Bis 2010 weniger Mitarbeiter bei Michelin in Bad Kreuznach

Die Kritik aus der Michelin-Konzernzentrale, dass das Pkw-Reifenwerk in Bad Kreuznach verglichen mit anderen Werken ein Produktivitätsdefizit habe und billiger werden müsse, hat zu ersten Reaktionen geführt. So berichtet der Südwestrundfunk, dass bis 2010 die Belegschaft verringert werden soll. Entlassungen seien allerdings nicht geplant, von den derzeit 1.600 beschäftigten Personen würden aber 150 in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, deren Posten nicht wieder besetzt werden sollen. Ferner sind Investitionen in neue Technologien geplant, um die Produktion innerhalb der nächsten Jahre um bis zu 50 Prozent erhöhen zu können.

Welchen Einfluss dieser Produktionsfortschritt auf die Mitarbeiterzahl haben wird und ob es nicht doch noch zu Entlassungen kommt, bleibt vorerst offen. Die ungewöhnlich deutliche Bemängelung der Situation in Bad Kreuznach kann nämlich auch als Vorbote für die Nachricht gedeutet werden, eben doch Entlassungen vornehmen zu wollen oder zu müssen.

Die Michelin-Verantwortlichen aus der Zentrale in Clermont-Ferrand stellen den Vergleich mit einem spanischen Schwesterwerk an, in dem eine um fünfzig Prozent höhere Produktivität erreicht werde als im Bad Kreuznacher Werk. Auf außergewöhnlich hohe Fehlzeiten habe Wittigo von Rabenau (Personaldirektor des Unternehmens für den Bereich Deutschland, Schweiz und Österreich) anlässlich des Besuchs einer Delegation aus Bad Kreuznach in Clermont-Ferrand hingewiesen, berichtet die Allgemeine Zeitung.

Wobei es für die hohen Fehlzeiten keine richtigen Erklärungen gebe, am hohen Altersschnitt könne es nicht liegen, denn die Altersstruktur der Kreuznacher Belegschaft gleiche jenen in anderen Werken, die weitaus geringere Fehlzeiten aufweisen. Die Arbeitsbedingungen seien es auch nicht, denn die seien dieselben wie anderswo. Rabenau weist zudem darauf hin, dass die Leiharbeiter von Fremdfirmen, die man in Bad Kreuznach beschäftige, weniger häufig fehlen.

Der Personaldirektor warnt zwar davor, mit dem Wort „Simulantentum“ fahrlässig umzugehen, doch lese man bei seiner Erklärung zwischen den Zeilen, dann sei die Botschaft eindeutig, interpretiert die Allgemeine Zeitung: Es fehlt an Kontrolle. Denn Wittigo von Rabenau erklärt, die Abschaffung von Hierarchieebenen, wie sie bei Michelin praktiziert wurde, habe dazu geführt, dass weniger Führungskräfte sich um mehr Mitarbeiter kümmern müssen, die wiederum auf diverse Schichten verteilt seien. Der direkte Kontakt fehle oft, und daraus wiederum resultiere eine „geringere Führungsintensität“. Der Begriff „Führungsintensität“ kann, wohlwollend interpretiert, für ein intensiveres „Kümmern um den Mitarbeiter“ stehen, doch lässt er sich eben auch als stärkere Kontrolle deuten. Wie von Rabenau sagte, sei man nun dabei, seinerzeit abgeschaffte mittlere Führungsebenen bei Michelin wieder aufzubauen, um eben diese „Führungsintensität“ zu erhöhen.

Die Betriebsräte weisen in der Diskussion um die Produktivitätsprobleme bei Michelin“ Bad Kreuznach naturgemäß auf andere Faktoren hin. Dieter Wegel, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Michelin-Werke, argumentiert, dass es in einem großen Werk wie in Bad Kreuznach mit 1.600 Mitarbeitern eben auch länger dauere, Optimierungen der Prozesse zu erzielen. Zum anderen forderte er von der Unternehmensleitung auch Investitionen in die Maschinen.

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