Conti auf der IAA 2007: Your Mobility – Our Passion

„Your Mobility – Our Passion“. Unter diese Überschrift hatte Continental nicht nur den Messestand im Rahmen der IAA gestellt, sondern auch eine ausgezeichnet besuchte Pressekonferenz, der auch VDA-Präsident Matthias Wissmann beiwohnte. Natürlich ging es dabei um den Status quo beim Kauf des Zulieferers Siemens VDO und den Perspektiven, die sich daraus für den Continental-Konzern ergeben. Dass sich die Gewichte im Konzern zu Lasten des Reifenbereiches verschieben, ist hinlänglich diskutiert worden, aber der Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer will offensichtlich allen Spekulationen den Wind aus den Segeln nehmen und schickt vorweg, dass der Reifenbereich nicht verkauft werde: Conti werde ein Reifenhersteller bleiben.

Und das Bestreben, der „Beste“ in jedem Bereich zu sein, gelte auch für Reifen, wobei er explizit das Lkw-Reifensegment als ein Beispiel hervorhebt. Mit den Reifen – auch den Nutzfahrzeugreifen – kann ein Beitrag zur Kohlendioxidreduktion geleistet werden. Seit geraumer Zeit widmet sich Continental (neben den im Rahmen der Präsentation Wennemers genannten Aspekten Gewichtsreduktion und Drucküberwachung) in besonderem Maße dem Thema Rollwiderstand (wobei von Seiten von – französischen – Automobilherstellern – hier allerdings Pkw – nicht nur positive Rückmeldungen gekommen sind, d. Red.). Bei der Continental AG ist man überzeugt davon, dass der Konzern durch den Kauf von Siemens VDO in verstärktem Maße von den entscheidenden Zukunftstrends der Automobilindustrie profitieren wird. „Die auf der IAA 2007 aufgezeigten Perspektiven der Branche bestätigen eindeutig unsere Einschätzung, dass die Themen Sicherheit, Klimaschutz und Infotainment in den kommenden Jahren dominieren werden. Dafür sehen wir uns mit der gebündelten Innovationskraft und dem breiten Produktportfolio von Continental und Siemens VDO als Systemspezialist bestens aufgestellt“, so der Continental-Vorstandsvorsitzende, ohne dabei den Hinweis darauf zu vergessen, dass die Wettbewerbsbehörden der Siemens VDO-Akquisition noch zustimmen müssen. Diese Entscheidung wird noch in diesem Herbst erwartet. Parallel zum laufenden Genehmigungsverfahren werde allerdings bereits die Planung für die Integration von Siemens VDO mit Hochdruck vorangetrieben.

„Wettbewerbsrechtliche Vorgaben setzen uns bis zum Closing zwar enge Grenzen, aber innerhalb dieses rechtlichen Rahmens agieren wir schnell und präzise. Wir haben beispielsweise die künftigen Konzernstrukturen festgelegt, die neben den beiden Reifendivisionen und ContiTech die drei Divisionen Chassis and Safety, Powertrain sowie Interior an Stelle der bisherigen Division Automotive Systems vorsehen“, erklärt Wennemer. Das Anwachsen des Konzernes und die Hinzufügung neuer Divisionen wird übrigens keine personelle Aufstockung des Vorstandes nach sich ziehen, dafür gebe es aktuell keine Planungen.

Das Unternehmen sei dabei, die mit den Banken fest vereinbarte Finanzierung über ein Volumen von 13,5 Milliarden Euro umzusetzen. „Die Banken stellen neben elf Milliarden Euro Festdarlehen eine revolvierende Kreditlinie von 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung, die uns ausreichenden Handlungsspielraum gewährt“, fügt er hinzu und weist darauf hin, dass das Unternehmen ab 2009 einen Cashflow von mehr als einer Milliarde Euro erwartet. Siemens VDO soll bereits 2008 – bereinigt um Integrations- und Restrukturierungskosten sowie Abschreibungen – einen positiven Ergebnisbeitrag leisten.

