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Großhändler investiert in die Zukunft

Holländische Reifengroßhändler gehören traditionell zu den wichtigen Adressen, an die sich deutsche Reifenfachhändler bei Bedarf wenden. Ihr zielsicherer Sinn für das Handelsgeschäft ist fast schon sprichwörtlich – Unternehmensnachrichten sind oft Expansionsmeldungen. Dies trifft nun auch auf Tyre Trading International B.V. zu: Der Großhandel mit Sitz im holländischen Numansdorp südlich von Rotterdam baut derzeit eine neue Lagerhalle, mit der die Kapazitäten von derzeit 40.000 auf bis zu 70.000 Einheiten erweitert werden. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutern Inhaber Peter van’t Hof und Sohn Dr. Peter-Alexander van’t Hof die Gründe für diesen kostspieligen Schritt.

Tyre Trading International (TTI) ist nach wie vor ein Familienbetrieb, der derzeit in vierter Generation betrieben wird. Was ursprünglich als Reifenfachhandel im Einmannbetrieb begann, hat sich über die Jahre mehr und mehr zum international bekannten Großhandelsbetrieb entwickelt. Das Unternehmen TTI wurde 1988 im Nachbarort Oud-Beijerland formell gegründet, vor zehn Jahren ist man dann allerdings nach Numansdorp umgezogen, wo heute auch ein Reifenfachhandel unter dem Namen S&G betrieben wird, der sich über die vergangenen sechs Jahre unter anderem auf Motorradreifen spezialisiert hat. Parallel dazu betreibt die Familie van’t Hof noch einen Online-Großhandel für Motorradreifen (Motorbandenservice Nederland B.V.). Zu den Hauptstandbeinen des Unternehmens gehört allerdings der weltweite Großhandel; allerdings spielen neben Südostasien hauptsächlich die europäischen Märkte eine Rolle auf der Landkarte des holländischen Großhändlers.

Peter van’t Hof weiß um die Bedeutung des großen deutschen Ersatzmarktes, ohne den weder Tyre Trading International noch andere Großhändler der Benelux-Staaten einen starken Stand haben. Zum Ende des vergangenen Jahrzehnts haben Geschäfte mit Deutschland für TTI etwa 95 Prozent des Umsatzes ausgemacht, so van’t Hof, und das sei noch vorsichtig gerechnet. Durch Änderungen der Wechselkurse (in der Vor-Euro-Zeit) sowie Veränderungen in den Preisstrukturen habe sich dieses Verhältnis aber verändert und TTI weniger abhängig vom deutschen Reifenersatzmarkt gemacht. Heute, so bestätigt Peter-Alexander van’t Hof, Sohn von Peter van’t Hof und Mitinhaber des Unternehmens, kämen noch 35 Prozent der Umsätze aus Deutschland, weitere 35 Prozent kämen aus Holland, acht bis zehn Prozent aus Großbritannien. Dennoch sei die Bedeutung des deutschen Marktes für den holländischen Großhändler während der Jahre nach absoluten Zahlen nicht zurückgegangen, betonen beide, so sehr sei das Geschäft expandiert.

Mittlerweile sei die Tyre Trading International mit ihren Kapazitäten ans Limit gekommen. Das Lager biete auf 4.500 Quadratmetern Raum für maximal 40.000 Reifen. Durch die neue Halle, die zum Oktober betriebsbereit sein soll, sich derzeit im Bau befindet, kommen Lagerkapazitäten für 25.000 bis 30.000 Reifen hinzu. Dort sollen hauptsächlich die Rennergrößen gelagert und versandt werden. Die Halle, für die die Planungen bereits seit wenigstens fünf Jahren laufen (damals kaufte Peter van’t Hof das betreffende Nachbargrundstück), wird dem Unternehmen rund eine halbe Million Euro kosten. Diese Geld, betont Inhaber van’t Hof, sei aber bestens investiert.

Für den holländischen Reifengroßhändler habe nicht nur das allgemeine Absatzwachstum eine Erweiterung der Kapazitäten notwendig gemacht. Vielmehr seien es die drei Reifenmarken, über die Tyre Trading International exklusiv verfügen kann, die eine Expansion notwendig gemacht hätten.

