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Reifen Kurz AG stellt Weichen auf Wachstum

Mit der Gründung einer so genannten kleinen Aktiengesellschaft zum 1. Januar 2006 fand die organisatorische Umgestaltung bei Reifen Kurz im schwäbischen Wendlingen ihren vorläufigen Höhepunkt. In Zukunft sollen Prozesse – hier insbesondere die Logistik – sowie das Exportgeschäft forciert werden, sagt Udo Blank, Vorstand der Reifen Kurz AG und gemeinsam mit Vorstand Thomas Auch Gesellschafter der Unternehmung. Reifen Kurz handelt und entsorgt pro Jahr zwischen 700.000 und 800.000 Reifen.

Bis zur Gründung der Reifen Kurz AG hatte das Unternehmen eigentlich bereits eine 50-jährige Geschichte hinter sich. 1955 gründeten die Brüder Karl und Josef Kurz in Altusried/Allgäu ihren Karkassen- und Gebrauchtreifenhandel. Aus ihm wurde dann im Laufe der Jahre die Kurz Karkassenhandel GmbH (Karl Kurz; Landau/Pfalz), die Kurz Reifenhandelsgesellschaft mbH (Josef Kurz; Riedstadt-Goddelau) sowie die Reifen Kurz GmbH (Karl Kurz; Wendlingen und Ötlingen). Die Reifen Kurz GmbH wurde dann zum 1. Januar 2004 durch den Entsorgungsexperten Thomas Auch als zunächst alleiniger geschäftsführender Gesellschafter übernommen. Später – zum 1. Oktober 2005 – holte Auch dann den gelernten Steuerberater Udo Blank als Finanzfachmann mit ins Boot, so dass ab da beide gemeinsam den Karkassen- und Gebrauchreifenhandel von Karl Kurz in Wendlingen und Ötlingen fortführten. Karl Kurz hingegen konzentriert sich mittlerweile auf das Recyceln von Altreifen im 130 Kilometer entfernten Landau.

Seit der Übernahme des Karkassen- und Gebrauchreifenhandels der Reifen Kurz GmbH durch Thomas Auch und Udo Blank haben beide Unternehmer im vergangenen Jahr noch den niederösterreichischen Karkassenhändler KARGE Karkassen & Reifenhandel GmbH (Seibersdorf/Wien) sowie die deutsche PneuRec GmbH Gummi- und Altreifenverwertung im schwäbischen Holzmaden übernommen. All dies gemeinsam ist zum 1. Januar zur Reifen Kurz AG verschmolzen, erläutert Udo Blank in einem Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG.

Man hatte sich für die Rechtsform einer (kleinen) Aktiengesellschaft entschieden, so Blank, da sie international bekannter und flexibler sei als die einer GmbH. Außerdem eigne sich eine Aktiengesellschaft insbesondere für mittelständische Unternehmen gerade dann, wenn Mitarbeiterbeteiligungsmodelle eingeführt werden sollen. Dies, so Blank weiter, solle künftig geschehen. Die Gründung einer AG sei zwar mit einem höhere organisatorischen (drei Gremien Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung; notarielle Beurkundung) wie auch finanziellen Aufwand (Mindestkapital, Gründungsprozedere) behaftet, dafür seien aber „die gesamten Rahmenbedingungen auch für den Mittelstand sehr interessant“, so der ehemalige selbstständige Steuerberater, der im nahen Filderstadt seine Kanzlei hatte. So habe man etwa drei namhafte, externe Fachleute, die im internationalen Marketing und Vertrieb zu Hause sind, für die Besetzung des Aufsichtsrates gewinnen können. Gerade diese seien eine ideale Ergänzung für das Know-how der beiden Vorstände sowie der restlichen Mitarbeiter. Insgesamt und langfristig berge die Rechtsform einer Aktiengesellschaft mehr Vorteile als Nachteile, gerade was die vielfältigen Instrumente zur Kapitalbeschaffung anlangt; ein Börsengang sei allerdings nicht in Sicht, bescheinigt Udo Blank. „Die AG hilft uns sehr beim Wachsen.“

Für das erste Jahr der Aktiengesellschaft rechnet der Finanzexperte Blank mit einem Umsatz von bis zu vier Millionen Euro, wovon 60 Prozent mit Lkw- und 40 Prozent mit Pkw-Reifen erzielt werden. Pro Jahr sammelt die Reifen Kurz AG etwa 70.000 bis 80.000 Lkw- sowie 600.000 bis 700.000 Pkw-Reifen ein. Das schwäbische Unternehmen entsorgt etwa Euromaster in Baden-Würtemberg sowie andere namhafte Reifenhandelsbetriebe in Süddeutschland und hat dafür etwa 80 eigene Container im Umlauf. Vier von fünf eingesammelten Reifen taugen indes nicht zur Weiterverwendung als Reifen, so Blank, und müssen folglich als Altreifen entsorgt werden. Dies geschieht entweder direkt in der Zementindustrie in der so genannten thermischen Verwertung (die Reifen werden verbrannt), oder sie werden eben granuliert bzw. geshreddert und dann verbrannt oder als Gummigranulat einer weiteren Verwendung zugeführt. „Wir pflegen gute Beziehungen zum [Karl] Kurz Karkassenhandel in Landau“, sagt Blank. Man lasse einen Großteil der Altreifen, die geshreddert werden sollen, etwa große EM- oder Ackerschlepperreifen, dort verarbeiten. Reifen vor dem Transport zu shreddern, erhöhe in jeden Fall das Transportvolumen.

