Wondraschek: Neue Standbeine und alte Traditionen

Für kleinere Unternehmen aus der Reifenbranche ist das Festhalten an guten Traditionen manchmal genauso wichtig wie die kreative Weiterentwicklung des eigenen Geschäftes. Ein Unternehmen, dem dies in den vergangenen Jahren offenbar beides gelungen ist, ist der Runderneuerer und Reifenhändler Reifen Wondraschek mit Hauptsitz im österreichischen Linz. Während das Unternehmen früher landesweit vornehmlich durch seine Runderneuerungsaktivitäten bekannt war, werden mehr und mehr zusätzliche Standbeine aufgebaut, wie etwa der Generalvertrieb der Marke Cooper oder neuerdings auch der koreanischen Marke Nexen. Gleichzeitig hatte Wondraschek Ende 2006 nach über 70 Jahren die Pkw-Runderneuerung eingestellt – ein notwendiger, wenn auch schmerzhafter Schritt, liegt darin doch der Kern des Unternehmens, das in den 1930er Jahren als Vulkanisieranstalt gegründet wurde.

Während Reifen Wondraschek zu Spitzenzeiten bis zu 120.000 runderneuerte Pkw-Reifen im 1967 eingeweihten Runderneuerungswerk im oberösterreichischen Gallneukirchen bei Linz fertigte, sei im Laufe der vergangenen Jahre bereits absehbar gewesen, dass dieser Markt einem Unternehmen wie Wondraschek keine Zukunft bieten würde. Spätestens als günstige Importreifen aus Fernost auch den Endverbrauchern in Österreich mehr und mehr angeboten werden, war die Entscheidung klar. Man hatte, als die Produktion dann letzten Endes eingestellt wurde, bereits seit Jahren nicht mehr nennenswert in die Produktion investiert. Christoph Wondraschek, der mit seinen beiden älteren Brüdern Michael und Peter Wondraschek seit 1999 die Geschäfte des Unternehmens leitet, sieht darin allerdings einen Ausdruck der Stärke eines Unternehmens. Trotz aller Traditionen müsse man sich den Herausforderungen des Marktes stellen und unausweichliche Entscheidungen treffen.

Dass Reifen Wondraschek damit aber die Runderneuerung nicht insgesamt aufgegeben hat, ist bekannt. Im Gegenteil. Das Unternehmen mit Sitz in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz hat vielmehr kräftig in die Runderneuerung investiert, und zwar dort, wo man Zukunftsperspektiven erkannte. Zur Reifen-Messe 2006 gaben Reifen Wondraschek und Bandag die Unterzeichnung eines quasi exklusiven Lizenzvertrags für die Herstellung und den Vertrieb von runderneuerten Lkw-Reifen nach dem Bandag-Verfahren bekannt. Wondraschek ist gegenwärtig einziger Bandag-Lizenznehmer in Österreich. Die als „strategische Partnerschaft“ bezeichnete Zusammenarbeit zwischen dem Runderneuerer und dem Systemgeber habe eine wahren Investitionsschub bei Wondraschek ausgelöst. Das Unternehmen, dass jährlich rund zehn Millionen Euro umsetzt, hat im Zuge dieser Vereinbarung über 100.000 Euro in die eigene Kaltrunderneuerung investiert. Es wurde etwa eine automatische Raumaschine sowie einen Shearographen angeschafft. Und wie es scheint, so Christoph Wondraschek im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, müsse man demnächst in einen weiteren Autoklaven und in zusätzliche Lagerkapazitäten investieren.

Das Unternehmen erwartet im Zuge der Bandag-Übernahme durch Bridgestone zunächst keinerlei Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Als Lkw-Reifenmarke sei Bridgestone auch in Österreich dermaßen gut positioniert, so dass Bandag seinen Lizenznehmern in naher Zukunft vermutlich auch Bridgestone-Profile anbieten dürfte, glaubt Wondraschek. Reifen Wondraschek nutzt dabei auch Laufstreifen der so genannten „Bandag Value Line“. In etwa ein Fünftel der runderneuerten Lkw-Reifen ist mit den entsprechenden Laufstreifen belegt. Die überwiegende Mehrheit – und das sei auch Ausdruck des Premiumgedankens, dem sich der Runderneuerer verpflichtet sieht – werde folglich mit Bandag-Premiumlaufstreifen belegt.

