Michelin präsentiert sich ganz grün

1950 waren erst 50 Millionen Fahrzeuge weltweit unterwegs, heute sind es rund 800 Millionen. Und nicht zuletzt wegen der rasanten Entwicklungen in China und Indien dürfte sich diese Zahl bis 2030 weltweit noch einmal auf rund 1,6 Milliarden Fahrzeuge verdoppeln. 800 Millionen Fahrzeuge verbrauchen jetzt 45 Prozent der Erdölreserven und setzen 18 Prozent der CO2-Emissionen frei und tragen damit zum Treibhauseffekt bei. Während einer zeitgleich in Paris, Berlin, New York und Shanghai jeweils um 19 Uhr Ortszeit laufenden Pressekonferenz garantierte Michelin bis zum Jahr 2030 eine Halbierung des Rollwiderstandes. Wenn dieses Ziel erreicht wird, und die Verantwortlichen von Michelin ließen daran keinerlei Zweifel aufkommen, bedeutet dies, dass trotz doppelter Fahrzeugmenge gegenüber heute kein Gramm CO2 zusätzlich verursacht wird, sich der Reifenverschleiß halbiert und nicht ein Gramm natürlicher Rohstoffe mehr als heute verarbeitet werden muss.

Erreicht werden sollen diese Leistungen ohne jede Abstriche bei der Sicherheit, vielmehr soll der Bremsweg ohne Kompromisse verkürzt werden. Was dies alles in Zahlen bedeutet, zeigte Michelin Ende Oktober am Alexanderplatz in Berlin mit einer riesigen Umweltuhr. Der erste Zeiger zählt den durch den „grünen Reifen“ eingesparten Kraftstoff, der zweite Zeiger die eingesparten Mengen CO2. Damit hat sich Michelin an die Spitze der Umweltbewegung gestellt und in Erinnerung gerufen, bereits einen Energiesparindex für Reifen vorgeschlagen zu haben.

Kraftstoffreduzierung setzt Rollwiderstandsreduzierung voraus. Das aber ist vielen Verbrauchern so gar nicht bewusst. Ein Grund mehr für Michelin, sich dieses Themas anzunehmen und anhand der Umweltuhr deutlich werden zu lassen, wie viel der einzelne Autofahrer mit der Verwendung „grüner“ Reifen sparen kann; zum Nutzen der Umwelt und auch zum Nutzen seiner Geldbörse. Das ist deshalb so, weil wegen des unterschiedlichen Rollwiderstands von Reifen der Kraftstoffverbrauch beeinflusst wird. Bis zu eine von fünf Tankfüllungen könnte eingespart werden, bei Lkw könnte gar bis zu eine Tankfüllung von Dreien gespart werden.

Der Rollwiderstand ist einer von fünf Fahrwiderständen, die ein Fahrzeug überwinden muss, um vorankommen zu können. Ferner geht es um den von der Geschwindigkeit abhängigen Luftwiderstand, die besonders bei starker Beschleunigung zum Tragen kommende Trägheit, den Einfluss der Schwerkraft bei Steigungen und nicht zuletzt um die inneren Reibungskräfte des Fahrzeugs, die vor allem den Antriebsstrang betreffen.

Wie Rollwiderstandsunterschiede sich nicht nur auswirken, sondern auch sichtbar gemacht werden können, hat Michelin auf der IAA-Ausstellung in Frankfurt kürzlich deutlich gezeigt. Zwei baugleiche Fahrzeuge, eines mit herkömmlichen und das andere mit „grünen“ Michelin-Reifen ausgestattet, wurden aus 3,20 Meter Höhe auf eine 22 Meter lange so genannte „Halfpipe“ geschickt. Die Fahrzeuge setzten sich allein durch ihr Eigengewicht und das Gefälle von 20 Grad in Bewegung. Michelin konnte so überzeugend beweisen, um wie viel länger ein Fahrzeug mit rollwiderstandsoptimierten Reifen rollen kann.

Senkung der CO2-Emissionen

Seit 1992 hat Michelin vier Generationen „grüner Reifen“ entwickelt und weltweit 570 Millionen Reifen vermarktet und damit einen konkreten Beitrag zur Einsparung von geschätzten 6,5 Milliarden Liter Kraftstoff und geschätzten 16 Millionen CO2 geleistet. Das entspricht einer Menge Kohlendioxid, die 650 Millionen Bäume innerhalb eines Jahres absorbieren können.

Grüne Reifen helfen Umweltvorschriften zu erfüllen

Die Europäische Kommission hat ihren Entschluss bekräftigt, sich intensiv mit den Problemen der Energieeffizienz und Kohlendioxidemissionen von Fahrzeugen zu befassen. Im Paket Energie und Klima betont die Europäische Kommission, dass weitere Maßnahmen zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes von Personenkraftwagen vorgelegt werden, um im Zuge eines umfassenden und kohärenten Ansatzes den angestrebten Wert von 120 Gramm CO2/km bis 2012 zu erreichen. Bis Mitte 2008 wird die Kommission einen entsprechenden Vorschlag für einen gesetzlichen Rahmen zur Erreichung des Ziels unterbreiten.

Damit sieht sich die Automobilindustrie vor großen Herausforderungen, denn innerhalb der nächsten vier Jahre muss es gelingen, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß für ihre gesamte Flotte um 20 Gramm/km zu verringern. Allein durch die Verwendung der neuen Michelin-„Energy Saver“-Reifen, das jedenfalls rechnet Michelin vor, könnten geschätzte 20 Prozent des Ziels schon erreicht werden.

Energiesparindex für Reifen

Gefordert wird die Einführung eines Energiesparindex für Pkw- und Lkw-Reifen. Aus welchem Grund arbeiten derzeit alle Fachkreise in Europa zur Umsetzung dieses Vorhabens zusammen? Der Endverbraucher soll informiert werden, wie sehr sich Rollwiderstand und damit Umweltauswirkungen von Reifen voneinander unterscheiden. Je nach Reifenmarke können die Werte um bis zu 50 Prozent voneinander abweichen, mit entsprechenden Folgen für den Kraftstoffkonsum und die Schadstoffemissionen. So kann sich bei einem Fahrzeug, das mit rollwiderstandsoptimierten Pneus sechs Liter pro hundert Kilometer verbraucht, bei falscher Reifenwahl der Verbrauch um 0,3 Liter pro hundert Kilometer erhöhen. Das wiederum entspricht einem Anstieg der CO2-Emissionen um 750 Gramm pro hundert Kilometer. Da reduzierter Kraftstoffverbrauch Musik in den Ohren der Autofahrer sein dürfte, zudem auch noch die Umwelt geschont wird, möchte Michelin den Reifenkauf zu einer „verantwortungsvollen Handlung“ des Verbrauchers weiterentwickeln. Dabei soll die Einführung des Energielabels helfen, denn nur so erfährt ein Kunde bereits auf den ersten Blick, wie gut die Energieleistung der angebotenen Reifen ist.

Das Energielabel sollte schon von 2011 an auf allen Reifen angebracht werden, die im europäischen Handel angeboten werden. Die Einstufung geht dem Vernehmen nach von „A“ für Reifen mit besten Energienutzungswerten bis zu einer noch nicht festgelegten Kategorie für Pneus, die nur in geringem Maß die Umwelt entlasten. Reifen, die nicht einmal diese unterste Klasse erreichen, sollen dann mit einem Verkaufsverbot belegt werden.

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