Globale Studie zur Situation der Automobilzuliefererindustrie

Die Rentabilität der weltweiten Automobilzuliefererindustrie hat sich in den vergangenen fünf Jahren – entgegen der vorherrschenden Industriemeinung – deutlich verbessert. So stieg die Kapitalrendite von 8,6 Prozent (2001) auf 11,3 Prozent im Jahr 2005. Innerhalb der Zuliefererindustrie differenzieren sich die besten Unternehmen (Top Performer) durch klare Strategiemuster vom Wettbewerb und erreichen dadurch eine dreimal höhere Rentabilität als weniger erfolgreiche (Low Performer). Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Strategien für profitables Wachstum in der weltweiten Automobilzuliefererindustrie“ von Roland Berger Strategy Consultants und der Investmentbank Rothschild. Die Untersuchung basiert auf einer Analyse der Finanz- und Geschäftszahlen von rund 350 global agierenden Automobilzulieferern aus den Jahren 2000 bis 2005.

„Der Druck auf die Automobilzulieferer hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Einerseits sind die Rohstoffpreise stark gestiegen, andererseits versuchen die Automobilhersteller, ihre Einkaufskosten weiter zu reduzieren“, erklärt Marcus Berret, Partner im Kompetenzzentrum Automotive bei Roland Berger Strategy Consultants.

„Längst nicht alle Zulieferer waren in der Lage, auf diesen steigenden Druck angemessen zu reagieren. Deshalb werden die Unternehmen der Branche von den Finanzmärkten zunehmend differenziert beurteilt“, sagt Thomas Kästele, Direktor im Bereich Industrie/Automotive bei der Investmentbank Rothschild.

Dennoch hat sich die Kapitalrentabilität der Automobilzulieferer in den vergangenen Jahren positiv entwickelt und lag 2005 bei 11,3 Prozent nach nur 8,6 Prozent im Jahr 2001. „Die Mehrheit der Zulieferer hat ihre operative Leistungsfähigkeit deutlich verbessert und insbesondere die Kosten stark reduziert. Die erhöhte Durchschnittsrendite ist der Lohn dafür“, sagt Berret.

Die Studie zeigt, dass sich die Rentabilität allerdings je nach regionalem Geschäftsschwerpunkt, Unternehmensgröße und Produkten deutlich unterschiedlich entwickelt hat. Während westeuropäische Zulieferer konstant hohe Kapitalrenditen (12,6 Prozent in 2005) vorweisen können, kämpfen ihre amerikanischen Kollegen mit anhaltend sinkender Rentabilität (9,3 Prozent in 2005). Deutliche Verbesserungen gab es bei japanischen und südkoreanischen Anbietern. Ein Blick auf die Größe zeigt, dass mittelgroße und große Zulieferer (Umsatz zwischen 500 Mio. und 10 Mrd. Euro) am rentabelsten arbeiten. Ihre Kapitalrendite bewegte sich 2005 zwischen 12,4 und 15,5 Prozent. Kleine (bis zu 250 Mio. Euro Umsatz) und sehr große Zulieferer (über 10 Mrd. Euro Umsatz) sind weniger profitabel; ihre Kapitalrendite erreichte 8,2 bis 10,1 Prozent. Bei den Produkten schneiden Zulieferer mit Schwerpunkt Infotainment, Innenraum, Fahrwerk und Reifen am besten ab und erreichten 2005 Kapitalrenditen zwischen 11,4 und 13,0 Prozent.

Top Performer weisen klare Erfolgsmuster auf

An der insgesamt positiven Entwicklung der Industrie haben einzelne Unternehmen unterschiedlich stark partizipiert. Die Top Performer sind dabei im Betrachtungszeitraum mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 10,3 Prozent etwa dreimal so schnell gewachsen wie die Low Performer (3,0 Prozent). Zudem waren die Top-Performer im Schnitt dreimal so profitabel (durchschnittliche Kapitalrendite 16,3 Prozent gegenüber 5,7 Prozent). Auch hat sich der Abstand zwischen Top und Low Performern in den vergangenen fünf Jahren weiter vergrößert.

Die Studie zeigt, in welchen Bereichen sich die Top Performer von den Low Performern unterscheiden. Zum Erfolgsmuster der Top Performer gehören unter anderem ein stärker fokussiertes Produktportfolio, eine breitere und globaler ausgerichtete Kundenbasis und eine konsequentere Verlagerung von Produktionskapazitäten an Niedriglohnstandorte. Zudem investieren sie zielgerichtet in Forschung und Entwicklung sowie in stärkerem Maße in ihre Anlagen. Auch kennzeichnen die Top Performer eine stabile Unternehmensführung und kundenorientierte Organisationsstrukturen sowie ein hoher Eigenkapitaleinsatz und flexible Finanzierungsstrukturen.

Ausblick: Zuliefererindustrie bleibt ein attraktives, aber anspruchsvolles Industriesegment

Es ist zu erwarten, dass die Produktion von Automobilen in den kommenden Jahren in Schlüsselmärkten weiter steigen wird. „Zudem werden die Hersteller auch künftig bereit sein, Preisaufschläge für Produkte zu zahlen, mit denen sie sich von anderen Marken differenzieren können“, prognostiziert Kästele. Auch gibt es noch weitere Spielräume, mit denen die Zulieferer Kosten sparen und ihre Profitabilität erhöhen können: Zum Beispiel können sie Produktions- und Entwicklungsumfänge in Niedriglohnländer verlagern, ihr Umlaufvermögen (Working Capital) optimal organisieren sowie die Bilanzstruktur verbessern.

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