„Wir werden eine enorme Zugkraft bei kundenorientierten Innovationen gerade im Bereich der Megatrends Sicherheit, Reduktion von Kohlendioxidemissionen und Infotainment entwickeln können. Die IAA belegt den dynamisch wachsenden Bedarf an umwelt- und klimaschonenden Antriebssystemen – bei herkömmlichen Motoren ebenso wie in der Hybridtechnologie oder hoch effizienten Batteriesystemen. Den global immer strengeren Vorgaben in Sachen Verbrauch und Emissionen können wir ebenso Rechnung tragen wie dem Wunsch der Endverbraucher nach sicheren, intelligenten und dynamischen Fahrzeugen, die beim Fahren auch Spaß machen sollen“, ist der im Konzern für die Division Automotive Systems und Technologieentwicklung zuständige Vorstand Dr. Karl-Thomas Neumann überzeugt und sieht Conti dank der VDO-Übernahme mehr denn je in der Rolle eines integrierten Systemanbieters.

Umweltfreundliche Fahrzeuge werden seinen Aussagen zufolge ebenso nachgefragt wie Komponenten und Systeme zur aktiven und passiven Fahrzeugsicherheit. „Auch hier werden immer umfassendere gesetzliche Vorgaben und Ansprüche der Autofahrer weltweit gleichermaßen für eine positive Entwicklung in einem unserer Kernkompetenzfelder sorgen“, betont Neumann. „Die europäische Unfallstatistik hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch die Entwicklung und den Einsatz von Gurt, Airbag und ESC entscheidend verbessert. Neue aktive und passive Sicherheitssysteme durch Telematik sind der nächste wichtige Schritt. Und nicht zuletzt können wir gerade hier dem Endverbraucher entgegenkommen, der schon lange seine mobilen Geräte wie zum Beispiel Ipod-Musikspieler über die aus der PC-Welt bekannten Schnittstellen ins Auto integrieren möchte. Und der Weg ist dann frei nicht nur für die uns heute bekannte Gerätewelt, sondern auch für zukünftige Produkte und Entwicklungen“, meint er.

Laut Dr. Neumann wird gleichzeitig auch die Nachfrage nach preiswerten Autos in den nächsten Jahren weltweit zweistellig wachsen. „Wir werden uns dem Segment der so genannten Billigautos in Märkten wie China, Indien oder auch Brasilien intensiv widmen. Wir sprechen allerdings von erschwinglichen Autos (affordable cars), denn das wird dem Anspruch wesentlich mehr gerecht. Es geht ganz klar darum, unsere Technologiekompetenz an beiden Enden der Skala einzusetzen und unter Beweis zu stellen. Unsere Produkte müssen auch für erschwingliche Autos hohe Standards bei Sicherheit und Komfort gewährleisten. Preiswert darf nicht mit ‚low-tech’ oder mangelnder Sicherheit gleichgesetzt werden, im Gegenteil“, macht er den Conti-Standpunkt deutlich.

Reifen – Mehr Freiraum und weniger Platz

Wer die Gestaltung des Continental-Messestandes als Maßstab nimmt, der könnte an Wennemers Bekenntnis zur Reifensparte zweifeln. Ein wenig an den Rand gedrückt wirkten da die Pkw-Reifen und das in diesem Zusammenhang als Highlight präsentierte Sponsoring im Fußballgeschäft. Darauf angesprochen, meint denn ein Vertreter der Reifensparte, dass man jetzt „größere Freiräume“ im Konzern habe. Und die Reifensparte – über alle Segmente und Märkte gesehen immerhin die Nummer 4 weltweit – hat schließlich auch etwas zu bieten.

Mit den je drei Produktlinien für die Sommer- und Winterbereifung von Pkw, einer breiten Palette an Reifen für SUV sowie einem an den spezifischen Anforderungen orientierten Angebot an Vanreifen hat Continental eines der breitesten Angebote überhaupt im Markt. Neu sind in diesem Jahr der Vanco 2 und der VancoWinter 2 als Reifen für schwerere Vans und Transporter erhältlich.

Zum Programm gehört als Spitzenprodukt der ContiSportContact Vmax, ein Serienreifen, der bis zu 360 km/h freigegeben ist und unlängst den Eintrag ins Guinness-Verzeichnis der Rekorde erreicht hat. Als sportliche Bereifung für Erstausrüstung und Ersatzgeschäft ist der ContiSportContact 3 in der Erstausrüstung, bei Tunern und im Ersatzgeschäft erfolgreich. An Mittel- und Oberklassefahrzeugen ist der ContiPremiumContact 2 bei den Fahrzeugherstellern und im Reifenhandel sehr beliebt, die Kompaktklasse bevorzugt den ContiEcoContact 3. Auch das Programm für SUV ist beeindruckend: So ist der ContiCrossContact UHP, ein Hightech-Pneu für stark motorisierte SUV, frei bis über 300 km/h. Für den Einsatz auf und abseits der Straße steht eine große Produktpalette zur Auswahl.

