Michelin-Quartalsergebnis mit Licht und Schatten

Bei den Analysten wurde das Ergebnis des dritten Quartals der Compagnie Générale d. Etablissements Michelin unterschiedlich bewertet. Für beispielsweise Morgan Stanley sind die Gewinnprognosen Michelins eher „konservativ“, die Hypo-Vereinsbank gab hingegen zu bedenken, dass es Michelin „als Markt- und in vielen Kategorien auch Preisführer schwer falle, Preiserhöhungen ohne Mengeneffekte durchzusetzen“. Auch der Aktienkurs ließ keine eindeutige Antwort auf die Frage zu, ob die Michelin-Zahlen eher mit „ziemlich gut“ (Deutsche Bank) zu bewerten seien oder „sich die Begeisterung in sehr engen Grenzen“ gehalten habe (wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt): Der Kurs notierte in relativ kurzer Zeit mal im Plus und mal im Minus.

Das mag denn auch Spiegelbild der detaillierteren Zahlen sein, die Michelin vorgelegt hat, denn da liegen gute und schlechte Nachrichten dicht beieinander. Der Managing Partner und CEO des französischen Unternehmens Michel Rollier hatte unlängst angemerkt, dass Michelin „den Wettbewerbern sehr hinterherhinke“ und daher die Produktivität steigern müsse; bis 2010 soll die Produktivität um 30 Prozent gesteigert werden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erinnerte an das Ziel für 2010, das noch der im Mai tödlich verunglückte Unternehmenslenker Edouard Michelin ausgegeben hatte: eine Vorsteuerrendite von zehn und eine Steigerung des Jahresumsatzes von 3,5 Prozent.

Das Pkw-Reifen-Segment

Bei Pkw-/LLkw-Reifen (siehe zu den genauen Zahlen die Schaubilder) war der Erstausrüstungsmarkt in Europa, Nordamerika und Afrika/Mittlerer Osten rückläufig, positive Impulse kamen aus den derzeitigen Wachstumsregionen Asien und Südamerika. Im Ersatzgeschäft waren die Regionen Europa, Afrika/Mittlerer Osten und Asien im Plus, Nord- und Südamerika im Minus.

Michelin konnte den Umsatz im Pkw-/LLkw-Segment gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 2,219 Milliarden Euro steigern. Dabei hat das Unternehmen nach eigenen Angaben im europäischen Ersatzmarkt mit den drei Hauptmarken (flagship brands) Michelin, BFGoodrich und Kleber Marktanteile gewonnen und konnte auch das Produktmix hin zu High-Performance-, Winter- und SUV-/4×4-Reifen verbessern. Im Erstausrüstungsgeschäft Europas hat Michelin verloren, was mit einem ungünstigen OEM-Mix erklärt wird. Im nordamerikanischen Ersatzmarkt hat die Michelin-Gruppe ebenfalls Anteile eingebüßt, weil sich das Unternehmen weiterhin aus dem Sektor der Private und Associate Brands zurückzieht. Die Hauptmarken (Michelin, BFGoodrich und Uniroyal) legten hingegen über dem Markt zu, was auch in dem Zusammenhang von Bedeutung ist, dass das Produktmix (hin zu V/Z-Reifen) verbessert wird. Im Erstausrüstungsgeschäft in Nordamerika ist Michelin durch den Markteinbruch bei SUVs und Freizeitfahrzeugen überdurchschnittlich betroffen. In Asien – vor allem in China – habe man im Ersatzmarkt signifikant Marktanteile gewonnen, was auf die Entwicklung des „Tire Plus“-Netzwerkes zurückgeführt wird. Die gute Nachricht aus Südamerika: In Brasilien hat Michelin bei Pkw-Reifen im dritten Quartal Marktanteile gewonnen, auf dem amerikanischen Subkontinent in den ersten neun Monaten aber insgesamt Anteile verloren.

Das Lkw-Reifen-Segment

Bei Lkw-Reifen entwickelten sich die weltweiten Erstausrüstungsmärkte bis auf Südamerika äußerst erfreulich: Europa, Nordamerika, Asien und Afrika hatten jeweils im Quartal zweistellige Steigerungsraten. Das gilt für Asien und Südamerika im dritten Quartal auch in den Ersatzmärkten, positiv auch Europa und Afrika/Mittlerer Osten, im Minus der US-Ersatzmarkt.

