Aus der Reifenproduktion im Conti-Werk Charlotte angedroht

Berichten in US-amerikanischen Medien zufolge hat Continental die Einstellung der Reifenproduktion im Werk Charlotte (North Carolina/USA) zum 15. September angedroht. Dies plane Conti für den Fall, dass die Beschäftigten vor Ort nicht den vom Unternehmen geforderten Kürzungen von Lohn und Sozialleistungen von derzeit 40 auf 26 US-Dollar je Arbeitsstunde bzw. um 35 Prozent zustimmen würden, mit denen schnellstmöglich Kosten in Höhe von rund 32 Millionen US-Dollar eingespart werden sollen. Als Begründung führt der Reifenhersteller die im Vergleich mit anderen Konzernstandorten zu hohen Produktionskosten an. Betroffen vom Ende der Reifenfertigung wären in Charlotte demzufolge knapp 500 Arbeitsplätze, denn offenbar will Conti innerhalb dieses Szenarios dort nur noch 200 Menschen nach dem genannten Zeitpunkt weiterbeschäftigen – unter anderem in der Mischungsproduktion.

Für die Gewerkschaft USW (United Steel Workers) kommt die neuerliche Drohung des Reifenherstellers nicht überraschend. „Dies zeigt einmal mehr die Unfähigkeit des Unternehmens, den amerikanischen Markt zu verstehen und hier erfolgreich zu agieren. Continental kann keine konkurrenzfähigen Geschäfts- und Marketingstrategien entwickeln, um hier wettbewerbsfähig operieren zu können. Statt die nötigen Forschungs- und Entwicklungsaufgaben voranzutreiben oder in die eigenen Werke zu investieren, schaut man nur darauf, wie man den Mitarbeitern das Geld aus der Tasche ziehen kann“, kritisiert Ron Hoover Executive Vice President der USW. Während sich beide Seiten noch darüber streiten, wer der Schuld an den bisher immer wieder gescheiterten Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite trägt, haben Analysten für den Fall der Fälle schon einmal vorsorglich die möglicherweise anfallenden Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit der Einstellung der Reifenproduktion in Charlotte auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.

Demnach würden in diesem Jahr nur noch alles in allem zwei bis drei Millionen Pkw-Reifen in dem Werk gefertigt, während es 2005 noch sechseinhalb Millionen gewesen sein sollen. Die Differenz könne – heißt es bei Finanzexperten – durch die Produktionsstandorte in Brasilien und Indonesien sowie Mehrfertigung in europäischen Werken ausgeglichen werden. Wie es weiter heißt, würde Conti dadurch zwar jährlich rund 20 Millionen US-Dollar Kosten einsparen. Zwei wesentliche strukturelle Schwächen des Konzerns bezogen auf den US-amerikanischen Markt würde allerdings auch der Produktionsstopp in Charlotte nicht beseitigen: die geringe Markenreputation in Nordamerika und die dortige schwache Position im Reifenersatzgeschäft, wo einem Marktanteil von vier Prozent ein Vergleichswert von 20 Prozent im Bereich Erstausrüstung gegenüberstehe.

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