Wie vorbereitet ist Goodyear auf einen Streik?

Der Streik in den amerikanischen und kanadischen Goodyear-Werken läuft bereits seit dem 5. Oktober. Bisher haben sich die Tarifparteien noch nicht wieder an den Verhandlungstisch gesetzt, bestätigt ein Sprecher des Reifenherstellers, es gebe auch noch keinen neuen Gesprächstermin. Goodyear hält seine Produktionsstätten derzeit mit einer Notbesetzung aus Streikbrechern und Management in Betrieb und bedient darüber hinaus seine Kunden aus den umfangreichen Lagerbeständen. Analystenberichten zufolge habe Goodyear in Nordamerika Ware für 21 Tage auf Lager, so die Deutsche Bank. Der Hersteller hat offensichtlich bereits vorproduziert und sich somit auf die Eventualität des sich anbahnenden Streiks vorbereitet.

Welche Kosten der Streik dennoch verursacht, darüber gibt es unterschiedliche Äußerungen. So oder so, es wird allgemein angenommen, dass der Streik für die Gewinnsituation des Reifenherstellers negative Auswirkungen haben wird, denn niemand glaubt, dass das jetzt einsetzende „Notfallprogramm“ in den Fabriken den entstehenden Schaden kompensieren kann; er könne bestenfalls „minimiert“ werden, so etwa ein Analyst von Merrill Lynch. Dieser Meinung ist man auch bei der Deutschen Bank, die die täglich entstehenden Kosten mit fünf bis sechs Millionen Dollar beziffert. Andere Quellen nennen zwei Millionen Dollar. Die Liquidität sei derzeit aber im Stande, den Reifenhersteller auch über einen längeren Streik hinweg zu helfen, heißt es bei der Deutschen Bank weiter, auch über 21 Tage hinaus. Man müsse sich allerdings Gedanken über Marktanteilsverluste machen. An anderer Stelle werden die täglichen Umsatzeinbußen etwa mit rund 38 Millionen Dollar beziffert.

Einer der Streitpunkte ist nach wie vor die Schließung von Produktionsstätten in Nordamerika, wie vom Reifenhersteller gefordert. Die Fabriken in Gadsen (Alabama) und in Tyler (Texas) werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Durch die Schließung einer dieser beiden Fabriken könne Goodyear allein jährlich rund 50 Millionen Dollar einsparen, rechnen Analysten nach, und relativieren damit die täglichen Kosten eines Streiks. Gewerkschaft und Arbeitgeber richten sich unterdessen ganz offensichtlich auf einen langen Streik ein.

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