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NDI: Von umgesetzten und neuen Plänen

Für den dänischen Reifengroßhändler und Retailer Nordisk Dæk Import A/S (NDI) und dessen deutsche Tochtergesellschaft NDI Reifen Hanse GmbH war das zurückliegende Geschäftsjahr ein überaus bedeutendes. Einerseits konnte Firmengründer und Unternehmenspräsident Benny Kristensen den Umsatz der Gruppe durch Akquisitionen und organisches Wachstum um 18,4 Prozent steigern. Andererseits hat NDI gerade für den so vielversprechenden deutschen Markt einige Entscheidungen getroffen, die einer langfristigen und erfolgreichen Etablierung des skandinavischen Unternehmens hierzulande helfen sollten.

Ende 2003 traf man in der Konzernzentrale im dänischen Brørup die Entscheidung, sich künftig stärker dem deutschen Markt zu widmen und dort einen eigenen Großhandelsbetrieb aufzubauen. Der langjährige Bridgestone-Mitarbeiter Michael Jörgensen übernahm die Niederlassung in Henstedt-Ulzburg nördlich von Hamburg, die seither unter NDI Reifen Hanse GmbH firmiert. Bereits ein gutes halbes Jahr später eröffnete man in Dortmund eine zweite Niederlassung und folgte damit dem vermeintlichen erfolgreichen Beispiel in Dänemark, wo neun Großhandelsniederlassungen betrieben werden. Der Unterschied war nur: Das Beispiel ließ sich nicht ohne Weiteres übertragen. Bereits ein gutes Jahr nach Eröffnung der zweiten Niederlassung zog man einen Schlussstrich unter das verlustreiche Projekt, das eigentlich als Profit-Center vorgesehen war.

Diese strategische Entscheidung habe sehr dabei geholfen, so Michael Jörgensen, Geschäftsführer der NDI Reifen Hanse GmbH in Henstedt-Ulzburg, das deutsche Unternehmen wieder zurück auf Kurs zu bringen und die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Wachstum auf dem hiesigen Markt zu schaffen. Die Gründe für die Schließung des Standortes Dortmund (der seit einiger Zeit vom Reifengroßhändler Tyre World GmbH genutzt wird) seien vielschichtig, so Jörgensen im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, ohne dass er näher darauf eingehen möchte. Jedenfalls sei die Idee mittlerweile Geschichte, das in Dänemark funktionierende Konzept auf Deutschland übertragen zu wollen. Statt an der Anzahl der Niederlassungen, wolle man sich künftig gänzlich der einen Niederlassung nördlich von Hamburg widmen und diese fest in der deutschen Großhandelslandschaft etablieren.

Zu diesem Zweck hat die NDI-Gruppe umfangreiche Veränderungen vorgenommen und wird diese auch weiterhin vornehmen. Einerseits, so Michael Jörgensen, werde gegenwärtig das verfügbare Produktsortiment deutlich erweitert. Andererseits ist seit kurzem ein neuer Web-Shop online, dessen umfangreiche Features den Bestellvorgang deutlich vereinfachen sollen und darüber hinaus noch Zusatzinformationen rund um das Thema Reifen und Räder bieten.

