In Memoriam Horst Urban

Am 21. Juni 2007 ist Horst W. Urban kurz nach seinem 71. Geburtstag nach längerer Krankheit verstorben. Er wurde im engen Familien- und Freundeskreis und im Beisein einiger seiner früheren Vorstandskollegen in Hannover-Isernhagen beigesetzt.

Von dem damaligen Conti-Chef Carl Horst Hahn als Finanzvorstand nach Hannover geholt, setzte Horst Urban eine Reihe von Akquisitionen durch. Mit Hahn wurden die europäischen Reifenaktivitäten der Uniroyal übernommen, mit Helmut Werner erst der Reifenhersteller Semperit und im Sommer 1987 dann General Tire. Noch im Herbst desselben Jahres wurde Urban, da sein Vorgänger Helmut Werner in den Daimler-Benz-Vorstand wechselte, zum Vorstandsvorsitzenden der Continental AG ernannt. Erst all diese Akquisitionen brachten die viele Jahre um ihr Überleben kämpfende Continental wieder in eine wettbewerbsfähige Position.

Am Anfang seiner beruflichen Karriere stand Horst W. Urban als Steuerinspektor im Dienst des Staates und sah sich vielen Steuerpflichtigen gegenüber, die mit höchster Kreativität am Rande oder auch bereits jenseits der Legalität an der Reduzierung ihrer Steuerpflicht arbeiteten. Das mag erklären, warum Kollegen und Mitarbeiter ihn übereinstimmend als misstrauisch beschrieben. Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser.

Horst W. Urban war in seinen Aussagen stets sehr klar. Aber es gelang ihm nicht immer, Kritik schonend oder elegant anzubringen. Wer von ihm kritisiert worden war, wusste Bescheid. Hatte Horst Urban etwas als richtig erkannt, musste es auch durchgesetzt werden. Kompromisse waren seine Sache nicht, solchen haftete aus seiner Sicht eher das Negative, der faule Kompromiss an. So mag er sich das Leben oft schwerer gemacht haben als es unter Einsatz von Flexibilität und sprachlicher Gewandtheit auch möglich gewesen wäre. Empfindsam durfte man in seiner Nähe wohl nicht sein, was nicht ausschließt, dass er selbst, der öffentlich das Bild eines bärbeißigen und durchsetzungsfreudigen Konzernführers abgab, durchaus empfindlich war. Wer immer mit ihm, selbst auf unterschiedlichen Wegen, ein gemeinsames Ziel verfolgte, konnte sich seiner Unterstützung sicher sein. Urbans Zusagen erwiesen sich als wertvoller als ausgefeilteste notariell beurkundete Verträge es hätten sein können.

Unrecht war seine Sache nicht. Er konnte nach außen hin noch so hart in Erscheinung treten, aber wenn einem Kollegen oder Untergebenen durch ihn Unrecht widerfahren war, mussten die Dinge geregelt werden. Ob es ihm schwergefallen ist, dann Bedauern zum Ausdruck zu bringen, ist nicht überliefert, aber sehr wohl, dass er sich die Fähigkeit erhalten hatte, sein Bedauern und auch eine Entschuldigung zum Ausdruck zu bringen. Es war unerträglich für ihn, ungerecht gewesen zu sein. So konnte man mit ihm heftig streiten und dann auch wieder gemeinsam lachen.

Horst Urban war nicht eitel, was ihn davor bewahrte den Versuchungen seiner herausgehobenen Position zu erliegen, sondern er wusste sehr wohl zu differenzieren zwischen Amt und Person. So stritt er stets für eine von ihm für richtig befundene Sache, im Mittelpunkt stand das ihm zur Führung anvertraute Unternehmen.

Mit dem Unwillen, sich auf Kompromisse einlassen zu wollen oder zu können, macht man sich automatisch auch Gegner. Doch die in dieser Hinsicht unbeugsame Haltung kam dem Continental-Konzern zugute, als der Wettbewerber Pirelli sich anschickte, den deutschen Konzern übernehmen zu wollen. Da die Rolle seines Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Weiss bis heute als äußerst dubios umschrieben wird, war seine erfolgreiche Abwehrschlacht – und es war in erster Linie die Abwehrschlacht des Horst W. Urban – zugleich aber auch der Bruch mit denen, die anderes gewollt hatten, allem voran das Zerwürfnis mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden.

Horst Urban hat sich sehr wohl und trotz härtester Auseinandersetzungen den Respekt der Pirelli-Führungsebene verdient, die bis heute er- und anerkennt, mit der geplanten Übernahme im Grunde einzig und allein an ihm gescheitert zu sein.

Sein – erzwungener – Rücktritt schmälert seine Verdienste um den Continental-Konzern überhaupt nicht. Ohne sein unbeugsames Verhalten und ohne seinen kompromisslosen Widerstand wäre der Continental-Konzern zur verlängerten Werkbank eines Konkurrenten geworden.

In einer wahren Schicksalsstunde des Konzerns hat sich Horst W. Urban als der richtige Führer in der Not erwiesen. Dank seines unbeugsamen Einsatzes während einer heftigen Abwehrschlacht vermochte sich der Konzern Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit zu erhalten.

Horst Urban hatte mit einer persönlichen Niederlage fertig zu werden, nachdem er dem Unternehmen zum Sieg verholfen hatte. Seit langem war er mit sich im Reinen und dankbar dafür, ein erfülltes Leben gehabt zu haben. Seine überragende Rolle in Stunden der Not ist bis heute von den Gremien des Konzerns nur unzureichend gewürdigt worden. Dafür, dass er seine persönlichen Interessen denen des Konzerns und der Belegschaft unterordnete, hat ihm die damalige Belegschaft höchsten Respekt gezollt. (klaus.haddenbrock@reifenpresse.de)

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