REACH – Hersteller sind im Wesentlichen Endanwender

Mit der Einführung der neuen EU-Chemikalienverordnung „REACH“ zum 1. Juni dieses Jahres sollen zusätzliche Informationen über mögliche Risiken von (chemischen) Stoffen bei deren Herstellung und Weiterverwendungen ermittelt werden. Dies betrifft freilich auch all diejenigen Substanzen, die in der Regel in der Hersteller von Reifen Verwendung finden. Zur Einführung der neuen Verordnung sowie den möglichen Auswirkungen auf die Continental AG antwortet Dr. Christian Leymann (40), REACH-Projektleiter beim Reifenhersteller, auf die Fragen der NEUE REIFENZEITUNG.

NEUE REIFENZEITUNG:
REACH wird zum 1. Juni europaweit eingeführt. Muss nun auch die Continental chemische Substanzen bzw. Zubereitungen REACH entsprechend registrieren lassen?

Dr. Christian Leymann:
Das Ziel der europäischen Chemikaliengesetzgebung REACH ist ein besserer Schutz von Mensch und Umwelt. Durch REACH wird u.a. das Inverkehrbringen von Stoffen in der EU neu geregelt. Continental muss nur im Fall eines Direktimports in die EU Stoffe unter REACH registrieren lassen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Ist Conti dann Importeur, Hersteller oder Inverkehrbringer dieser Substanzen bzw. Zubereitungen?

Dr. Christian Leymann:
Continental ist im Wesentlichen Endanwender für Stoffe und Zubereitungen. Die Verwender stehen dabei in Kontakt zu ihrem Lieferanten, um einen Informationsaustausch sicherzustellen. Wir prüfen, ob wir im Einzelfall als Importeur auftreten.

NEUE REIFENZEITUNG:
Wenn ja, um welche Stoffe handelt es sich dabei?

Dr. Christian Leymann:
Hierzu können wir keine Angaben machen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was wird solch ein Verfahren pro Substanz schätzungsweise kosten?

Dr. Christian Leymann:
Auch offizielle Schätzkosten sind stark schwankend, daher ist keine zuverlässige Aussage möglich.

NEUE REIFENZEITUNG:
Wonach richten sich die Kosten?

Dr. Christian Leymann:
Kosten richten sich nach Mengen und Gefährdung der Stoffe sowie Anzahl der Teilnehmer, die sich im Stoffinformationsaustauschforum (SIEF) Daten teilen können.

NEUE REIFENZEITUNG:
Es gibt Aussagen, dies könne bis zu einer Viertel Million Euro kosten. Ist dies die Ausnahme?

Dr. Christian Leymann:
Hierzu ist leider keine zuverlässige Aussage möglich. Die Kosten sind von vielen Faktoren abhängig.

NEUE REIFENZEITUNG:
Wer wird die notwendige Beweisführung machen: Conti selbst oder ein externer Labor-Dienstleister?

Dr. Christian Leymann:
Tests für die Registrierung müssen bestimmten Kriterien genügen. Diese Tests können nur von zertifizierten Dienstleistern durchgeführt werden.

NEUE REIFENZEITUNG:
Wie wird die Unterscheidung gemacht zwischen Substanzen und Zubereitungen?

Dr. Christian Leymann:
Eine Substanz ist ein Einzelstoff, bei Vorliegen eines Gemisches von mindestens zwei verschiedenen Stoffen spricht man von einer Zubereitung.

NEUE REIFENZEITUNG:
Gelten Zubereitungen automatisch als unschädlich für Mensch und Umwelt, wenn die einzelnen Bestandteile als unbedenklich geREACHt wurden?

Dr. Christian Leymann:
REACH betrachtet nur Stoffe. Ist ein Stoff ohne besondere Gefährlichkeitsmerkmale registriert worden, so kann ein Gemisch dieser Stoffe ebenfalls als unbedenklich angesehen werden. Zubereitungen werden unter REACH nicht besonders betrachtet, sondern nur als Gemisch von Stoffen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Wie viele Substanzen sind in der Reifenfertigung insgesamt von REACH betroffen?

Dr. Christian Leymann:
Nahezu alle Stoffe für die Reifenfertigung werden von REACH betroffen sein. Es gibt Ausnahmen, die in Anhang IV und V von REACH aufgeführt sind.

NEUE REIFENZEITUNG:
Bis wann werden all diese Substanzen registriert, evaluiert und autorisiert sein?

Dr. Christian Leymann:
Die letzte Übergangsfrist für die Registrierung endet im Juni 2018. Die Evaluierung wird durch die Agentur durchgeführt und betrifft eine stichprobenartige Kontrolle der Stoffe. Die Autorisierung wird für die autorisierungspflichtigen Stoffe individuell durchgeführt, der zeitliche Ablauf ist noch nicht bekannt.

NEUE REIFENZEITUNG:
Betrifft REACH alle Reifenhersteller gleichzeitig oder gibt es da Unterschiede?

Dr. Christian Leymann:
REACH betrifft alle in der EU tätigen Unternehmen gleichermaßen. Reifenhersteller, die außerhalb der EU fertigen und ihre Produkte außerhalb der EU vermarkten, sind von REACH nicht betroffen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Woher wissen der Händler und der Endverbraucher, dass ein Produkt bereits REACH-konform gefertigt wurde?

Dr. Christian Leymann:
Produkte werden von REACH, von Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich nicht geregelt. Für Einzelstoffe wird es Registriernummern geben, nicht jedoch für Produkte. Die Registriernummern der Inhaltsstoffe werden bei Erzeugnissen allerdings nicht angegeben.

NEUE REIFENZEITUNG:
Halten Sie REACH grundsätzlich für eine gute Sache? Warum war REACH offenbar notwendig geworden?

Dr. Christian Leymann:
Grundsätzlich schließt sich Continental dem Ziel an, die menschliche Gesundheit und die Umwelt besser zu schützen, indem mehr Informationen über potenzielle Risiken durch die Herstellung und Verwendung von Stoffen ermittelt werden. Ziel von REACH ist auch eine Harmonisierung von Vorschriften innerhalb der EU und die Gleichbehandlung von alten und neuen Stoffen. Ob der zu erwartende Aufwand zur Ermittlung der unter REACH erforderlichen Daten in einem vernünftigen Verhältnis zu dem erwarteten Nutzen stehen wird, bleibt abzuwarten.

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