Cooper: Großer Respekt und große Erwartungen

Ein Unternehmen, für das sich in den vergangenen vier Jahren einiges auf dem chinesischen Markt getan hat, ist Cooper Tire & Rubber. Der amerikanische Reifenhersteller, der zuvor keine außergewöhnlichen Aktivitäten in China unterhielt, hatte zunächst die Mehrheit an der Shandong Chengshan Tyre Co. Ltd. erworben, die mit einer Kapazität von rund sechs Millionen Einheiten zu den drei größten chinesischen Reifenherstellern zählt. Zuvor war Cooper bereits ein Offtake-Agreement mit Hangzhou Zhongce eingegangen, ebenfalls einer der größeren Marktteilnehmer. Und zu Beginn dieses Jahres wurde eine Jointventure-Fabrik, die gemeinsam mit dem taiwanesischen Hersteller Kenda gebaut wurde, in Betrieb genommen, in der einmal zehn bis zwölf Millionen Pkw- und Llkw-Reifen gefertigt werden sollen. Mit der Gründung einer eigenen Vertriebstochter in China verfügt Cooper nun nicht nur über umfangreiche lokale Produktionskapazitäten, sondern auch über die notwendige Infrastruktur, um die eigene Marke erfolgreich in China zu positionieren.

Alle Bemühungen Coopers, in Asien Fuß zu fassen, beginnen in China. Dabei stellt der Markt nicht nur die verlängerte Werkbank vermeintlich hochentwickelter westlicher Industrienationen dar, sondern rückt mehr und mehr auch als Absatzmarkt für Unternehmen aus Europa und Nordamerika in den Fokus. Während Cooper heute mit Hochdruck an dem vom ehemaligen Chairman, President und CEO Thomas A. Dattilo ausgegebenen Ziel arbeitet, bis zum Ende dieses Jahrzehnts einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar allein auf dem chinesischen Reifenmarkt zu erzielen, nutzte auch der amerikanische Konzern den chinesischen Markt zunächst nur wegen der kostengünstigen Produktionsfaktoren. Im Rahmen eines Offtake-Agreements hatte Cooper ab Anfang 2004 bis zum vergangenen Jahr jährlich 250.000 bis 300.000 Lkw-Reifen bei der Hangzhou Zhongce Rubber Co. aus China geordert, wie im Übrigen auch bei Kenda Rubber aus Taiwan (Pkw-Reifen; seit 2001). Diese werden ausnahmslos ausgeführt.

Dass ein international agierender Reifenhersteller vom Range Coopers aber nicht auf Dauer wachsen kann, ohne sich dem chinesischen Ersatzmarkt – Cooper ist derzeit so gut wir nirgends in der Erstausrüstung aktiv – zuzuwenden, hat aber überzeugt. Folglich hat der Hersteller seine Wachstumsstrategie auf die aktuellen Unternehmensziele angepasst und einerseits mit dem taiwanesischen Hersteller Kenda Rubber die Errichtung einer gemeinsamen Pkw- und Llkw-Reifenfabrik in China beschlossen und andererseits die Mehrheit an Shandong Chengshan übernommen.

Cooper und Kenda – gleiche Partner

Die Partner Cooper und Kenda haben die gemeinsame Reifenfabrik in Kunshan in der Nähe von Shanghai Ende Februar dieses Jahres in Betrieb genommen; das 50:50-Jointventure wurde Ende 2003 gegründet. Wie Coopers CEO und President Roy Armes anlässlich des verspäteten Produktionsbeginns – geplant war der Beginn ursprünglich für Ende 2006 – betonte, werde die Fabrik der amerikanischen und taiwanesischen Partner schlussendlich eine Kapazität von zehn bis zwölf Millionen Pkw- und Llkw-Reifen haben. Die in Kunshan produzierten Reifen seien allerdings für zunächst fünf Jahre ausnahmslos für den Export nach Nordamerika und Europa bestimmt, so die Ankündigung der Partner. Ob dies aber bei voller Auslastung der Produktionskapazität noch so ist, bleibt abzuwarten. Da aber der chinesische Reifenmarkt, gerade was Pkw- und Llkw-Reifen betrifft, unter Überkapazitäten leidet, ist die aktuelle Vorgehensweise des amerikanischen Konzerns durchaus nachzuvollziehen. Die Partner investieren Medienberichten zufolge rund 200 Millionen US-Dollar in die Fabrik.