Auch schwerere Transportaufgaben von Vans meistert der neue, laufleistungsstarke Vanco 2. Als besonders robuste Konstruktion kann er auf normalen Straßen sowie schlechten Wegstrecken eingesetzt werden. Dennoch besteche er – schreibt das Unternehmen – durch Fahreigenschaften, die sonst bei Pkw-Reifen üblich sind. So würden agiles Handling, kurze Bremswege und sehr sichere Aquaplaningeigenschaften ebenfalls zu seinem hohen Leistungsspektrum gehören. Der Vanco 2 ersetzt sukzessive sein Vorgängermodell, das in den vergangenen acht Jahren 15 Millionen mal (!) verkauft wurde. Neu ist auch der VancoWinter 2, der beste Fahreigenschaften in der kalten Jahreszeit mit hoher Laufleistung verbinde, heißt es.

Reifen von Continental sind sowohl im Ersatzgeschäft als auch in der Erstausrüstung sehr gefragt: Immerhin jeder vierte Neuwagen und rund jeder dritte Van rollt bereift von Continental vom Band, bei Winterreifen sind die Hannoveraner mit ihrem Markenstrauß Europas Marktführer.

Die breite Aufstellung am Reifenmarkt dokumentiert Continental mit der hohen Zahl von fast 800 lieferbaren Artikeln bei den Reifen für Pkw, SUV und Transportern. Dabei geht die Lieferpalette von 12-Zoll-Reifen für Kleinwagen bis zu 24-Zöllern für SUVs. Im vergangenen Jahr hat der Continental-Konzern rund 108 Millionen Reifen für Pkw, SUVs und Transporter weltweit verkauft.

Weiteres Not-/Pannenlaufsystem von Continental

Nachdem Continental mit SSR-Reifen (das Akronym steht für Self Supporting Runflat), dem ausschließlich in der Erstausrüstung des Maybach zum Einsatz kommenden „ContiSupportRing“ (CSR) sowie den Dichtmittelsystemen „ContiComfortKit“ für die Erstausrüstung und das Ersatzgeschäft bzw. „ContiMobilityKit“ (nur Erstausrüstung) bereits mehrere verschiedene Not- und Pannenlaufsystemen zur Auswahl bereithält, hat der Automobilzulieferer jetzt eine weitere Lösung namens „ContiSeal“ vorgestellt und präsentierte diese auf dem Messestand. Nicht das Exemplar mit den meisten Durchstichen, denn das sieht mittlerweile doch so ramponiert aus, dass man es lieber in Hannover gelassen hat. Und es gibt auch erst lediglich Konzeptreifen mit dieser Technologie zu sehen, doch – wie Conti selbst sagt – wird die Technik „voraussichtlich im nächsten Jahr auf einem Pkw eines großen europäischen Fahrzeugherstellers vertreten sein“. Damit ausgerüstete Reifen sollen die Weiterfahrt selbst nach dem Einfahren beispielsweise von Schrauben oder Nägeln noch erlauben. Dies gewährleiste eine auf der Innenseite der Reifenlauffläche aufgebrachte Schutzschicht, die beim Eindringen von Fremdkörpern die entstehenden Löcher schnell abdichte, verspricht das Unternehmen. Die Abdichtung funktioniere bei nahezu allen Undichtigkeiten, die von Gegenständen mit bis zu fünf Millimetern Durchmesser hervorgerufen werden, und decke damit rund 80 Prozent der auftretenden Reifendurchstiche ab, heißt es weiter. Da es laut Conti passieren kann, dass der Fahrer in bestimmten Fällen das Eindringen eines Fremdkörpers gar nicht bemerkt, empfiehlt der Hersteller „ContiSeal“-, aber auch alle anderen Reifen regelmäßig auf eingedrungene Nägel oder Schrauben zu untersuchen.

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