Dattilo hat „Straße zur Profitabilität“ verpasst

Nachdem sich die erste Aufregung um den Rücktritt des Cooper-Chefs Thomas A. Dattilo (55) gelegt hat, wird jetzt heftig über die Beweggründe des Reifenmanagers spekuliert, der sich selber weiterhin nicht zu Wort meldet. Dabei werfen Analysten – und wohl auch der Cooper-Vorstand, der „Shareholder Value“ zum höchsten Gut erklärt hat – Dattilo die schlechte Entwicklung des Aktienkurses vor. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate fiel der Kurs von damals gut 18 US-Dollar auf jetzt unter zehn Dollar. Der Börsenwert des Reifenherstellers hat sich also im letzten Dattilo-Jahr auf gut 560 Millionen Dollar halbiert.

Allein in diesem Jahr hat der Börsenkurs bereits 40 Prozent eingebüßt. Dabei haben die letzten 18 Monate nicht gerade unter einem guten Stern gestanden, trotz Umsatzzuwächse von über 20 Prozent. Thomas Dattilo musste sich mit streikenden Arbeitern, einer deutlich sinkenden Nachfrage in den USA und stark steigenden Rohstoffkosten herumschlagen. Dabei konnte der bisherige Chairman, President und CEO seine ersten vier kompletten Geschäftsjahre bei Cooper Tire & Rubber (2001-2004) als durchaus erfolgreich bezeichnen. Im vergangenen Jahr brachen dann allerdings die Gewinne ein und Dattilo schloss das Geschäftsjahr mit einem Verlust in Höhe von 9,36 Millionen Dollar ab. Lediglich das erste Quartal 2005 konnte noch mit einem positiven Net Income abgeschlossen werden. Seither musste der Cooper-Boss jedes Quartal wieder Verluste in Millionenhöhe erklären. Mit der Vervierfachung der Verluste im aktuellen Berichtsquartal von 5,2 Millionen (1. Quartal) auf jetzt 20,7 Millionen schien das Ende für Dattilo besiegelt, dem es offensichtlich nicht gelungen war, sich gewissen aktuellen Marktentwicklungen erfolgreich entgegenzustellen.

„Die Performance des Unternehmens ist bereits seit einiger Zeit schwach“, zitiert Bloomberg einen Analysten von Standard & Poor’s. „Das zweite Quartal [2006] ist Beweis dafür, dass dies ein weiteres hartes Jahr wird.“ Im zweiten Quartal musste Cooper aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen in Nordamerika sogar die Produktion im Werk Texarkana für ganze zwei Wochen stoppen, um Lagerbestände abzubauen. Insgesamt habe man die Produktion um rund eine Million Einheiten verringert. Der Reifenhersteller versucht derzeit, insbesondere mit höherpreisigen Reifen aus dem UHP- und SUV-Segment erfolgreich am Markt zu agieren. Dies, so wird kolportiert, solle sich in der zweiten Jahreshälfte positiv auf die Kennzahlen auswirken.

Ein Analyst von JP Morgan Securities Inc. hat Cooper nun sogar zum möglichen Übernahmekandidaten erklärt. Der Abgang des CEOs, der 1999 zum Reifenhersteller kam und dort ab 2000 an der Konzernspitze agierte, wird im Amerika als „Signal“ für eine „geänderte Unternehmensstrategie“ interpretiert. Genannt werden als mögliche Käufer nicht-amerikanische Reifenhersteller oder Private Equity Firms, also Beteiligungsgesellschaften. Coopers Interimschef Byron O. Pond betont allerdings, es gebe keine Pläne, das Unternehmen zu verkaufen. CFO Phil Weaver ergänzt, es gebe ebenfalls keine Pläne, das Unternehmen von der Börse zu nehmen und zu privatisieren.

Laut Byron O. Pond habe man einen „Spielplan, um voranzukommen und das Unternehmen zurück auf die Straße zur Profitabilität bringen“. Ratingexperten stellen allerdings fest, dass Coopers Bonität derzeit auf dem Tiefstpunkt der vergangenen drei Jahre angekommen ist. Dies erhöht natürlich die Zahlungen, die Cooper dem Kapitalmarkt schuldet.

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