Anders sieht die Vorgehensweise allerdings beim übernommenen Hersteller Shandong Chengshan aus, dessen Produktionskapazitäten – und Handelsbeziehungen – vorwiegend für den heimischen chinesischen Markt genutzt werden. Cooper hatte ab Ende 2003 für rund 70 Millionen Dollar die Mehrheitsanteile am chinesischen Hersteller Shandong Chengshan Tire Co. Ltd. übernommen, um dessen Pkw- und Lkw-Reifenfabrik als Cooper Chengshan (Shandong) Passenger Tire Co. Ltd. und als Cooper Chengshan (Shandong) Truck Tire Company, Ltd. weiterzuführen. Neben den 51 Prozent Anteil an dem Reifenfabrik-Jointventure erhielt Cooper ebenfalls 25 Prozent Anteil an einer Stahlcordfabrik, die in der Stadt Rongchen (Provinz Shandong) neben der Reifenfabrik ansässig ist. Aktuellen Berichten zufolge bietet der indische Stahlproduzent Arcelor Mittal derzeit für die Übernahme der Cooper-Stahlcordfabrik in Rongchen. Shandong Chengshan Tire war bei Übernahme – sie wurde im Februar 2006 abgeschlossen – drittgrößter Reifenhersteller des Landes, der sich in chinesischer Hand befand; er produzierte 2005 gut 6,5 Millionen Reifen. In 2005 hatte das Unternehmen, das die eigenen Marken Chengshan und Austone produziert, einen Umsatz von rund 450 Millionen Dollar erzielen können.

Gegenwärtig investiert Cooper in seine neu erworbenen Produktionsstätten, um dort auch Reifen der Marke Cooper nach den hohen Hausstandards fertigen zu können. Es wird ebenfalls an einer sich speziell an den Bedürfnissen des chinesischen Ersatzmarktes ausgerichteten Produktlinie der Premiummarke Cooper gearbeitet. Diese Reifen werden dann natürlich auch in China gefertigt; das „China-Debut“ der Marke Cooper fand im Laufe dieses Jahres statt. „Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt in unserer Asienstrategie“, kommentierte Coopers ehemaliger CEO Thomas A. Dattilo damals die Übernahme. „Chengshan ist ein exzellenter und profitabler Hersteller, der bereits eine beträchtliche Anzahl an Reifen auf der ganzen Welt sowie in China, wo Cooper einen führenden Marktanteil anstrebt, verkauft.“ Durch diese Übernahme hat Cooper Tire & Rubber endlich Fuß auf dem wichtigen chinesischen Reifenmarkt gefasst. Ohne eine Präsenz vor Ort, so die Überzeugung der Verantwortlichen in Findlay (Ohio/USA), sei es nur äußerst schwer, Vorteil aus dem Wachstumsmarkt China zu ziehen und sich dort zu etablieren.

Der Auf- und Ausbau des Marktanteils in China wird wesentlich durch das seit Juni 2007 unter der Leitung von Ron Shield stehende Asien-Hauptquartier in Shanghai sowie die neugegründete Vertriebstochter Asian Trading Co. gesteuert. „Wir haben großen Respekt und große Erwartungen, was China betrifft, und dieses Land wird für unsere zukünftigen Pläne große Bedeutung haben.“ Zusammenfassend lassen sich Coopers Pläne in Bezug auf China folgendermaßen formulieren: Der amerikanische Konzern nutzt China einerseits als billige Produktionsstätte für Produkte, die auf westlichen Märkten mit Gewinn verkauft werden können. Cooper – wie fast alle anderen westlichen Reifenhersteller – nutzt China aber auch als gigantischen und verlässlich wachsenden Absatzmarkt, obwohl dort bekanntermaßen nicht viel verdient wird. „Es ist allgemeiner Konsens, dass man heute in China zu sein hat. Und das betrifft nicht nur die Reifenindustrie, sondern alle Branchen“, so der Kommentar des Dekans vom College of Business Administration der Universität in Akron (Ohio/USA) zum Run auf den Wachstumsmarkt China.

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