Freie Werkstätten gewinnen an Akzeptanz

Instandsetzungsarbeiten an ihrem Fahrzeug lassen 48 Prozent aller deutschen Autofahrer in der Regel von einer Vertragswerkstatt durchführen, während die übrigen sich eher für eine freie Werkstatt entscheiden oder die Arbeiten selbst durchführen. Das ist eines der Ergebnisse der europaweit durchgeführten Studie „Market Analysis Automotive Aftermarket“ des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens TNS Infratest Automotive, mit der kontinuierlich das Werkstatt- und Reparaturverhalten der Autofahrer in verschiedenen Ländern Europas analysiert wird. Diese Untersuchung führt TNS seit dem Jahr 2003 gemeinsam mit führenden Unternehmen der Zulieferindustrie in Form von drei Erhebungswellen pro Jahr durch. In 15.000 computergestützten Telefoninterviews pro Jahr und Land werden dabei Autofahrer zu ihrem Werkstattverhalten befragt mit dem Ziel, kontinuierlich Basisdaten zu Struktur, Umfang und Entwicklungen relevanter Produktmärkte im Automotive Aftermarket zu erheben.

Im Vergleich zum Vorjahr konnten die freien Werkstätten demnach an Akzeptanz hinzugewinnen: So nahm der jüngsten Untersuchung zufolge der Anteil derjenigen Autofahrer, die für Instandsetzungsarbeiten oder auch für Inspektion/Wartung eine freie Universalwerkstatt vorziehen, jeweils um etwa drei Prozentpunkte zu. Für Wartungsarbeiten an seinem Fahrzeug gibt demnach mittlerweile rund jeder dritte Autofahrer freien Werkstätten den Vorzug. Im gleichen Zeitraum hat laut TNS Infratest die Akzeptanz der Vertragswerkstätten im Bereich Wartung/Inspektion von 60 Prozent auf 58 Prozent leicht abgenommen. Bei der tatsächlichen Zahl aller Werkstattbesuche der Bundesbürger hätten – wie es weiter heißt – die freien Universalwerkstätten ihren „Besuchsanteil“ um zwei Prozentpunkte steigern könnte, während die Vertragswerkstätten einen Prozentpunkt verloren.

Ungeachtet dieser Ergebnisse erwartet das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen mittelfristig allerdings keine sprunghaften Veränderungen bei den Kräfteverhältnissen. Faktoren wie zum Beispiel die Zunahme an qualifizierten, das heißt system- bzw. konzeptgebundenen freien Werkstätten, oder auch das zunehmende Durchschnittsalter des Fahrzeugbestandes und die angespannte ökonomische Situation in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung, sprächen zwar für eine stetig zunehmende Akzeptanz der freien Universalwerkstätten bei den Verbrauchern. Umgekehrt gebe es aber auch Aspekte wie beispielsweise Qualitätsverbesserungen in der Fahrzeugproduktion oder die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge durch Elektronik, die eher für einen zeitlich verzögerten Wechsel von der Vertragswerkstatt in die freie Werkstatt sorgen würden. Zumal die Studie einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Fahrzeugalter und der Werkstattwahl der Fahrzeughalter belegt.

Den Ergebnissen der Untersuchung zufolge entfallen nämlich in der Klasse der neueren Fahrzeuge, die maximal drei Jahre alt sind, 90 Prozent aller Werkstattbesuche auf Vertragswerkstätten. Sind die Fahrzeuge aber erst einmal acht Jahre oder/und älter, dann sinkt dieser Anteil bereits auf deutlich unter 50 Prozent, was beispielsweise in Deutschland für immerhin beinahe die Hälfte aller zugelassenen Pkw gelte. Im Zusammenhang mit der Werkstattwahl hat die Studie jedoch noch weitere Faktoren zu Tage gefördert, die für den Endkunden von Bedeutung sind. „So bevorzugen beispielsweise rund drei Viertel der Halter schwedischer Fahrzeugfabrikate für die Wartung und Inspektion ihres Fahrzeugs die Vertragswerkstatt. Bei italienischen und spanischen Marken sinkt dieser Präferenzanteil auf 50 Prozent oder gar darunter. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge trägt hier nur bedingt zur Erklärung der Unterschiede bei, wohl aber die jährliche Fahrleistung oder auch Eigenschaften des Fahrzeughalters selbst, wie in diesem Fall zum Beispiel ein höheres Durchschnittsalter und die etwas bessere ökonomische Situation“, so TNS Infratest.

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