Michelin und die „24 Stunden von Le Mans“

Am vergangenen Sonntag fand in Le Mans der abschließende offizielle Test im Vorfeld der 75. Ausgabe des weltberühmten 24-Stunden-Rennens (16./17. Juni 2007) statt. Michelin und seine Partnerteams nutzten die Gelegenheit, um die jüngsten Reifenoptionen für den Marathon auf dem 13,629 Kilometer langen „Circuit des 24 Heures“ einer finalen Belastungsprobe zu unterziehen. Die Reifenexperten aus Clermont-Ferrand möchten ihre Erfolgsgeschichte beim legendären Langstrecken-Klassiker fortsetzen und sich zum zehnten Mal in Folge in die Siegerliste eintragen. Es wäre der insgesamt 15. Michelin-Erfolg in Le Mans.

Bibendum gibt in an der Sarthe den Ton an: Insgesamt 39 der 55 für die „24 Stunden von Le Mans“ gemeldeten Fahrzeuge vertrauen auf Reifen von Michelin. Allein in der so genannten LMP1-Klasse, in der unter anderem Audi und Peugeot mit ihren Diesel-Sportwagen an den Start gehen, rüsten die Reifenexperten aus Clermont-Ferrand 14 der 16 Fahrzeuge aus. „Der Großteil der Teilnehmer entschied sich für uns als Reifenpartner, weil Michelin Pneus bekanntermaßen sehr schnell sind“, liefert Matthieu Bonardel, Leiter des Sportwagenprogramms von Michelin, eine verblüffend einfache Erklärung. „Während es früher zumeist ausreichte, ein Langstreckenrennen einfach zu beenden, um erfolgreich zu sein, gilt das heute nicht mehr. Du musst nicht nur mit großer Zuverlässigkeit, sondern gleichzeitig auch sehr schnell unterwegs sein. Es kommt darauf an, unter allen Bedingungen den optimalen Kompromiss zwischen Performance und Haltbarkeit zu finden.“

Vor diesem Hintergrund liefen die abschließenden Testfahrten am vergangenen Sonntag exakt nach Plan: Sébastien Bourdais fuhr mit dem Michelin-bereiften Peugeot 908 in 3.26,707 Minuten einen neuen Streckenrekord – drei Sekunden unter der Bestzeit aus dem Vorjahr. Der Lokalmatador – Bourdais wurde am 28. Februar 1979 in Le Mans geboren – äußerte sich anschließend begeistert über die Reifen: „Wir probierten unterschiedliche Mischungen aus und sind mit der Leistungsfähigkeit und der Haltbarkeit unter allen Bedingungen sehr zufrieden. Normalerweise gilt: Je höher die Asphalttemperatur, desto mehr Zeit verlierst du. Das ist bei den Reifen von Michelin nicht der Fall – für ein 24-Stunden-Rennen ein enormer Vorteil.“

Bonardel zog ebenfalls ein rundum positives Fazit: „Die Bedingungen am Sonntag entsprachen ziemlich genau denen, die wir während des Rennwochenendes erwarten dürfen. So konnten wir ausprobieren, welche Laufflächenmischungen sich zu welcher Tageszeit empfehlen. Unsere mittelharten und harten Mischungen funktionierten unter diesen Bedingungen hervorragend. Auch unsere Partnerteams wissen jetzt, wie sie vor allem die ,Medium’-Option optimal nutzen können, die wohl während 80 Prozent des Rennens zum Einsatz kommen wird.“ Abgeschlossen sind die Vorbereitungen aus Sicht von Michelin damit allerdings noch nicht. „Während der Qualifikationstrainings am Mittwoch und Donnerstag werden wir noch die weicheren Reifenmischungen testen, die vor allem für die kühleren Bedingungen am Abend und in der Nacht vorgesehen sind.“

Enormer logistischer Aufwand für das Mega-Event

Insgesamt 8.000 Reifen transportiert Michelin in der kommenden Woche mit 20 Sattelaufliegern nach Le Mans. „Für jedes der von uns ausgerüsteten Fahrzeuge rechnen wir mit rund 30 Sätzen Slick-Reifen“, rechnet Gérard Bombled, Einsatzleiter des Langstrecken-Engagements von Michelin, vor. Gelagert werden die Reifen in einem neuen, großzügig dimensionierten Zelt mit 800 Quadratmeter Grundfläche, das Michelin in diesem Jahr erstmals in Le Mans einsetzt. 55 Monteure sowie 28 Reifeningenieure und -techniker kümmern sich um die Belange der Partnerteams und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Hinzu kommen 15 Chemiker, Forscher und Technische Assistenten, die am Rennwochenende ebenfalls vor Ort sind und die gesammelten Daten und Erkenntnisse unmittelbar in die weitere Reifenentwicklung einfließen lassen.