Seit Gründung der deutschen Gesellschaft vor knapp drei Jahren hat sich NDI auf den Großhandel mit Pkw-Reifen und gelegentlich Felgen konzentriert. Dieses Sortiment wird jetzt umfassend erweitert. So werden noch im laufenden Jahr Lkw- und Landwirtschaftsreifen ins Portfolio aufgenommen, erläutert der Geschäftsführer die Pläne. Vor kurzem wurden bereits Klein-, Industrie- und Motorradreifen sowie Schläuche ins Sortiment aufgenommen. Bei Lkw-Reifen wolle man zunächst drei Fabrikate anbieten, Pirelli im Premiumsegment, Kumho im Standardsegment sowie eine weitere, noch nicht benannte Marke für das Budgetsegment, die höchstwahrscheinlich von einem asiatischen Hersteller stammen wird. Gerade im Budgetsegment erwartet Jörgensen „nennenswerte Umsätze“; außerdem seien in diesem Segment die höchsten Margen im Großhandel möglich. Runderneuerte Lkw-Reifen werde man nicht vertreiben, obwohl Nordisk Dæk in Dänemark einen eigenen Runderneuerungsbetrieb betreibt (Euroband A/S). Auch Landwirtschaftsreifen werde NDI noch in diesem Jahr ins Sortiment aufnehmen. Hier habe Nordisk Dæk als skandinavischer Marktführer reichlich Erfahrung und gute Verbindungen zu Lieferanten. Darüber hinaus rechnet man sich in Henstedt-Ulzburg zusätzliche Umsätze mit den Kunden für Landwirtschaftsreifen aus, gerade was die lukrativen Kleinreifen und Schläuche betrifft. EM-Reifen werden hingegen zu einem späteren Zeitpunkt ins Sortiment aufgenommen. Der gegenwärtige Nachfrageüberhang bei EM-Reifen machen einen Einstieg hier nicht gerade leicht, so der NDI-Geschäftsführer weiter.

All diese Schwerreifen sollen hauptsächlich im regionalen, norddeutschen Umfeld vermarktet werden, so Michael Jörgensen. Diese Einschränkungen seien in der Natur der Sache begründet – ein bundesweiter Großhandel mit Schwerreifen sei logistisch eine zu große Herausforderung.

Dass eine solche Sortimentserweiterung notwendig ist, davon ist Michael Jörgensen überzeugt. Die heutige Transparenz der Märkte durch all die Online-Plattformen, Web-Shops und Internetauktionshäuser gerade bei Pkw-Reifen mache es heute schwierig, sich vom Wettbewerb abzusetzen. „Logistik kann heute jeder“, gibt Jörgensen zu bedenken. Ein (Groß-)Händler könne folglich nur noch über den Preis den Unterschied machen, was natürlich zu einem zumeist ruinösen Wettbewerb führe. Und irgendwann werde man dann „rechts vom Markt überholt, kann nur noch reagieren und nicht mehr agieren“. Um die Zügel des eigenen Unternehmens weiterhin fest in den Händen halten zu können, sei eine Erweiterung des Produktangebots notwenig. Gerade Nischenprodukte schützten vor den Auswirkungen der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ der Verbraucher; in der Nische könne man sich absetzen.

Die zweite wesentliche Veränderung, die die NDI Reifen Hanse jetzt vorgenommen hat, um auch zukünftig weiter zu wachsen, ist die Einrichtung eines umfangreichen Web-Shops, der unter www.ndi-reifen.de für registrierte Händler zu erreichen ist. Das „Projekt Web-Shop“ habe NDI und die externen Computer-Experten wenigstens ein halbes Jahr in Beschlag genommen. Seit Juni ist der neue Web-Shop nun online und Jörgensen hofft, dass sich die Quote von rund 60 Prozent des Umsatzes, die auf elektronischem Wege erzielt werden, bald steigern lassen wird. In jedem Fall besteche der neue Shop durch zahlreiche, zusätzliche Funktionalitäten, einer einfacheren Bedienbarkeit und – natürlich – das erweiterte Produktsortiment. So können Nutzer etwa von einer „intelligenten Suchfunktion“ profitieren oder ihr eigenes Kalkulationsschema für alle Produktbereiche hinterlegen. Des Weiteren können eigene Preislisten für Ein- und Verkaufspreise generiert werden, die – je nachdem – auch für das Beratungsgespräch mit dem Verbraucher genutzt werden können. Es kann zwischen verschiedenen Ansichten gewechselt werden: Der Kunde am Tresen bekommt dann neben einem für ihn gültigen Verkaufspreis (der EK-Preis des Händlers wird ausgeblendet) noch eine Abbildung des betreffenden Reifens präsentiert, was im professionellen Umgang zwischen Händler und Großhändler natürlich nicht nötig ist. Mit dem neuen Web-Shop können Sendungen online verfolgt, Warenkörbe angelegt und Unterlagen (Gutachten, Reklamationsformulare und sogar Motorsportdaten) heruntergeladen werden. Selbst Abrechnungsmöglichkeiten für das Flotten- und Leasinggeschäft sind hinterlegt, so Jörgensen weiter. Der neue Web-Shop kann also als umfangreiches Kundenberatungs-, Bestell- und Informationsmedium genutzt werden. Für die Nutzung des Web-Shops bietet NDI Reifen Hanse seinen registrierten Kunden einen so genannten Internetbonus auf die Rechnung.

