Nordamerika-Reifengeschäft vor der Wende?

Im Zuge der seit kurzem laufenden Tarifverhandlungen zwischen Continental Tire North America (CTNA) und der Gewerkschaft USW (United Steelworkers) hat der Reifenhersteller jetzt weitgehende Zugeständnisse von seinen Arbeitnehmern beim Gehalt gefordert. Wie der Charlotte Observer meldet, sollen die rund 1.000 Beschäftigten in der Charlotte-Reifenfabrik (North Carolina, USA), die die weltweit höchsten Produktionskosten des gesamten Konzerns hat, auf 35 Prozent ihres Gehalts verzichten; der Hersteller fordert eine Entscheidung darüber bis Januar, ansonsten könnte das Werk – wenigsten teilweise – geschlossen werden, heißt es weiter.

Das CTNA-Management drohe der Gewerkschaft, man würde 30 Prozent der Produktion einstellen, sollte die USW den Forderungen des Herstellers nach Kostensenkungen nicht zustimmen. CEO Alan Hippe wolle gleichzeitig nicht ausschließen, so der Deutsche in einem Interview mit dem Charlotte Observer, dass das Werk sogar komplett geschlossen werden könnte. „Schwerwiegende Entschlüsse“ seien zu treffen, wenn die Tarifparteien sich nicht über die Conti-Forderung einigten, so Hippe. Vonseiten der Gewerkschaft war zunächst kein Statement zu hören, man bedürfe noch mehr Informationen, bevor man eine Entscheidung zu den vorgebrachten Forderungen treffe. Gewerkschaftsvertreter haben zwar bereits grundsätzlich Verständnis für die Forderung nach Kostensenkungen in der Fabrik in Charlotte geäußert. Dennoch werde die „Friss-Vogel-oder-stirb-Haltung“ des deutschen Reifenherstellers gegenüber der Arbeitnehmerseite als „extrem“ bezeichnet; dies habe man etwa bei Goodyear anders, kooperativer erlebt.

Laut dem Charlotte Observer überlasse Continental Tire North America die Entscheidung darüber, wo genau Lohnkosten gesenkt werden, den Arbeitnehmern. Sie könnte höhere Löhne behalten, so die Zeitung, müssten aber dann im Gegenzug auf Einzahlungen in die Rentenfonds verzichten oder etwa auf Beiträge für die Krankenversicherung. Oder die Arbeitnehmer behielten ihre so genannten Benefits, verzichteten aber stattdessen auf Teile ihres Lohns.

So oder so, die Einsparungen sollen jährlich 32 Millionen US-Dollar betragen, so die Zeitung unter Berufung auf CEO Alan Hippe.

„Natürlich sind dies weitreichende Änderungen“, so Hippe im Interview: „Wir sind solange flexibel, wie wir die Einsparungen schaffen. Wir sehen darin ein sehr vernünftiges Angebot. Selbst dann sind wir auf dem Arbeitsmarkt in Charlotte noch konkurrenzfähig“, so Hippe unter Hinweis auf die überdurchschnittlich hohen Löhne, die CTNA derzeit zahlt.

Die geplanten Kürzungen bei den Lohnkosten würden das Charlotte-Werk auf Contis europäisches Durchschnittslohnniveau bringen, so Hippe. Laut Alan Hippe seien die Einsparungen notwendig, wenn man die Produktionsverlagerung nach Brasilien oder an andere Low-cost-Standorte verhindern und wenn man die um 80 Millionen Dollar angestiegene Rohstoffrechnung in Nordamerika auffangen wolle.

Bereits im Sommer hat CTNA bekannt gegeben, die Produktion in dem Pkw-Reifenwerk um rund ein Drittel auf 6,5 Millionen Einheiten zu verringern und gleichzeitig etwa 300 Mitarbeiter zu entlassen (die NRZ berichtete). Über die neuerlichen Forderungen hinaus wollte Hippe aber keine Garantien geben, dass nicht noch mehr Einschnitte in Charlotte gefordert werden würden. Gleichzeitig forderte die Gewerkschaft vom Reifenhersteller detaillierte Informationen darüber, dass die Kostensenkungen auch wirklich notwendig seien und Continental damit recht habe, in Charlotte handele es sich um die Fabrik mit den weltweit höchsten Produktionskosten des gesamten Konzerns. „Wir werden uns nicht einfach hinsetzen und Okay sagen“, so ein hochrangiger Funktionär der USW. „Wenn das Unternehmen unsere Hilfe braucht, sind wir willens zu helfen, denn ich habe knapp 1.000 Leute hier, die ihren Job brauchen.“

In der kommenden Woche wolle Continental die geforderten Informationen zu den vermeintlichen Standortkosten vorlegen. Danach werde die Gewerkschaft sich intensiv mit dem Thema befassen, heißt es weiter im Charlotte Observer; gegebenenfalls werde man Gegenvorschläge unterbreiten. Ob man sich wie von Continental gefordert bis zum Ende des Jahres einigen könne, bezweifelt die Gewerkschaft allerdings. Zeit bleibt allerdings dennoch: Der seit September 1999 gültige Tarifvertrag für die über 900 Mitarbeiter des Continental-Reifenwerkes Charlotte läuft erst zum 30. April 2006 aus.

Derzeit verdient ein Arbeiter durchschnittlich 21 Dollar plus 19 Dollar als Benefits (Rentenfonds, Krankenversicherung), insgesamt also 40 Dollar. Laut Continental soll dies auf insgesamt und durchschnittlich 26 Dollar verringer werden: 18 Dollar Lohn, acht Dollar Benefits. In der Region Charlotte werde im Schnitt 20,15 Dollar gezahlt ($ 15,50 Lohn, $4,65 Benefits.

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