Gerade was die Positionierung der Marke Bandag in Österreich und der Produkte auf dem Markt betrifft, müsse Reifen Wondraschek eine Lücke füllen, die sich ab Anfang 2006 auftat. Nachdem Reifen John bereits 2004 den Lizenzvertrag mit Bandag nicht verlängert hatte und Anfang 2006 der zweite in Österreich bestehende Bandag-Lizenznehmer Vulkoplast endgültig in Konkurs ging (das Unternehmen wurde später vom früheren Inhaber Walter Antosch zurückgekauft), hatte der amerikanische Runderneuerungskonzern in der Alpenrepublik keine etablierten Vertiebspartner mehr. Das Vakuum, das durch die sechsmonatige fehlende Produktion und die entsprechend zielgerichtete Vermarktung in Österreich entstand, müsse nun durch Reifen Wondraschek gefüllt werden. Auch seien in der Zwischenzeit alternative Handelsbeziehungen entstanden – entweder mit Bandag-Runderneuerten von anderswo oder mit anderen Fabrikaten.

Reifen Wondraschek ist zwar stets um seine unternehmerische Unabhängigkeit bemüht, was Christoph Wondraschek folgendermaßen formuliert: „Wir sind ein konservatives Unternehmen, das sich keinem Wachstumsdruck aussetzt.“ Dennoch sei es gerade im Geschäft mit runderneuerten Lkw-Reifen heute immer wichtiger, Teil einer größeren Organisation zu sein. Der Grund dafür ist die wachsende Bedeutung des Flottengeschäftes, an dem Reifen Wondraschek nun über den Bandag-Lizenzvertrag (Stichwort: Eurofleet) stärker partizipieren kann. Reifen Wondraschek als neuer Bandag-Lizenznehmer baut derzeit den Bandag-Anteil an der eigenen Produktion von rund 10.000 kaltrunderneuerten Lkw-Reifen auf und aus; in naher Zukunft sollen Bandag-Runderneuerungen an den gesamten Wondraschek-Runderneuerungen den Löwenanteil ausmachen. Die verbleibende Menge, die von den 15 Mitarbeitern in der Fertigungsstätte in Gallneukirchen bei Linz gefertigt wird, besteht aus dem Wondraschek-Fabrikat, das unter der Bezeichnung „DOP“ auf den Markt kommt.

Neue Geschäftsfelder

Während sich also in Sachen Runderneuerung bei Reifen Wondraschek in den vergangenen zwei Jahren einiges getan hat, trifft dies ebenfalls auf den Handelsbereich des Unternehmens zu. Wondraschek betreibt heute vier Niederlassungen im Bundesland Oberösterreich; bis zum vergangenen Jahr waren dies noch fünf. In den Niederlassungen und im Zentrallager sind insgesamt rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, so dass das Unternehmen auf insgesamt 65 Mitarbeiter kommt. Einen der wichtigsten Schübe hat das Handelsgeschäft – Einzel- wie auch Großhandel – sicherlich durch die Ernennung zum Generalimporteur für die US-Reifenmarke Cooper erfahren. Die 1989 von Wondraschek in Österreich eingeführte Reifenmarke biete gerade im Offroad- und hier im Winteroffroad-Segment eine umfangreiche Produktpalette – beide Segmente haben in der Alpenrepublik eine große Bedeutung, viel größer als dies etwa in Deutschland der Fall ist. Zunächst hatte Wondraschek nur Offroadreifen aus den USA importiert und in Österreich exklusiv vertrieben. Durch die Avon-Übernahme im Jahre 1997 näherte sich Cooper noch weiter dem europäischen Markt an; Wondraschek vermarktete ab dann auch Pkw-Reifen aus dem Hause Cooper. Während die Offroad- und heute auch SUV-Reifen vorwiegend aus US-amerikanischen Produktionsstätten kommen, stammen die Pkw-Reifen, die Wondraschek von Cooper vertreibt, überwiegend aus englischer und nunmehr auch aus chinesischer Fertigung.

