Trayal geht an bulgarischen Stromproduzenten

Dem Vernehmen nach wird der zweitgrößte serbische Reifenhersteller Trayal Corp. demnächst verkauft. Die Privatisierungsbehörde des Balkanstaates hatte im Mai dazu aufgerufen, Angebote für den traditionellen Staatsbetrieb abzugeben. Der bulgarische Stromproduzent Brikel EAD hat nun das höchste Angebot abgegeben und wird in Kürze in detaillierte Verhandlungen mit der Behörde eintreten, wie es in serbischen Medien heißt. Brikel habe 12,1 Millionen Euro für die Mehrheitsanteile geboten sowie Modernisierungsinvestitionen in Höhe von weiteren 25 Millionen Euro.

Serbische Medien melden zwar, die Übernahme des Reifenherstellers sei bereits perfekt und die Unterlagen unterschriftsreif. Allerdings gehen dem Abschluss noch detaillierte Verhandlungen mit der Serbischen Privatisierungsbehörde über die Konditionen der Übernahme voraus. Allerdings werden Brikel EAD gute Chancen eingeräumt, künftig Eigentümer der 76,9-prozentigen Anteile an der Trayal Corp. zu sein, die sich derzeit noch in Staatshand befinden. Bereits zu Beginn des Jahres hatte die Privatisierungsbehörde versucht, den Reifenhersteller zu veräußern, damals fand sich aber kein einziger Bieter, wie nun berichtet wird. Im aktuellen Verfahren hatte neben Brikel noch der holländische Finanzdienstleister Elcor Holding geboten, der über eine auf Zypern niedergelassene Gesellschaft (Hemslade Trading) dem serbischen Unternehmer Miroslav Miskovic gehört. Auch der Reifenhersteller Matador aus der Slowakei sowie eine bulgarische Bank hatten die Angebotsunterlagen erhalten, sich aber am Bieterwettstreit aber nicht mehr beteiligt.

Die Trayal Corp. ist gegenwärtig in drei verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv. Einerseits sind dies Gummiprodukte wie etwa Reifen verschiedener Bauart, dann Sicherheitstechnologie sowie Industriesprengstoffe und Pyrotechnik. Daneben ist Trayal noch auf anderen Gebieten wie im Einzelhandel, im Transport- oder im Hotelgewerbe aktiv. Von den 52,6 Millionen Euro, die der Staatsbetrieb im vergangenen Jahr umgesetzt hatte, gingen allerdings 80 Prozent auf Gummiprodukte bzw. Reifen zurück. Das Geschäftsfeld Gummiprodukte wiederum ist aufgeteilt in drei Produktsegmente, die in drei verschiedenen Fabriken gefertigt werden: Industriereifen, Zweiradreifen und natürlich Pkw-Reifen. Trayal hat im vergangenen Jahr etwa zwei Millionen Pkw-Reifen produziert. Das Segment Pkw-Reifen konnte in den 1970er Jahren von einer technische Kooperation mit Kleber profitieren. Seither werden Trayal-Reifen auch auf westlichen Märkten angeboten. In Deutschland wird die Reifenmarke Trayal etwa von LEKA Reifengroßhandel aus der Eifel, von Interpneu, von Gewe Reifengroßhandel oder von Delticom vermarktet, die ihre Ware allesamt über das in Frankfurt ansässige Unternehmen Cedimax beziehen. In Großbritannien wird die Marke Trayal durch den Großhändler Group Tyre (UK) Ltd. vertrieben.

Bei der Privatisierung sollen alle Unternehmensteile gemeinsam an einen neuen Eigentümer gehen, heißt es dazu in Unterlagen, die die Privatisierungsbehörde an Übernahmeinteressenten verschickt hat. Es werde dem Investor aber natürlich überlassen, nach erfolgter Übernahme die Trayal Corp. zu restrukturieren und sich von unprofitablen Bestandteilen der Gruppe zu trennen. Bereits 2001 stand Trayal kurz vor der Insolvenz. Nur durch die staatliche Intervention wurde das Unternehmen gerettet; damals verloren allerdings 2.500 Mitarbeiter ihren Job, so dass heute noch 3.500 Menschen für Trayal arbeiten.