Die deutsche Niederlassung wird sich laut Michael Jörgensen nicht lange auf dem bisher Erreichten ausruhen, obwohl man das Geschäft zunächst einmal „konsolidieren und stabilisieren“ wolle, nach all den Veränderungen im vergangenen Jahr. Dennoch trage man sich für das kommende Geschäftsjahr 2007/2008 (das abweichende Geschäftsjahr bei NDI Reifen Hanse läuft von Juli bis Juni) mit weiteren, weitreichenden Veränderungen, die nun das Geschäftsmodell selbst betreffen.

Es „wäre denkbar“, so Jörgensen im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, dass NDI ab dem kommenden Jahr in Deutschland ein eigenes Franchise-System etablieren wird. In Norwegen und Schweden ist Nordisk Dæk mit seinen rund 300 Partnern im Franchise-System Super Dekk Service (Norwegen) bzw. Super Däck Service (Schweden) bereits überaus erfolgreich. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen in Dänemark eigenes Filialnetz mit 45 Retail-Outlets (Super Dæk Service). Ein entsprechendes Franchise-System in Deutschland könnte ein nützliches Instrument zur Kundenbindung sein, ist der NDI-Geschäftsführer überzeugt: „Wir verfügen hier über einschlägige Erfahrungen aus dem skandinavischen Raum.“ Die Details des Konzeptes müssten freilich noch festgelegt werden, insbesondere wer die möglichen Franchise-Nehmer sein könnten. Die deutsche Händlerschaft sei zwar schon weitestgehend verteilt, dennoch sieht Jörgensen für den hiesigen Markt noch Potenzial. Es gebe noch ausreichend, gerade kleinere Reifenfachhandelsbetriebe, denen die Zentralisierung gewisser Aufgaben (etwa Marketing, Einkauf, etc.) unter dem Dach eines Franchise-Systems helfen sollte. Bevor eine Entscheidung über die Einführung eines deutschen Franchise-Systems getroffen wird, seien jedenfalls noch „professionelle und strategische Planungen“ notwendig; es stehe nicht zu erwarten, dass die Konzernleitung in Dänemark das skandinavische Franchise-Konzept einfach 1:1 auf den deutschen Markt übertragen werde.

Die Unternehmensgruppe um die Nordisk Dæk Import A/S aus Brørup hat sich im vergangenen Jahr – wie die deutsche Tochter – deutlich entwickelt. Einer aktuellen Unternehmensveröffentlichung ist zu entnehmen, dass die Umsätze von 2004 auf 2005 um 18,4 Prozent auf jetzt 151,1 Millionen Euro gestiegen sind. Die NDI Reifen Hanse GmbH hat dazu rund zehn Millionen Euro beigetragen. Jörgensen: „Wir wachsen auch hier sehr kontinuierlich“ im zweistelligen Bereich, was Jörgensen unter anderm auch auf die langjährigen Erfahrungen seiner 14 festen Mitarbeiter zurückführt. Erst zum 1. Juli dieses Jahres hat die NDI Reifen Hanse GmbH eine Kapitalerhöhung auf 2,6 Millionen Euro vorgenommen. Im Jahr zuvor hatte die NDI-Gruppe ihren Umsatz um 14,6 Prozent steigern können. Der Vorsteuergewinn lag in 2005 bei 5,4 Millionen Euro, dies entspricht einer Steigerung von 54,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem der Gewinn noch bei 3,5 Millionen Euro lag. Das Unternehmen mit insgesamt 651 Mitarbeitern hat in 2005 9,5 Millionen Euro investiert, heißt es weiter in der Veröffentlichung.

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