Während also rund 80 Prozent der eingesammelten Reifen als Altreifen enden, taugen die verbleibenden 20 Prozent als Gebrauchtreifen mit Profil (sog. Profilreifen) oder als Karkassen. Zwei Drittel dieser Reifen wiederum landen als Karkassen in der europäischen Runderneuerung (Lkw- wie auch Pkw-Reifen), das verbleibende Drittel wird als Profilreifen weiterverkauft, auch in Deutschland. Jeweils 80 Prozent der Profilreifen und der Karkassen gehen in den Export. In Deutschland bleiben die Lkw-Reifen als Karkassen für die hiesige Runderneuerungsindustrie; Pkw-Reifen werden hier hingegen fast ausschließlich als Profilreifen und nicht zur Runderneuerung verkauft.

Zu den Hauptabsatzmärkten für Profilreifen und Karkassen zählen heute neben Deutschland Südamerika, die Karibik und Afrika, wobei in diesen Märkten hauptsächlich Gebrauchtreifen mit Profil verkauft werden. Gegenwärtig versucht die Reifen Kurz AG insbesondere das USA-Geschäft mit Pkw- und Lkw-Reifen weiter auszubauen; dort habe man seit kurzem neue Kunden, die sich für Hochprofilreifen interessieren, Reifen also, die eine Profiltiefen von über zwei Millimeter aufweisen. Pkw-Reifen mit ein bis zwei Millimeter Restprofil finden in der Regel eher in Afrika ihre Abnehmer, so Blank weiter. Ein Großteil der exportierten Lkw-Reifen wird nach Lateinamerika verschifft und dort entweder als gebrauchte Profilreifen weitergenutzt oder eben für die Runderneuerung aufbereitet. Das Unternehmen hat sogar eine eigene Niederlassung in Brasilien und baut darüber hinaus gerade ein Büro in Tiflis (Georgien) auf.

Für die Pläne des Karkassen- und Gebrauchreifenhandels werden künftig weitere organisatorische Anpassungen notwendig sein, meint der Vorstand der Reifen Kurz AG. So soll etwa der Standort Ötlingen, der sechs Kilometer vom Sitz des Unternehmens entfernt liegt, mit dem Hauptstandort Wendlingen fusionieren und somit auch die Logistik vereinfachen. Dies soll zum Ende des Jahres geschehen, ohne dass jedoch Arbeitsplätze verloren gehen sollen, so Blank. Heute sind etwa 15 Mitarbeiter bei der Reifen Kurz AG beschäftigt. Die 2.500 m² Lagerfläche in Ötlingen – die Immobilie ist gepachtet – dient derzeit hauptsächlich als Pkw-Reifenlager. Von den 5.500 m² in Wendlingen, die dem Unternehmen gehören, sind rund 2.000 m² überdacht. Nach der Fusion sollen insgesamt rund 7.000 m² am vergrößerten Standort in Wendlingen zur Verfügung stehen. „Die Fläche hier reicht für die nächsten Jahre aus“, sagt Vorstand Udo Blank. Darüber hinaus sei es auch nicht notwendig, ein „riesiges Lager“ vorzuhalten. Stattdessen soll eine „bedarfsorientierte Beschaffung“ die Wünsche der Kunden befriedigen.

Dass diese Bedarfsorientierung nicht immer wie geplant umsetzbar ist, lässt sich denken, gerade was die Beschaffung von runderneuerungsfähigen Karkassen betrifft. Die weltweite Karkassenknappheit sei teilweise künstlich, kritisiert Blank. Einerseits produzierten Runderneuerungsbetriebe Lkw-Reifen „auf Halde“, was Reifen aus dem Kreislauf nimmt. Aber auch die zunehmende Marktbedeutung der Runderneuerung vonseiten der Neureifenhersteller sorge dafür, dass frei verfügbare Karkassen immer knapper werden. Bei der Reifen Kurz AG halte man im Übrigen nicht viel von Karkassenbörsen als Hilfestellung bei gegebener Karkassenknappheit. Diese Börsen gingen an der Marktwirklichkeit vorbei, so Blank: „Das Geschäft läuft faktisch anders.“ Wenn gerade gute, runderneuerungsfähige Karkassen knapp sind, ist die Qualität der an solchen Börsen angebotenen Karkassen eher unterdurchschnittlich. „Die Knappheit führt dazu, dass nicht die besten Karkassen dort stehen.“

Die Reifen Kurz AG baut andererseits auf die eigene, 50-jährige Erfahrung sowie die Marktkompetenz. Für viele Neureifenhändler sei die Entsorgung gebrauchter Reifen stets ein „notwendiges Übel“, um das man sich eben per Gesetzt zu kümmern hat. Hier sei ein Mittelständler wesentlicher flexibler als die Neureifenindustrie, worin Blank einen „entscheidenden Faktor“ sieht. Außerdem könne man „gezielter an den Markt gehen“. So nehme man etwa direkt Kontakt mit Spediteuren und Busunternehmern auf und biete Dienste rund um die Altreifenentsorgung an. Außerdem bekämen Kunden bei der Reifen Kurz AG einen „fairen Preis“ geboten, den die in der Branche bekannten „fliegenden Händler“ nicht gewähren, ohne gleichzeitig auch für die ordnungsgemäße Weiterverarbeitung des Rohstoffs Altreifen zu sorgen.

Das Neureifengeschäft hingegen gehört nicht zum strategischen Geschäft des Unternehmens und könne bestenfalls als marginal bezeichnet werden. Man wolle nicht in den Wettbewerb zu den entsorgten Unternehmen – also den Reifenhändlern – treten. Diesbezügliche Geschäfte seien eher zufälliger Natur.

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