77,6 Prozent, also gut drei Viertel des Umsatzes erzielt die Trayal Corp. mit dem Geschäftsfeld Gummiprodukte. Bei einem Jahresumsatz in Höhe von 52,6 Millionen Euro (2005) sind dies folglich 40,8 Millionen Euro, die das serbische Traditionsunternehmen heute mit Reifen umsetzt. 60 Prozent daran sind mit der Herstellung von Pkw-Reifen entstanden (24,5 Mio. Euro), weitere 31 Prozent mit Industriereifen (12,6 Mio. Euro), zu den man bei Trayal auch Nutzfahrzeugreifen zählt, und die verbleibenden neun Prozent mit Zweiradreifen/Schläuchen (3,7 Mio. Euro).

Im Geschäftsjahr 2003 hatte Trayal noch einen Umsatz von 39,2 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Jahr später waren dies bereits 51,5 Millionen Euro. Trotz dieser 31,5-prozentigen Umsatzsteigerung innerhalb eines Jahres, blieb das Unternehmen auf der operativen Seite doch relativ schwach. Während in 2003 noch eine operativer Verlust von 2,5 Millionen Euro hingenommen werden musste, waren dies in 2004 noch 1,2 Millionen – immerhin konnte Trayal Corp. seine Verluste halbieren. Im vergangenen Jahr waren dies allerdings schon wieder 3,5 Millionen Euro an operativen Verlusten. Netto ergab sich dennoch in allen drei Jahren ein Gewinn. Während dies zunächst 934.000 Euro (2003) waren, stieg der Nettogewinn später auf 1,34 Millionen Euro (2004; +43,3 %), nur um dann wieder auf 426.000 Euro zurückzufallen (2005; -68,2 %).

Die dominante Stellung des Produktsegmentes Pkw-Reifen im Unternehmen spiegelt sich auch in der Bedeutung der Marke Trayal auf dem serbischen Pkw-Reifenmarkt wider. Dort hält der zweitgrößte heimische Hersteller (nach Tigar) immerhin 23 Prozent des Marktes, heißt es dazu in staatlichen Veröffentlichungen. Gleichzeitig wird allerdings auch ein Großteil der Pkw-Reifenproduktion auf Exportmärkten wie Großbritannien, Deutschland oder Frankreich verkauft. Während Trayal insgesamt 58 Prozent seines Umsatzes auf Exportmärkten erzielt, sind dies bei Pkw-Reifen sogar 83 Prozent.

Während der vergangenen fünf Jahre hat Trayal durchschnittlich 360.000 Industrie- und Nutzfahrzeugreifen produziert, wobei der jährliche Output dabei rückläufig ist. Im Jahr 2000 beispielsweise hatte Trayal noch über 780.000 Einheiten dieser Reifen gefertigt. Dazu zählen im übrigen auch Landwirtschaftsreifen. Auch bei Zweiradreifen und Schläuchen geht die Jahresproduktion mittlerweile zurück. Im Durchschnitt wurden während der vergangenen fünf Jahre 1,5 Millionen Schläuche und 0,7 Millionen Zweiradreifen produziert. Die beiden wichtigsten Produktionsstätten liegen in den Ortschaften Dedina (Pkw-Reifen) und Parunovac (Industrie- und Nutzfahrzeugreifen) im serbischen Verwaltungsbezirk Krusevac rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Belgrad. Trayals Hauptquartier ist in der Bezirkshauptstadt Krusevac niedergelassen. Nicht weit davon entfernt liegt die Zweiradfabrik im Städtchen Cicevac.

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