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ETRMA nimmt Einfluss auf EU-Entscheidungen

Im Frühjahr hat die europäische Reifen- und Kautschuk verarbeitende Industrie einen neuen Interessenverband gegründet, die ETRMA. Als Nachfolgeorganisation des ehemaligen BLIC ist in Brüssel ansässig und kümmert sich als Branchenrepräsentant um Einfluss auf europäische Gesetzgebungen – idealerweise schon dann, wenn die politischen und administrativen Ebenen in Brüssel anfangen zu rotieren. Im Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert ETRMA-Generalsektretärin Fazilet Cinaralp die Vorteile des neuen, erweiterten Verbands, seine wesentlichen Arbeitsfelder und gibt einen Eindruck davon, wie Interessenvertretung im modernen Europa heute funktioniert.

NEUE REIFENZEITUNG:
Am 1. April wurde die „European Tyre and Rubber Manufacturers Association“ (ETRMA) gegründet. Warum war es notwendig geworden, die Kooperation europäischer Reifenhersteller in Europe zu restrukturieren, nachdem es das BLIC über mehrere Jahrzehnte gegeben hat?

Fazilet Cinaralp:
Die Europäischen Reifen- und Gummihersteller haben beschlossen, ihre europäische Struktur zu modernisieren und der Industrie die richtigen Mittel an die Hand zu geben, um die Herausforderungen auf europäischer und globaler Ebene zu meistern und um weitere Gesetzgebungsmaßnahmen und Marktentwicklungen zu antizipieren.
Die wichtigste Änderung, die wir eingeführt haben, ist die direkte Mitgliedschaft der Unternehmen sowie der neue rechtliche Status als internationaler, gemeinnütziger Verband entsprechend belgischem Recht. Dadurch können wir nun etwa an europäischen Förderprogrammen teilnehmen. Auf globaler Ebene wird dies die Stellung der europäischen Industrie stärken.

NEUE REIFENZEITUNG:
Wer sind heute die Mitglieder der ETRMA und hat sich dies im Vergleich zur bisherigen BLIC (Bureau de Liaison des Industries du Caoutchouc) geändert?

Fazilet Cinaralp:
Mitglieder der ETRMA sind die Reifenhersteller sowie Interessenverbände aus wichtigen europäischen Ländern. Als Reifenhersteller sind folgende Unternehmen Mitglied: Bridgestone Europe, Continental, Cooper Tires, Goodyear Dunlop Tires Europe, Marangoni, Michelin, Nokian Tyres, Pirelli Tyre und Vredestein. Als Verbände sind Mitglied: APIB (Portugal), Consorcio del Caucho (Spanien), Federazione Gomma Plastica (Italien), Febelplast (Belgien), NVR (Niederlande), RMAF (Finnland), SGI (Schweden), SNCP (Frankreich) und wdk (Deutschland).
Die Präsenz in der Branche innerhalb der Europäischen Union ändert sich regelmäßig; heute gehören dazu 4.200 Produktionsstätten, in denen 360.000 Menschen arbeiten. Die Branche erzeugt einen Umsatz in Höhe von 42 Milliarden Euro. Dies sind 0,5 Prozent des EU-Bruttoinlandsproduktes. Acht dieser europäischen Unternehmen gehören zu Top-20 der weltweiten Gummibranche.
Im Vergleich zum BLIC ist die direkte Mitgliedschaft der Unternehmen sicherlich eine Verstärkung für die Repräsentation der Reifenhersteller, indem sie sichtbarer werden und somit stärker zu den politischen Debatten der EU-Institutionen beitragen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Warum sind nicht alle europäischen Reifenhersteller Mitglied in der neuen ETRMA – Matador zum Beispiel?

Fazilet Cinaralp:
Die Mitgliedschaft ist offen für jeden Reifenhersteller in Europa, der die Beitrittskriterien erfüllt. Ich freue mich hier ankündigen zu können, dass Trelleborg Wheel Systems ab 2007 ETRMA-Mitglied sein wird.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was sind die Dienstleistungen, die Sie den Reifenherstellern unter Ihren Mitgliedern bieten?

