Giti Tire investiert viertel Milliarde Dollar in Hefei

Reifenhersteller Giti Tire erst im Juli 2007 den Grundstein für seine siebte Reifenfabrik gelegt hat, kommen die Bauarbeiten offenbar gut voran. Wie Dr. Enki Tan, Executive Director des Unternehmens, im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG während der Reifen China sagte, könne die Fabrik eventuell bereits Ende 2008 in Betrieb gehen. Bis dahin werden dann rund 100 bis 150 Millionen Dollar investiert worden sein. Bis 2009 steige dann die Investitionssumme sogar auf rund 200 Millionen Dollar, während die Kapazität der Pkw-Reifenfabrik dann bei zehn Millionen Einheiten liegen wird. Der führende chinesische Hersteller wird in Hefei, der Hauptstadt der Provinz Anhui, nicht nur ein neues Reifenwerk bauen, sondern parallel dazu entsteht am Standort auch ein neues Testgelände. Außerdem wird das F&E-Zentrum deutlich erweitert. Giti Tire expandiert also weiter und hat dabei nicht nur den heimischen chinesischen Markt im Blick.

Durch die vielfältigen Investments wolle das Unternehmen die führende Position auf dem heimischen Markt sowie die Marktanteile auf den wichtigen Exportmärkten in Nordamerika und Europa weiter ausbauen, so Dr. Enki Tan. Während die Erweiterung des bestehenden F&E-Zentrums in Hefei rund zehn Millionen Dollar kosten wird, werden für die Einrichtung einer modernen Teststrecke am Standort bereits rund 40 Millionen Dollar investiert. Gemeinsam mit den 200 Millionen Dollar, die für das neue Pkw-Reifenwerk in Hefei fällig werden, umfasst das Giti-Tire-Investitionsprogramm am Standort Hefei also eine viertel Milliarde Dollar.

Anders, als etliche andere chinesische Reifenhersteller zuvor, wolle sich Giti Tire dabei nicht bewusst auf HP-/UHP-Reifen konzentrieren, so Dr. Tan, sondern darüber hinaus auch Pkw-Reifen in Standardgrößen abdecken. Giti Tire sehe sich als Anbieter eines umfassenden Produktportfolios, zu dem eben neben der gesamten Bandbreite an Pkw-Reifen auch Nutzfahrzeugreifen verschiedenster Prägung zählen. Neben der Hauptmarke „GT Radial“, die außerdem auch beim Schwesterunternehmen Gajah Tunggal in Indonesien gefertigt wird, will Giti Tire auch in der neuen Fabrik in Hefei die beiden Marken Primewell und Runway als Pkw-Reifen produzieren. Die beiden zuletzt genannten Marken sind zwar in Europa noch vergleichsweise unbekannt, sollen allerdings durch die hiesigen Vertriebspartner und die europäische Tochtergesellschaft Giti Tire (Europe) mit Sitz in Holland künftig stärker vermarktet werden. Erst Mitte November konnte die europäische Niederlassung des chinesischen Herstellers stolz vermelden, dass künftig Primewell-Lkw-Reifen über den Karlsruher Reifen- und Felgengroßhändler Interpneu vermarktet werden sollen.

Dabei betont gerade Wim Reijmerink, General Manager Europe, dass die zusätzlichen Marken dazu da seien, um etwaige bisher ungenutzte Absatzkanäle zu bedienen. Eine Kannibalisierung der verschiedenen Marken soll vermieden werden, so Reijmerink weiter während der Reifen China. Bestehende Beziehungen zu den Distributeuren in Europa sollen nicht durch neue Handelspartner gestört werden, betont der General Manager für Europa. Dadurch, dass weitere Konzernmarken großflächig in Europa eingeführt werden, wird sich die Positionierung der Marke GT Radial am Markt verändern: Sie soll dann höher positioniert werden.

Derzeit werden in den sechs Giti-Tire-Werken in China rund 70 Prozent der Pkw-Reifen unter der Marke GT Radial gefertigt, 20 Prozent als Runway und die verbleibenden zehn Prozent als Primewell. Bei radialen Lkw-Reifen wiederum ist es umgekehrt: Während nur 30 bis 35 Prozent als GT Radial entstehen, sind dies unter der Marke Primewell 65 bis 70 Prozent. Neben diesen Marken fertigt Giti Tire noch fünf weitere Reifenmarken wie etwa „Great Wall“-Reifen. Insgesamt, so das Unternehmen in einer aktuellen Präsentation, wird Giti Tire in 2007 gut 26,5 Millionen radiale Pkw-Reifen in China fertigen. Darüber hinaus entstehen in den Produktionsstätten noch 4,5 Millionen radiale Lkw-Reifen sowie 5,5 Millionen Diagonalreifen. Insgesamt entstehen bei Giti Tire in diesem Jahr also 36,5 Millionen Reifen. Gemeinsam mit den 27,5 Millionen Reifen, die bei Gajah Tunggal in Indonesien gefertigt werden, stellt die Unternehmensgruppe, die über eine Holdinggesellschaft in Singapur miteinander verbunden ist, rund 64 Millionen Reifen im Jahr her.

Der chinesische Reifenmarkt hat sich seit Entstehung des Unternehmens 1993 stark entwickelt. Während früher Diagonalreifen den Markt bestimmten, ist dies heute – zumindest bei Pkw-Reifen – nicht mehr der Fall. Bei Lkw-Reifen liegt die Radialisierung in China Schätzungen zufolge heute bei gut 40 Prozent, wobei Marktteilnehmer von rasanten Fortschritten bei der Radialisierung sprechen. Insgesamt könne man sagen, dass sich die Anforderungen auf dem chinesischen Reifenmarkt mehr und mehr denen in Europa anpassen. Dies treffe auch auf das Straßennetz, die allgemeine Verkehrsinfrastruktur wie auch das Transportwesen zu, so Dr. Tan weiter. Folglich werde es immer wichtiger, das eigene Produktportfolio an den höheren Anforderungen zentraler Exportmärkte auszurichten – Europa und Nordamerika setzen die technischen Standards. Folglich werde Giti Tire in den kommenden Jahren auch den Output von Diagonalreifen herunterfahren, jedenfalls relativ zum Gesamtoutput, so der Executive Director weiter. Während der Anteil an Diagonalreifen derzeit bei knapp 15 Prozent der Gesamtproduktion in China liegt, werde er in 2009 noch bei gut elf Prozent liegen, auch wenn die Produktion in absoluten Zahlen bis dahin um gut sechs Prozent auf dann 5,7 Millionen Einheiten steigen soll.

Zur Reifen China hat Giti Tire keine Kosten und Mühen gescheut, um sich und seine Produkte entsprechend zu präsentieren. In zentraler Lage der Messehalle im Shanghai New International Expo Center hatte das Unternehmen und bot Messebesuchern aus China und dem Ausland dank einer offenen und ausgefeilten Standarchitektur vielfache Möglichkeiten, sich zu informieren und sich zu auch zu unterhalten. Giti hatte nicht nur etliche Empfangsdamen angeheuert, sondern präsentierte gleichzeitig auch sein Engagement im Motorsport.

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