Conti in der Lkw-Erstausrüstung auf dem Weg zum „Global Player“

Das weltweite Erstausrüstungsgeschäft mit Lkw-Reifen bei Continental steht unter der Leitung von Peter Matzke. Zu seinen Kunden gehören alle wichtigen Lkw-Hersteller, jedenfalls in Europa (DAF, Iveco, MAN, Mercedes-Benz, Renault Trucks, Scania und Volvo), und auch die relevanten Trailer-/Anhänger-Hersteller. Aber Continental ist auf dem Weg, ein globaler Spieler in der Erstausrüstung mit Lkw-Reifen zu werden. Dazu gehört allerdings, dass die drei außereuropäischen Reifenwerke, auf die Matzke Zugriff hat, über die geplanten Kapazitäten verfügen, die geplant sind, und die gleichen Qualitätsstandards vorweisen können, über die die drei europäischen Lkw-Reifenwerke Continentals verfügen.

Denn die Erstausrüstung mit Lkw-Reifen ist wohl noch stärker von einer Produktion vor Ort – womit der Kontinent gemeint ist – abhängig als bei Pkw-Reifen. Die hohen Transportkosten würden langfristig einer Belieferung auf dem Seewege ebenso entgegen stehen wie der Mangel an Flexibilität. Just-in-time- oder gar Just-in-sequence-Lieferungen an Fahrzeugproduzenten sind bei allzu weit entfernten Reifenfabriken viel schwerer zu realisieren als bei Überwindung von ein paar hundert Landkilometern mit dem Lkw als Transportmittel. Was nicht heißen soll, dass das unmöglich ist, wie Beispiele aus der Vergangenheit beweisen: Günstige Währungsverhältnisse oder Zölle sind allerdings bei solchen Projekten zumeist Voraussetzung, aber leider oftmals nicht von Dauer.

Das größte Lkw-Reifenwerk Continentals ist ein Jointventure im slowakischen Puchov (Beteiligungsverhältnisse: Continental 76 Prozent, Matador 24 Prozent), hier werden in diesem Jahr ca. 2,3 Millionen Einheiten hergestellt. Ein Ausbau auf eine Jahreskapazität von 2,5 Millionen Einheiten ist bereits initiiert. Übrigens gehen von Puchov aus nicht nur Continental-Reifen an die Erstausrüstungskunden, sondern auch Matador ist unter der eigenen Marke OE-Lieferant, vornehmlich im osteuropäischen Raum und in den CIS-Staaten. Das zweitgrößte europäische Lkw-Reifenwerk ist im hannoverschen Stöcken; ferner werden in geringerem Umfang auch Lkw-Reifen im tschechischen Otrokovice gefertigt, auch der Marke Barum, die in bescheidenem Umfang nicht nur bei Pkw-, sondern auch bei Lkw-Reifen OE-Status hat.

Prinzipiell – das ist Peter Matzke sehr wichtig – müssen alle Konzern-Reifenwerke auf dem gleich hohen Niveau stehen, daher kommt eine Unterteilung in Erstausrüstungs- und Ersatzgeschäft-Reifenwerk gar nicht in Frage. Die drei außereuropäischen Fabriken, in denen Lkw-Reifen der Premiummarke Continental hergestellt werden, haben also die gleichen Standards zu erfüllen wie die drei europäischen.

In Mount Vernon (Illinois/USA) ist das bereits seit langem gewährleistet: Die Fabrik wurde 1991 als ein Jointventure mit den beiden japanischen Wettbewerbern Yokohama und Toyo – die allerdings Juniorpartner sind – gegründet. Hier werden neben Continental auch Lkw-Reifen mit der Aufschrift General für den nordamerikanischen Markt hergestellt. Das zweite Werk für Lkw-Reifen im Konzern außerhalb Europas ist im malaysischen Petaling Jaya. Auch hierbei handelt es sich um eine Jointventure-Fabrik, die unter Continental Sime Tyre (CST) firmiert und an der die Deutschen mit einem 70-prozentigen Anteil die Majorität halten. Bei Sime ist Conti vor nicht einmal fünf Jahren eingestiegen, hat sukzessive den Einfluss erhöht und baut aktuell etwa 250.000 Lkw-Reifen jährlich. Der Ausbau der Produktion liegt auf der Hand, um von hier aus die Region Südostasien – auch für die Erstausrüstung – versorgen zu können. Noch ganz am Anfang ist das Werk Camaçari im brasilianischen Bundesstaat Bahia, in dem Continental nach Abschluss der ersten Ausbaustufe (neben Pkw-Reifen) auf eine Jahreskapazität von 700.000 Lkw-Reifen kommen wird. Die Reifen aus Camaçari sind auch für den Nafta-Markt bestimmt, sollen aber eben auch helfen, Lateinamerika mit einer Produktion vor Ort als einen Absatzmarkt zu erschließen, der auf der globalen Continental-OE-Landkarte bislang noch weitgehend weiße Fläche war. Es gibt aber darüber hinaus einen weiteren Grund, warum der Zulieferer der Fahrzeugindustrie Continental verstärkt die Märkte in Südostasien und Südamerika anvisiert, Matzke: „Unsere europäischen Erstausrüstungskunden sind schon da.“

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