Fälscher haben es auf der Automechanika schwer

Die Messe Frankfurt startet eine Offensive gegen Produkt- und Markenpiraterie. Schätzungen zufolge machen Produktnachahmungen bereits acht Prozent des Welthandels aus. Die Anzahl der Beschlagnahmefälle stieg von 3.461 im Jahr 2003 auf 8.564 im Jahr 2004. Die Umsatzeinbußen betrugen im Kfz-Teilbereich bereits 1997 zwölf Milliarden US-Dollar. Angesichts dieser Entwicklung hat die Messe Frankfurt zur Automechanika 2006 – Internationale Leitmesse der Automobilwirtschaft von 12. bis 17. September – einen umfangreichen Maßnahmenkatalog entwickelt, um Aussteller zu informieren, wie sie sich vor Produktpiraterie schützen können. Unter anderem sind auf Messen, auch der Automechanika, immer wieder Plagiate von Leichtmetallfelgen(designs) aufgetaucht; allein die jetzt angekündigte Aktion könnte geeignet sein, Nachahmer vor dem Ausstellen offensichtlicher Plagiate abzuhalten.

Partnerorganisationen der Kampagne sind das Europäische Amt für Marken- und Musterschutz (HABM), das Deutsche Patent- und Markenamt, der Aktionskreis der Deutschen Wirtschaft gegen Produktpiraterie e. V. und der Zoll/Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz. Die Partnerorganisationen haben auf der Automechanika einen eigenen Stand und können jederzeit bei Fragen kontaktiert werden. Die Messe Frankfurt hat während der Veranstaltung einen anwaltlichen Notdienst eingerichtet.

Neben Umsatzverlusten stellen Plagiate gerade im Automobilbereich eine große Gefahr für die Sicherheit dar. Gefälschte Autoteile, die nicht den Sicherheitsstandards entsprechen, sind eine Gefährdung für den Straßenverkehr. Professor Rido Busse, vor vielen Jahr selbst betroffen und seither Vorstandsvorsitzender der Aktion „Plagiarius e.V.“ warnt: „Produkt- und Markenpiraterie muss den Stempel des ‚Kavaliersdelikts‘ loswerden und endlich als das wahrgenommen werden, was es ist: skrupellose Wirtschaftskriminalität. Deutsche Unternehmen erleiden immense Schäden von Umsatzrückgängen und dem Verlust von Marktanteilen über die Zerstörung der Glaubwürdigkeit der Marke bis hin zu unberechtigten Produkthaftungsklagen.“

Wichtig ist es die Marken im Vorfeld registrieren zu lassen. Denn Patente und Gebrauchsmuster zum Schutz technischer Erfindungen, die Eintragung der Marke zum Schutz des „guten Namens“ oder das Geschmacksmuster zum Schutz der Farb- und Formgestaltung erleichtern die Durchsetzung von Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen. Katharina Schäfer vom deutschen Patent- und Markenamt betont, es sei an der Zeit zu handeln: „Jährlich entstehen der Wirtschaft durch Plagiate Milliardenverluste. Einen wirksamen Schutz gegen Produktpiraterie gibt es nur durch konsequente Anwendung gewerblicher Schutzrechte. Das Deutsche Patent- und Markenamt begrüßt und unterstützt daher gerne die Aktion der Messe Frankfurt.“

Ein wirkungsvolles Mittel, um der Präsentation von Plagiaten bereits im Vorfeld einer Messe vorzubeugen, bietet die Grenzbeschlagnahme des Zolls. Klaus Hoffmeister von der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz in Nürnberg stellt fest, viele Rechtsinhaber wüssten zu wenig über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem Zoll: „Deshalb machen wir das Angebot, sich auf dem Informationsstand der Aktion ‚Messe Frankfurt against Copying‘ umfangreich zu informieren. Mit dem Zoll gewinnen Hersteller einen zuverlässigen Partner für den Kampf gegen Produktpiraten. Mehr als 700 renommierte Schutzrechtsinhaber profitieren bereits von unserer jahrelangen Erfahrung. Und das mit großem Erfolg, wie unsere Statistiken zeigen.“

Daneben hat die Messe Frankfurt noch weitere Maßnahmen im Kampf gegen Produktpiraterie ergriffen. Aussteller unterschreiben mit ihrer Registrierung die Richtlinien gegen das Fälschen von Produkten und die daraus ergebenden Konsequenzen. Während der Aufbautage dürfen Aussteller mit ihrem Rechtsberater die anderen Stände besuchen und können möglichen Verdachtsfällen bereits im Vorfeld nachgehen. Schon seit Jahren darf auf der Messe nicht ohne Genehmigung fotografiert werden. Fotomaterial, das ohne Erlaubnis erstellt wurde, wird sofort beschlagnahmt.

Die Möglichkeiten, wie sich Aussteller gegen Produktpiraten schützen können, sind in der von der Messe neu herausgegebenen Broschüre: „Schutz vor Markenpiraterie“ aufgeführt. Sie wird an alle Aussteller der Automechanika verteilt.

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