Rallye Schweden: Mit Spike-Reifen Gripniveau wie auf Schotter

Mit hohen Erwartungen nimmt das BP Ford Werksteam die bevorstehende Rallye Schweden (8. bis 11. Februar) in Angriff, die erste von zwei unmittelbar aufeinander folgenden reinen Winterveranstaltungen. Ford-Pilot Marcus Grönholm, der im vergangenen Jahr gewann, zu den Reifen: „Auch wenn es überraschend klingen mag: Dank der speziellen Spike-Reifen unseres Partners BFGoodrich erreicht das Grip-Level annähernd das Niveau von Schotterpisten.“

Wenn die siegreichen Fahrer und Teams gefeiert werden, stehen die Reifen nur im Hintergrund – dabei gelten sie gerade bei Schneerallyes als Schlüssel zum Erfolg. Ob gefrorener Schotter, Eis oder Schnee – auf den schwedischen Waldwegen bieten die „Spikes“ unglaublichen Halt und ermöglichen Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 200 km/h und einen Schnitt von Tempo 110. Damit sich die kleinen Nägel besser in die gefrorene Fahrbahnoberfläche bohren können, kommen bei Winterrallyes vergleichsweise schmale Reifen zum Einsatz. Der Trick dabei: Durch die kleinere Auflagefläche erhöht sich das auf eine Stelle wirkende Gewicht und der Spike kann sich dank der größeren Kraft im Eis festkrallen. Durch das asymmetrische Laufflächenmuster verbessert sich die Bewegung der Spikes auf Geraden (längliche Blöcke) und in den Kurven (schräge Blöcke). Damit sich Schnee, Matsch und Dreck nicht im Reifen festsetzen, besitzen die Pneus zudem ein zu den Seiten geöffnetes Profil.

Bei der Rallye Schweden setzen alle Top-Teams auf den BFGoodrich g-Force Ice. Jeder Reifen verfügt über das maximal erlaubte Limit von 384 Wolfram-Spikes, die sich bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h 17 Mal pro Sekunde in den Boden eingraben, um dem Fahrer optimale Traktion zu liefern. Wolfram ist das härteste und schwerste Metall auf der Welt. Es schmilzt erst bei einer Temperatur von 3.410 Grad Celsius.

Da die Wolfram-Nägel ganz andere Eigenschaften besitzen als das Gummi der Lauffläche, kommt es beim Kleben vor allem auf die richtige Technik an. Um auf längeren Prüfungen eine noch bessere Haltbarkeit zu ermöglichen, setzen die Pneu-Experten aus Clermont-Ferrand seit diesem Jahr auf ein neues Verfahren. Diesen speziellen Job übernimmt die Firma Däckproffsen im Auftrag von BFGoodrich. Die schwedischen Spezialisten kleben die Spikes per Hand in die Öffnungen der Laufflächen, die in Clermont-Ferrand konstruiert und dann nach Skandinavien geschickt werden. Das Kleben eines jeden BFGoodrich g-Force Ice dauert etwa eine Stunde. Allein für die WM-Läufe in Norwegen und Schweden ließ BFGoodrich 1.998 Pneus anfertigen. Die Tests vor der Veranstaltung sind in dieser Zahl noch nicht enthalten. Die Werksmannschaft nutzten ihr erlaubtes Limit von vier Tagen für die Rallyes in Schweden und Norwegen komplett aus: Citroën und Ford reisten im Dezember gen Norden, Subaru bereitete sich Anfang Februar auf die Schnee-Events vor.

Wie bei jeder anderen Rallye gelten auch in Schweden strenge Regeln in puncto Reifen: Jedem Piloten steht lediglich eine Laufflächenmischung zur Verfügung, in diese dürfen in einem Umkreis von 30 Zentimetern höchstens 60 Spikes eingelassen werden. Die maximale Länge der einzelnen Spikes darf maximal 20 Millimeter betragen, das Gewicht nicht vier Gramm überschreiten. Wegen der möglicherweise wechselhaften Bedingungen variiert die Länge der Spikes, die aus dem Reifen herausragt, dennoch. BFGoodrich bietet den g-Force Ice in den Versionen „long stud“ mit langen Spikes für Schnee, „normal stud“ für eisige Pisten und „short stud“ für gefrorenen Schotter an. Die Spikes des „long stud“ ragen dabei einen Millimeter weiter aus der Lauffläche heraus als die des „normal stud“. So minimal dieser Unterschied klingen mag: Sébastien Loeb und Co. spüren ihn deutlich.

Für die Veranstaltung kann jeder der 16 eingeschriebenen Piloten maximal 70 Reifen nominieren, von denen er höchsten 45 einsetzen darf. In den 70 BFGoodrich g-Force Ice befinden sich im Regelfall 537 Meter Wolfram, die etwa 107 Kilogramm messen. Werden die einzelnen Spikes in einer Reihe aneinander gelegt, dann erreicht diese Kette aus Nägeln eine Länge von 8,60 Kilometern – also mehr als die vierfache Distanz der 1,9 Kilometer langen „Karlstad SuperSpecial“.

Selbst die Beschaffenheit der eisigen Fahrbahnoberfläche kann immens variieren, ähnlich wie sich die Sorten von Sand bei der „Dakar“ unterscheiden: Je nach Wetterlage bietet das Eis ein komplett anderes Gripniveau. Bei -20 Grad Celsius ist das Eis besonders hart, und die Spikes graben sich nur mit Mühe in den Boden ein. Bei -5 Grad Celsius oder gar tauendem Eis bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sieht die Lage wieder ganz anders aus, denn der Wasserfilm auf dem Eis kann sehr rutschig sein. Um seine Partner ständig mit den richtigen Informationen zu versorgen, schickt BFGoodrich eigene Beobachter an die Strecken und vertraut den Ansagen von Meteorologen. Im vergangenen Jahr bewies übrigens Marcus Grönholm bei der Reifenwahl das glücklichere Händchen: Der Finne setzte am zweiten Tag auf den BFGoodrich g-Force Ice „long stud“ und sicherte sich dadurch seinen insgesamt vierten Sieg in Schweden.

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