In West- wie Osteuropa hat Michelin im Ersatzgeschäft Marktanteile hinzugewonnen und das Geschäft bleibt trotz am 1. August erfolgter Preiserhöhungen stark, auch der Bereich Remix (Heißrunderneuerungen) entwickle sich gut. Das Erstausrüstungsgeschäft verlief im dritten Quartal insgesamt auch für Michelin sehr lebhaft, ist aber vor dem Hintergrund zu sehen, dass das Unternehmen bemüht ist, seine teilweise extrem hohen Anteile in diesem Bereich verringern zu wollen vor dem Hintergrund, dass im Ersatzmarkt bessere Margen erzielt werden können. Michelin weist in dem Quartalsbericht explizit darauf hin, bei Trailern (dort war die Marktbedeutung bislang unterproportional) deutlich dazugewonnen zu haben. In einem signifikant rückläufigen US-Lkw-Reifenersatzmarkt hat Michelin Marktanteile gewinnen können. Der in Europa „etwas auf der Stelle tretende“ Superbreitreifen X One bewährt sich in den USA bei bestimmten Einsatzarten (Müll- und Zementfahrzeuge), die neue Technologie für Lkw-Reifen „Durable“ steht jetzt auch den US-Flotten zur Verfügung. Das Erstausrüstungsgeschäft entspreche, heißt es bei Michelin, den eigenen Vorstellungen. In Asien und speziell in China hat Michelin große Wachstumsraten verbunden mit Marktanteilsgewinnen vorzuweisen – außer in der Region Australien/Neuseeland. Im südamerikanischen Markt ist die Entwicklung uneinheitlich, in den spanisch sprechenden Ländern gewinne man Anteile, in Brasilien leide man unter hartem Wettbewerb durch asiatische Importe.

Sonstige Aktivitäten

Der weltweite Markt im Bereich Baumaschinenreifen ist vor allem aufgrund der Rohmaterialnachfrage aus China, Indien und anderen sich schnell entwickelnden Ländern förmlich aus den Fugen geraten und boomt. Im Agrarreifenmarkt sieht Michelin keine positiven Impulse, in Nordamerika und Europa verzeichnet Michelin einen fünfprozentigen Marktrückgang in der Erstausrüstung. Der Markt für Zweiradreifen sei weiterhin „rege“ mit einem Plus von fünf Prozent in Nordamerika und drei Prozent in Europa. Die Dynamik des Flugzeugreifenmarktes nimmt nicht ab und wird getrieben vom Wechsel von Diagonal- auf Radialreifen.

Der EM-Reifenmarkt wird durch den anhaltenden Boom in Bergwerken, Steinbrüchen und Häfen unterstützt und getrieben von einer starken Nachfrage durch die Erstausrüstung; die Umsatzzahlen Michelins in diesem Segment sind deutlich gewachsen. Der Volumenabsatz von Michelin-Reifen im landwirtschaftlichen Sektor entspricht der Marktentwicklung, im europäischen Ersatzmarkt habe man hingegen Marktanteile gewonnen aufgrund der Partnerschaftspolitik mit den Distributeuren; auch auf den positiven Preismix weist Michelin hin. Der Zweiradreifenmarkt sei sehr wettbewerbsintensiv und erhält für Michelin Schwung durch die starke Nachfrage für Radialreifen. Der schnelle Wandel des Flugzeugreifenmarktes hin zu Radialreifen kommt Michelin ebenfalls entgegen.

Ein Ausblick

In den „gesättigten Märkten“ – also vor allem Europa und Nordamerika – erwartet Michelin in der Erstausrüstung einen leichten Marktrückgang für das Gesamtjahr 2006 von etwas mehr als einem Prozent bei Pkw-Reifen, während Südamerika und Asien mit einem satten Plus von jeweils gut neun Prozent rechnen können. Ebenso satte Zuwachsraten verspricht auch die Erstausrüstung bei Lkw-Reifen, in Asien sogar zweistellig, außer in Südamerika.

Insgesamt rechnet Michelin für das Gesamtjahr 2006 auch in allen weltweiten Ersatzmärkten mit Marktwachstum, außer in Nordamerika, wo sowohl für den Pkw- wie für den Lkw-Reifenmarkt mit einem Minus von zwischen 3,5 und vier Prozent auszugehen ist. Für Europa prognostiziert Michelin einen dynamischen Winterreifenmarkt.

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