Reifen Specht muss weiter expandieren

Für Reifen Specht, eines der ältesten und größten inhabergeführten Reifenhandelsunternehmen in Rheinland-Pfalz, gehört die Essener Reifenmesse fest in den Terminplan. „Präsenz zeigen in unserer Größe ist einfach unerlässlich“, so Geschäftsführerin Rosel Specht. Da Präsenz aber in der Regel nicht alles ist, hat die Unternehmerin aus Freilingen zusammen mit ihren Söhnen einen besonderen Coup gelandet: Bernd Hölzenbein, Fußball-Weltmeister von 1974 und WM-Botschafter der Stadt Frankfurt, kam für eine Autogrammstunde auf den Stand von Reifen Specht. Wie sich zeigte, war das Interesse an ihm ähnlich groß wie an den Produkten und Dienstleistungen seiner Gastgeber.

Bei Reifen Specht in Freilingen ist derzeit einiges in Bewegung. Das Westerwälder Handelsunternehmen mit seinen fünf eigenen Verkaufsstandorten im Umkreis von rund 100 Kilometern operiere derzeit am Rande seiner Lagerkapazitäten. Wie Rosel Specht im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert, soll demnächst ein neues Zentrallager entstehen, das eine Kapazität von rund 500.000 Reifen aufweisen werde; mit Lkw-Reifen wird nicht gehandelt. Das derzeitige Stammlager für die Großhandelsaktivitäten habe lediglich eine Kapazität von 150.000 Reifen und würde künftig noch als Pufferlager genutzt werden. „Wir sind absolut am Ende unserer Kapazität“, so die Geschäftsführerin, was die logistische Abwicklung heute ineffizient mache. Über die genaue Investitionshöhe wolle die Unternehmerin noch nichts veröffentlicht sehen. Auch über die Standortfrage sei noch nicht abschließend beschlossen worden. Sicher sei jedoch, dass das neue Zentrallager in der Nähe des bisherigen Stammsitzes liegen werde. Auch ein späterer Umzug der Verwaltung an den neuen Standort sei denkbar, so Specht. Es werde dort aber kein neuer Fachhandelsbetrieb entstehen. Dennoch stehe zu erwarten, dass die derzeitige Mitarbeiterzahl von 70 weiter steigen wird. Mit dem in Planung befindlichen, hoch mechanisierten Logistikzentrum, aus dem heraus dann bis zu 4.500 Reifen pro Stunde versandt werden können, werde auch die Produktpalette erweitert, heißt es.

Der Anbieter von Pkw- und Motorradreifen sowie Kompletträdern und Aluminiumfelgen wird sehr wahrscheinlich noch im kommenden Jahr erstmalig eine eigene Private Brand einführen und damit das umfangreiche Produktportfolio erweitern, in dem im Übrigen billige Fernostmarken fehlen. Man habe bereits Kontakt zu einem „Hersteller in Asien“ aufgenommen, unterschriftsreif sei der Vertrag allerdings derzeit noch nicht. Bisher verfügt das Traditionsunternehmen noch über keine eigene Reifenmarke.

Um das Handels- und Hofgeschäft weiter auszubauen, mit dem „wir sehr gute Zuwächse erzielt haben“ – insbesondere im Großhandel –, soll nicht nur ein neues Logistikzentrum sowie eine neue Eigenmarke entstehen. Reifen Specht macht sich derzeit ebenfalls Gedanken über eine weitere Expansion des Filialnetzes. Wie Rosel Specht erläutert, wolle man erweitern; bis zu zwei neue Filialen im Umkreis sollen hinzukommen.

Hölzenbein: Es war keine Schwalbe

Für Reifen Specht ist der Messeauftritt nicht einfach nur „Stand und fertig“. Sondern der Auftritt wird in der Regel thematisiert. In diesem Jahr entschied man sich für das Naheliegende: die Fußballweltmeisterschaft. Und man hatte sogar einen ehemaligen Fußball-Weltmeister zu einer Autogrammstunde zu Gast auf dem Stand. „Bernd Hölzenbein ist menschlich geblieben, er ist nie abgehoben“, so Rosel Specht zur Entscheidung, den Funktionsträger von Eintracht Frankfurter und WM-Botschafter der Stadt Frankfurt als ihren Gast nach Essen einzuladen: „So sind wir ja auch – nicht abgehoben.“ Der jetzt 60-Jährige muss seine ehemaligen Mannschaftskollegen von 1974 wie Franz Beckenbauer oder Sepp Maier in punkto Medienpräsenz heute zwar den Vortritt lassen. Dennoch ist sein Auftritt immer noch gut, einen Menschenauflauf zu produzieren. So auch bei Reifen Specht am Messestand. Lange Schlangen bildeten sich vor der Torwand, auf die die Specht-Messebesucher schießen mussten, wenn sie auch einen signierten Fußball zur Autogrammkarte ergattern wollten.

Bernd Hölzenbein, der sich im Vorfeld und während der Fußball-WM als offizieller WM-Botschafter der Stadt Frankfurt betätigt, freute sich sichtlich über den großen Andrang am Messestand von Reifen Specht und wurde nicht müde, für Fotos zu posieren und Bälle und Autgrammkarten zu unterzeichnen. Die „Renaissance der alten WM-Spieler“, die 1974 für Deutschland den Cup holten, sei „ja auch mal ganz schön“, so der langjährige Profi im Gespräch mit dieser Zeitschrift. Er habe jahrelang „nur Golf gespielt“, so der sympathische Fußballer schmunzelnd, nun widme er sich aber wieder voll und ganz dem Sport. Es sehe „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ auf das Ende der Weltmeisterschaft in Deutschland – die Zeiten werden eben wieder ruhiger. Ob sein Tipp zum Ausgang der WM stimmt – Deutschland gewinnt 10:9 gegen Brasilien im Elfmeterschießen – wird sich demnächst zeigen. Übrigens: Den WM-Titel 1974 habe Deutschland zurecht geholt. Wie er im Gespräch betont, sei eine der umstrittensten Strafstoßentscheidungen der Fußballgeschichte eben gar nicht strittig. Er sei im holländische Strafraum gefoult worden, habe keine Schwalbe hingelegt, und der anschließende Elfmeter brachte Deutschland zu Recht auf die Siegerstraße im Münchener Finale. Außerdem hätte ein englischer Schiedsrichter nie die Schwalbe eines Deutschen durchgehen lassen.

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