist. Bei einer Kapazität von rund 500.000 Reifen in beiden Werken kommt Pneu Laurent und Laurent Reifen auf einen jährlichen Output in Höhe von rund 350.000 Reifen, wodurch ein Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro entsteht. Welchen Anteil dieser Zahlen nun das Werk in Oranienburg und das Werk in Avallon haben, bleibt unausgesprochen; nur so viel: Die Kapazität in Oranienburg liege bei 200.000 Reifen jährlich.

Für den Vertrieb ihrer Produkte bewegt sich die Laurent Reifen GmbH (noch) in recht klaren Grenzen. Vertriebsleiter Dirk Schierhorn gibt zwar einen 800-Kilometer-Radius zur Beschreibung seines eigenen Marktes an. Die Nachbarländer Polen und Tschechien spielen derzeit allerdings noch keine allzu große Rolle, sollen – so Schierhorn weiter – aber in naher Zukunft weiter ausgebaut werden. Andererseits: „Russland ist für uns momentan noch kein Thema.“ Auch Großbritannien gehört nicht zu den Märkten, die aus Oranienburg beliefert werden; im Übrigen auch nicht aus Avallon. In Großbritannien stellt Michelin unter dem Markennamen „Encore“ ein Fabrikat vergleichbar mit den „Pneu Laurent“-Reifen her.

Gegenwärtig verkauft die deutsche Michelin-Tochtergesellschaft rund 40 Prozent ihrer in Oranienburg gefertigten Reifen im Ausland. Die Mehrheit bleibt folglich in Deutschland und wird hierzulande ausschließlich über den Reifenfachhandel vermarktet, so Vertriebsleiter Dirk Schierhorn. Dabei gehe es natürlich nicht nur um Michelin- bzw. Michelin-lastige Reifenhändler; Exklusivitäten werden den Händlern für das lokale Vertriebsgebiet nicht gewährt, dafür hilft Laurent Reifen bei der Betreuung von größeren Endverbrauchern, also den Flottenkunden, wenn erwünscht.

Die Laurent Reifen GmbH betreibt am Standort ein weitläufiges Zentrallager. Das Unternehmen hat gegenwärtig 135 Mitarbeiter; allein im vergangenen Jahr wurden 30 neue eingestellt. Pneu Laurent in Frankreich hat übrigens rund 700 Mitarbeiter.

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