Fazilet Cinaralp:
Die allererste Aufgabe des Verbands ist es, die Interessen der Reifen- und allgemeinen Gummibranche bei staatlichen- und/oder zwischenstaatlichen Einrichtungen auf europäischer und internationaler Ebene in Zusammenarbeit mit den relevanten regionalen, nationalen und internationalen Reifen- und Gummi verarbeitenden Verbänden zu vertreten. In diesem Zusammenhang trägt die ETRMA etwa zur Entwicklung von Gesetzgebungen bei, die die Branche unter Umständen allgemein beeinflussen könnten, etwa in Sachen Umwelt, Gesundheit, Sicherheit, Straßentransport, Handelserleichterungen, etc. Dabei soll die Wettbewerbsfähigkeit der Branche gesichert werden. Meine Aufgabe als Generalsekretärin ist es dabei, die Prioritäten der Europäischen Kommission vorherzusehen und möglichst frühzeitig den Input der Industrie bereitzustellen, damit dieser bei einer möglichen Gesetzgebung Betracht findet. Eine nach oben gerichtete Koordination der Industrieexperten in betreffenden Gruppen ist folglich zentral dafür, diese Aufgabe vernünftig zu erfüllen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Wie jede andere Interessenvertretung auch, verfolgt die ETRMA sicherlich die politischen und ökonomischen Zielsetzungen ihrer Mitglieder. Was sind diese Ziele und wie erreichen Sie sie?

Fazilet Cinaralp:
Die europäischen Reifenhersteller und Gummi verarbeitenden Betriebe operieren in einer herausfordernden politischen und wirtschaftlichen Umwelt. Ihr wichtigstes Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit abzusichern, was bedeutet: sie bleiben wichtige Arbeitgeber, Hersteller und Investoren in Europa, während sie internationale Geschäfte machen.
Heute ist der Markt hauptsächlich durch einen harten Wettbewerb, zunehmende Gesetzgebungen auf verschiedenen Ebenen sowie große technische Schranken beim Handel mit China und Indien charakterisiert. Bei einem Teil unserer Zielsetzungen geht es um eben diese Einschränkungen, um die wir uns kümmern müssen. Dies gelingt etwa durch eine starke Kooperation unter unseren Mitgliedern parallel zu einem regulären und konstruktiven Dialog mit den Institutionen der Europäischen Union wie der Kommission, dem Parlament und den Mitgliedstaaten.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was sind denn gegenwärtig die wichtigsten Themenfelder, um die sich Ihr Verband im Namen seiner Mitglieder kümmert.

Fazilet Cinaralp:
Unsere Tagesordnung ist natürlich immer ziemlich voll! Im Augenblick sind aber wichtige Gesetzgebungen im Gange und in der Diskussion. Dazu gehören etwa die Neuordnung der EU-Chemikalienpolitik durch REACH, was zunehmende Anforderungen für die nachfolgenden Nutzer aus der Reifen- und Gummi verarbeitenden Industrie schafft, die Energieeffizienz im Transportwesen, das Management von Altprodukten wie Altreifen, die Erleichterung der Handelsbeziehungen mit den Wachstumsmärkten, etc.
Darüber hinaus ist der richtige Reifenluftdruck ein Thema. Da Reifen die einzige Kontaktfläche zwischen Fahrzeug und Fahrbahn sind, trägt dieses Thema zum Ziel der Europäischen Kommission bei, die Sicherheit auf unseren Straßen zu erhöhen. In diesem Zusammenhang sind zusätzliche Maßnahmen von allen Beteiligten notwendig, um das Bewusstsein der Autofahrer zu erhöhen.
Wie Sie sehen, gibt es zahlreichen Themenfelder auf der Agenda der ETRMA. Dies unterstreicht die Bedeutung Europas im globalen Zusammenhang und zeigt die Dynamik der Reifenindustrie, der es gelungen ist, bereits proaktiv die richtigen Maßnahmen zu entwickeln, mit denen man diesen Herausforderungen begegnen kann.

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