Den Piloten stehen insgesamt vier verschiedene Typen Slicks zur Wahl. Neben den drei regulär während des Rennens eingesetzten („soft“, „medium“ und „hard“) hält Michelin noch eine ganz spezielle Laufflächenmischung für besonders hohe Asphalttemperaturen bereit, die üblicherweise nur während des ersten Turns zum Einsatz kommt. Das ideale Temperaturfenster eines Slicks liegt zwischen 80 und 100 Grad. Generell gilt: Je wärmer es ist, desto härter sollte die Laufflächenmischung des Reifens sein. Dank der ständigen technischen Weiterentwicklung und der Erfahrung der Techniker können die Teams heute in der Nacht bis zur vier Turns mit einem Satz Pneus absolvieren. Nur zur Erinnerung: Vier Stints à zwölf oder 13 Runden bedeuten immerhin rund 700 Kilometer oder mehr als drei Stunden Renntempo. Für die Michelin-Partner ein unschätzbarer Vorteil: In Le Mans dürfen während der Boxenstopps nicht zeitgleich die Reifen gewechselt und getankt werden. Darüber hinaus ist die Anzahl der Mechaniker und der Pressluftschrauber begrenzt, sodass immer nur zwei Pneus gleichzeitig getauscht werden können – eine Zeit raubende Angelegenheit. Die Teams gewinnen daher wertvolle Sekunden, wenn sie nicht bei jedem Halt vor ihrer Box auch neue Räder aufziehen müssen.

Neben den Trockenreifen stehen zwei verschiedene so genannte „Intermediates“ für Mischbedingungen und ein reiner Regenreifen zur Verfügung. „Bei der Entwicklung dieser Nässe-Spezialisten profitierten wir sehr von unseren seit 2004 gesammelten Erfahrungen in der europäischen und der amerikanischen Le Mans Series, wo wir häufig Regenrennen bestritten haben“, so Matthieu Bonardel. Bei Nässe können Regenreifen bis zu fünf oder gar sechs (!) Stints absolvieren, da das auf der Strecke befindliche Wasser eine Kühlfunktion übernimmt und sich die Haltbarkeit der Reifen dadurch deutlich erhöht. Sobald der Kurs jedoch abtrocknet, steigt der Verschleiß rapide an. Die optimale Arbeitstemperatur der Regenreifen, deren Lauffläche übrigens einen Negativprofilanteil von mindestens 25 Prozent aufweisen muss, liegt zwischen 40 und 50 Grad.

Qualifying-Reifen offenbaren geradezu unglaubliches Potenzial

Für die beiden Qualifikationstrainings am Mittwoch und Donnerstag der kommenden Woche haben die Piloten zudem die Wahl zwischen zwei speziellen Qualifying-Reifen. Dabei handelt es sich um einen besonders weichen Pneu, der eigentlich nur über eine fliegende Runde optimal funktioniert, und einen etwas weicheren, der durchaus auch mehrere Versuche erlaubt. „Das Potenzial eines Qualifying-Satzes optimal zu nutzen, ist eine Kunst“, verrät Bonardel. „Selbst erfahrene Piloten sind immer wieder überrascht von der Tatsache, dass sie bis zu 30 Meter später bremsen und Kurven zum Teil 20 km/h schneller durchfahren können. Das Potenzial dieser Pneus baut sich sukzessive auf, bis sie für einen bestimmten Zeitraum geradezu phänomenalen Grip bieten. Anschließend lässt die Leistungsfähigkeit schlagartig nach – so als ob der Fahrer über einen Ölfleck gefahren wäre.“

Der weichere der beiden Qualifikationsreifen wurde beim offiziellen Test am vergangenen Sonntag vom Pescarolo-Team gefahren und ermöglichte dabei einen Zeitgewinn von rund drei Sekunden pro Umlauf: „Der Pneu offenbarte zudem Potenzial für mehr als nur eine fliegende Runde“, verrät Bonardel. „Jean-Christophe Bouillon zeigte sich von der allgemeinen Performance und den enormen Seitenführungskräften begeistert.“

Derzeit analysieren Michelin-Experten am Stammsitz des Unternehmens in Clermont-Ferrand die während des Tests gesammelten Daten. „Anschließend werden wir jedem unserer 26 Partnerteams für die ,24 Stunden von Le Mans’ Empfehlungen in puncto Reifen aussprechen“, so Bonardel zum Abschluss. „Alles in allem sind wir mit unserer bisherigen Vorbereitung sehr zufrieden. Wir liegen absolut im Plan.“

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