Conti-Verkehrsuntersuchung zu Risiken an Bahnübergängen

Bahnübergänge bereiten Verkehrsteilnehmern in erheblichem Maße Angst und Unsicherheitsgefühle. Das ist ein Ergebnis der 30. Continental-Verkehrsuntersuchung, die das Unternehmen bereits vor einigen Monaten präsentiert hatte und jetzt noch einmal aufgreift. Die Vorstellung, mit abgewürgtem Motor auf den Schienen zu stehen, während sich ein Zug nähert – ein Alptraum für Autofahrer. Dass ein Zug einen Pkw, Radfahrer oder Fußgänger erfasst, kommt jedoch eher selten vor. Dann allerdings sind Kollisionen folgenschwer. „In Deutschland stirbt bei jedem vierten Bahnübergangunfall ein Mensch. Schuld an den schweren Unfällen ist meist Leichtsinn oder Unkenntnis der Verkehrsteilnehmer“, warnt Dr. Norbert Klassen, Verkehrsexperte des ADAC. „Vielen Menschen ist nicht bewusst: Ein Zug mit 1.200 Tonnen Gewicht hat bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern einen Bremsweg von einem Kilometer.“ Zum Vergleich: Ein mit moderner Sicherheitstechnik ausgestattetes Auto steht bei gleichem Tempo nach weniger als 40 Metern.

Die Continental-Verkehrsuntersuchung belegt: Beim Thema Bahnübergang wissen Verkehrsteilnehmer zu wenig über die Regeln. 39 Prozent der für diese Studie Befragten halten rotes Blinklicht an Bahnübergängen nur für einen Warnhinweis ohne Verpflichtung zum Anhalten! Nicht viel geringer ist die Zahl derer, die meinen, bei Gelb noch schnell durchfahren zu dürfen. Sechs Prozent sind sogar der Ansicht, dass es gestattet ist, geschlossene Halbschranken auf eigene Verantwortung zu umfahren. Zu riskantem Fehlverhalten führt die bis zu 30 Sekunden lange Zeitspanne zwischen dem Beginn der Rotlichtphase und dem Senken der Schranken. 14 Prozent glauben, bei Rot fahren zu dürfen, solange die Schranken noch oben sind.

Die Autoren der Continental-Studie, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Steinbrecher und Dr. Dieter Ellinghaus, fordern ebenfalls mehr Aufklärung der Bürger sowie strengere Sanktionen bei Fehlverhalten. Schließlich seien die Übergänge – anders als allgemein vermutet – kein Unfallschwerpunkt, doch bei Unfällen mit hohem Verletzungsrisiko behaftet. Auch der ADAC agiert entsprechend: „Um Verkehrsteilnehmer mit korrektem Verhalten am Bahnübergang besser vertraut zu machen, hat der ADAC gemeinsam mit der Bahn und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat vor vier Jahren die Aktion „Sicher drüber“ gestartet und setzt sie jetzt auch europaweit fort“, so Andreas Hölzel, Pressesprecher des Automobilclubs.

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