GHU: Ein scharfes Bündnis

Ob man das Kürzel GHU nun für „Gesellschaft für Handelseffizienz und Unternehmens-Partnerschaften“ (auf der Reifenmesse noch in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft in Gründung), für die drei „Macher“ Bruno Göggel (Aufsichtsratsvorsitzender), Bernd Joachim Hoffmann (Vorstandsvorsitzender) und Peter Unger (Mitglied des Aufsichtsrates) nimmt oder für den Untertitel „Groß. Handelsorientiert. Unabhängig.“ mag eine kleine Spielerei sein und letzten Endes unwichtig, dass die GHU (Sitz in Fulda) sich allerdings als dritte Kraft unter den bedeutenden deutschen Kooperationen etablieren wird – auf der Reifenmesse war diese Frage einer der Hauptdiskussionspunkte –, ist für Hoffmann ausgemachte Sache. Auf dem GHU-Messestand war er im Gespräch mit dieser Zeitschrift quirlig wie eh und je und wie man ihn aus Fulda-Tagen kennt.

Etwa ein Drittel der sich zahlreich bei ihm meldenden und an einer Zusammenarbeit interessierten Reifenhändler seien tatsächlich noch ungebunden, so Hoffmann, der die GHU „ein scharfes Bündnis“ nennt. Das Wort habe der im Reifenmarkt bestens bekannte Kölner Professor Dr. Lothar Müller-Hagedorn (stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender) geprägt, der also offensichtlich an dem GHU-Konzept mitgewirkt hat. Ein Konzept, das nicht unwesentlich aus einer Analyse der Schwachstellen der bestehenden Verbundgruppen hervorgegangen ist.

„Scharf“ soll denn auch nicht missverstanden werden als dirigistisch von einer Zentrale aus geführt, sondern immer wieder und in allen nur erdenklich möglichen Situationen solle die individuelle Entscheidungsfreiheit des jeweiligen Händlers im Vordergrund stehen. Nicht „von oben nach unten“, sondern „von unten nach oben“ laute die Devise. Ein konkretes Beispiel nennt Hoffmann auch: Für ihn heißen die fünf Preiskategorien des Marktes Premium, Medium, Budget, Low-Budget und (künftig) Low-Low-Budget, für diese Preiskategorien wird GHU Reifen parat halten, es sei allerdings Sache des jeweiligen Händlers, welche Reifenmarke er welcher Preisebene in seinem lokalen Markt zuordnet.

Mit so genannten „Kernfabrikaten“ wird GHU zwar nicht beginnen, aber die könnten sich entwickeln, sofern die GHU-Partner dies wollten, meint Hoffmann. Das Markenportfolio, mit dem die GHU startet, ist das des Reifengroßhändlers Göggel (Gammertingen). Der hat zahlreiche Klein- und Kleinstkunden, die Geschäftsbeziehung Göggels zu allen diesen Adressen überwiegend in einem Umkreis von bis an die 400 Kilometer bleibe von der GHU unberührt. GHU startet dort, wo Göggel aufhört, und diese Startbasis entspricht einem Umsatz von etwa 150.000 Euro bzw. 3.000 Pkw-Reifen pro Jahr.

GHU sei ein „Win-Win-Konzept“, sowohl für Endkunden wie für Industrie-, aber vor allem für die Fachhandelspartner: Statt Markenbindung gibt es Markenvielfalt, alle Preissegmente werden abgedeckt, es gibt günstige Einstiegsgebühren (2.500 Euro pro Jahr Grundgebühr) und einen äußerst attraktiven Loyalitätsbonus. Hoffmann verspricht, keinen Einfluss auf die Unternehmenskonzepte kooperierender Reifenhändler nehmen zu wollen, und er verspricht sofortige Umsatz- und Ertragsverbesserungen. Und vor allem verspricht er sich von der Göggel-Logistik einen Wettbewerbsvorteil, Hoffmann spricht von Nachschubsystemen bzw. „High-Performance-Logistik“. Der Großhändler aus dem äußersten Südwesten Deutschlands hat ständig 1,5 Millionen Reifen auf Lager und könne innerhalb eines Arbeitstages frei Haus liefern. GHU will im ersten Schritt 250 Systempartner gewinnen.

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