Darüber hinaus versucht sich das österreichische Unternehmen mit Produkten aus China von vermeintlichen Billiganbietern nicht abgeben und habe es bisher stets vermieden, chinesische Reifenmarken ins Portfolio aufzunehmen, dazu sei Reifen Wondraschek „zu konservativ“ und man wollte nicht „nach ganz unten schauen“, erläutert Christoph Wondraschek, obwohl natürlich auch das Budgetsegment abgedeckt werden muss. Dabei sei aber insbesondere das Vorhandensein eines umfangreichen Winterreifensortimentes von ausschlaggebender Bedeutung. Auch wenn es in Österreich keine allgemeine Winterreifenpflicht für Pkw gibt (wohl aber für Lkw), rüstet doch die überwiegende Mehrheit von über 90 Prozent der Österreicher auf Winterreifen um.

Einen entsprechenden Anbieter, der ein solches Produktportfolio bietet, ist nun offenbar gefunden worden. Seit Anfang dieses Jahres vertreibt Reifen Wondraschek ebenfalls die koreanische Marke Nexen als Generalimporteur in Österreich. Man habe ab Frühjahr den „Hoftest“ gemacht und sei „zufrieden und froh, dass wir diese Marke aufgenommen haben“, so Christoph Wondraschek gegenüber dieser Zeitschrift. Neben der Sortimentsbreite, die wenigstens 90 Prozent des so wichtigen österreichischen Winterreifenmarktes abdeckt, sei die Marke des drittgrößten koreanischen Herstellers (nach Hankook und Kumho) in Österreich noch nicht sehr breit gestreut: Es könne eine Marke und ein Image aufgebaut werden, hofft das Mitglied der Geschäftsführung.

Dass ein wesentlicher Teil des Großhandels mit den Marken Cooper und Nexen sowie den Runderneuerungsmarken Bandag und DOP stattfindet, versteht sich. Neben diesem klassischen Großhandelsgeschäft innerhalb Österreichs – außerhalb der Landesgrenzen wird kaum vermarktet – bemüht sich Reifen Wondraschek allerdings eher um das Wiederverkäufergeschäft im regionalen Umfeld. Auch hier gelte: „Wir setzen uns da keinem Druck aus.“ Während die runderneuerten Lkw-Reifen landesweit vermarktet werden, ist das klassische Großhandelsgeschäft mit neuen Lkw-Reifen ein eher regionales Geschäft; Pkw-Reifen – insbesondere Cooper und Nexen – werden wiederum ebenfalls österreichweit vermarktet.

In Bezug auf die Ausweitung des eigenen Filialnetzes innerhalb Österreichs verfolgt Reifen Wondraschek eine ebenso konservative wie konsequente Strategie, denn auch hier gelte die Prämisse: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Schließlich könnte sich eine entsprechende Ausweitung gar kontraproduktiv auf das klassische Großhandels- bzw. auf das Streckengeschäft ausweiten. Auch plane das Unternehmen gegenwärtig nicht, einer der auch in Österreich etablierten Kooperation beizutreten, um die eigene Unabhängigkeit nicht zu gefährden, auch wenn man als „kleiner, unabhängiger Reifenhändler“ über kein Österreich insgesamt abdeckendes Filialnetz verfügt.

Zurück zu den Wurzeln – in Tschechien

Während Reifen Wondraschek mit dem Erreichten in Österreich also durchaus zufrieden ist und dem Unternehmen keine großen Expansionsgelüste nachgesagt werden können, so gönnt man sich dennoch die Beteiligung an einem tschechischen Reifenhandelsbetrieb. Dort hält Wondraschek seit einigen Jahren die Mehrheit am Unternehmen namens „Pneuservis“. Nun ist dies nicht irgendein Betrieb. 1935 gründete Josef Wondraschek, Vater des Seniorchefs Horst Wondraschek (68) und Großvater der heutigen Geschäftsführer, an selber Stelle seine Vulkanisieranstalt in Krumau an der Moldau – der Betrieb repräsentiert folglich die Keimzelle der heutigen Reifen Wondraschek Ges.m.b.H. Pneuservis – rund eine Fahrstunde von der Linzer Zentrale entfernt – handelt nicht nur mit Reifen, sondern tritt auch Pkw-Reifenrunderneuerer in Erscheinung. Das Engagement in Tschechien sei allerdings keine „strategische Entscheidung“ gewesen.

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