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Kunden entdecken die EM-Reifenrunderneuerung

Was für Endverbraucher von EM-Reifen schlecht ist, wirkt sich auf die Runderneuerer dieser Reifen als durchaus absatzfördernd aus. Wurden Reifen für Erdbewegungsmaschinen früher ohne Not buchstäblich kaputtgefahren, so versuchen Verbraucher nun, ihre teuer erstandenen Produkte irgendwie in Betrieb zu halten. So hat im vergangenen Jahr etwa die Anzahl an Runderneuerungen der Rösler-Gruppe aus Dortmund um 30 Prozent zugelegt, was einerseits durch das allgemeine Marktwachstum zu erklären wäre, aber im Wesentlichen aus der Not etlicher Kunden heraus entsteht, die keinen Ersatz für ihre EM-Reifen beschaffen können.

Da sich der EM-Reifenersatzmarkt in der Regel nicht zyklisch, sondern weitestgehend konstant entwickelt, ist ein Wachstum von etwa acht Prozent innerhalb eines Jahres in Europa schon beeindruckend, meint Paul Rösler jun., der gemeinsam mit seinem Bruder Martin die Geschäfte der Rösler-Gruppe seit gut zehn Jahren führt. Einen Teil des daraus entstandenen weltweiten Nachfrageüberhangs konnte durch zunächst noch freie Kapazitäten der Neureifenhersteller abgedeckt werden. Darüber hinaus rückten aber die Runderneuerer wie Rösler mit den Marken Schelkmann oder Rodos ins Blickfeld der Endverbraucher. Unternehmensgründer Paul Rösler sen. ist überzeugt davon, dass ein großer Teil der Nachfrage nach EM-Reifen – neu oder runderneuert – nicht mit dem reellen Bedarf an diesen Reifen zu erklären sei. Viele Kunden riefen nur „Liefert was ihr könnt“ und bestellten EM-Reifen, als stünde ein Krieg bevor. Solche vorsorglichen, aber in ihrem Ausmaß scheinbar überzogenen Hamsterkäufe hätten die Statistiken beeinflusst – auch hier in Europa.

Über die Ursachen der ursprünglichen Nachfragesteigerung gibt es auch in der Rösler-Familie keine zwei Meinungen: der weltweit wachsende Rohstoffbedarf und die daraus resultierende Nachfrage nach Fahrzeugen für die Gewinnungsindustrie. Insbesondere bei Standardgrößen werde die Knappheit auf dem EM-Reifenmarkt wohl noch ein bis zwei Jahre anhalten, ist man sich am Sitz der Rösler-Gruppe in Dortmund sicher. Investitionen der Neureifenindustrie stockten vornehmlich Kapazitäten für die lukrativen großen Größen auf, für die die Nachfrage überdurchschnittlich steige.

Wie und in welchen Zeiträumen auch immer sich der EM-Reifenmarkt entwickelt – solange hier eine künstliche oder echte Verknappung besteht, können Runderneuerer wie Rösler davon profitieren. Allein im vergangenen Jahr habe das Unternehmen die Anzahl an eigenen Runderneuerungen um 30 Prozent steigern können. „Einige Kunden setzen nun erstmals Runderneuerungsreifen ein“, sagt Paul Rösler jun. Teilweise aus der Not heraus geboren, suchen sie nach Alternativen zu den nicht oder nicht ausreichend verfügbaren Neureifen. „Dies ist unsere Chance. Diese Kunden testen jetzt Runderneuerte und können sich davon überzeugen, dass ein runderneuerter Reifen eine gute Alternative darstellt“, so Paul Rösler sen., dessen Unternehmen sich auch mit der Marke Zeus (Polyfill, Liquifill, Triofill) einen Namen beim Pannenschutz von Reifen gemacht hat.

Vor dem Run auf EM-Reifen, der nach Röslers Wahrnehmung Anfang des vergangenen Jahres begonnen hat, sei wenigstens jeder zweite EM-Reifen von den arglosen Endverbrauchern kaputtgefahren worden. Nun habe endlich eine „Sensibilisierung der Kunden“ stattgefunden, so dass die Anzahl der verfügbaren Karkassen steige; selbst dann gestiegen wäre, wenn die Anzahl runderneuerungsfähiger Reifen auf dem Markt konstant geblieben wäre. „Heute sehen Kunden den Wert der Karkasse“, so dass es, wenn überhaupt, nur ein unterdurchschnittliches Verfügbarkeitsproblem bei Karkassen gebe.

Der „handwerkliche Industriebetrieb Rösler“, der vorwiegend mit dem großen Bestand an Festkunden und deren Kundenkarkassen arbeitet, hat im vergangenen Jahr zwischen 9.000 und 10.000 EM-Reifen in der eigenen Anlage in Dortmund runderneuert. Rösler vertreibt die runderneuerten Reifen zwar europaweit, nur ist und bleibt Deutschland der Stammmarkt des Traditionsunternehmens, das bereits 1960 gegründet wurde. Im Jahr 2004 wurden in Deutschland laut BRV-Statistik zur „Gesamtmarktentwicklung Reifenersatzgeschäft“ 10.350 runderneuerte EM-Reifen abgesetzt (Neureifen 24.200) – neuere Daten lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Die relative Bedeutung der Rösler-Gruppe auf dem deutschen Nischenmarkt für EM-Reifen wird dennoch sichtbar.

Der derzeitige Boom könnte sich laut Paul Rösler sen. auch zum Bumerang entwickeln, der Hersteller und Runderneuerer später hart trifft. In der Hoffnung auf langjährige gute Umsätze und Profite mit EM-Reifen könnten sich zusätzlich geschaffene Kapazitäten als nachteilig erweisen, wenn sich denn Nachfrage und Angebot künftig einmal eingependelt haben. Diese Situation könnte zu einem Preisdumping führen, meint Paul Rösler jun. im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. Aber bereits während der vergangenen zehn Jahre habe Rösler einen Preisverfall von 25 bis 30 Prozent „aufgrund der Wettbewerbssituation“ hinnehmen müssen. Da seien die „leichten Preissteigerungen“ des vergangenen Jahres gerechtfertigt. Paul Rösler sen. schmunzelnd: „In 25 Jahren muss es ja auch mal ein gutes Jahr geben.“ Für das laufende Jahr kündigt Rösler keine weiteren Preisanpassungen an; nur etwaige höhere Rohstoffkosten könnten an die Kunden weitergegeben werden.

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