Einerseits vertreibt TTI Hankooks Zweitmarke „Kingstar“ seit 1998 exklusiv in den Benelux-Ländern. In Deutschland geschieht dies im Übrigen durch RS Exclusiv aus Neumünster; in Großbritannien sind dies gleich mehrere Groß- und Einzelhändler, die die Kingstar dort vertreiben. Peter van’t Hof bezeichnet Kingstar als eine „Premium-Budget-Marke“, die „nicht die billigste ist“ und darüber hinaus auch eine herausragende Qualität aufweise. Für die Reifen, die in Hankooks China-Fabriken hergestellt werden, habe es etwa in 2003 „keine einzige Reklamation“ gegeben, wenden sich Peter und Peter-Alexander van’t Hof gegen Vorurteile in Sachen Qualität bei Budget-Reifen. Kingstar sei seit Jahren die Marke, die TTI zur Kommunikation auf dem Benelux-Markt nutzt: „In diesem Sinne ist er sehr wichtig“, da mit einer Exklusivmarke eine „starke Bindung zum Handel aufgebaut“ werden kann. Im vergangenen Jahr habe man 20.000 Kingstar-Reifen vermarktet – diese Zahl hätte allerdings wesentlich höher sein können, wenn nicht die Wechselkurse dem Großhändler einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Der Kingstar H714 – das Basis-Modell in Größen zwischen 13 und 15 Zoll – hatte sogar einen Reifentest der französischen Zeitung Auto Plus gewonnen und dabei etliche andere Budget-Marken hinter sich gelassen.

Seit neuestem gehört die High-Performance-Marke „Falken“ aus dem Goodyear-Dunlop-Konzern zum Produktportfolio des Großhändlers aus Numansdorp bei Rotterdam. TTI vertreibt Falken seit vergangenem Jahr exklusiv in Holland; bis dahin führte Van den Ban das Produkt im heimischen Markt. „Die Marke hat sich für uns schon stark entwickelt und hat für uns Nummer-1-Priorität.“ Man wolle alle möglichen Marketing-Kanäle nutzen, um Falken am holländischen Markt zu etablieren. Es sei ein komplettes Marketing-Konzept entstanden, mit dem Falken-Reifen erfolgreich in Holland vermarktet werden sollen. So gebe es etwa populäre Drifting-Shows in Holland, bei der Tyre Trading International mit seiner neuen Exklusivmarke Falken als Sponsor auftritt.

Ein weiterer Grund, der die Expansion des Großhändlers nun absolut notwendig mache, sei eine weitere Exklusivmarke, von der Ende August bereits die ersten vier Container im Rotterdamer Hafen anlandeten. TTI wird die neue Marke „Antyre“ exklusiv in Benelux, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Zypern und Österreich vermarkten. In Großbritannien wird Großhändler Micheldever den Vertrieb der Marke übernehmen. Der Hersteller dieses neuen Produktes ist ein bekanntes chinesisches Unternehmen, dessen Namen der holländische Großhändler aber aus vertraglichen Gründen nicht veröffentlicht sehen möchte. Zunächst werden diese „ordentlichen Reifen zum besten Preis“, so Peter-Alexander van’t Hof im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, in acht Größen verfügbar sein. Im kommenden Jahr soll es bereits 20 Größen Antyre-Reifen geben, die von 16 bis 22 Zoll einen ganzen Teil der Range abdecken sollen (Speedindex W und Y). Bis zum kommenden Jahr werden Antyre-Reifen allerdings nur als Sommerreifen verfügbar sein, in 2006 kommen dann SUV-Reifen hinzu. Peter und Peter-Alexander van’t Hof glauben, im ersten Jahr bereits bis zu 100.000 Antyre-Reifen vermarkten zu können.

Exklusivmarken sichern Geschäftskontakte

Für einen Reifengroßhändler wie Tyre Trading International sind solche Marken ein wichtiges Abgrenzungskriterium gegenüber dem Wettbewerb. Jede Reifenmarke, die exklusiv angeboten werden kann, gebe dem vertreibenden Unternehmen eine gewisse preisliche Unabhängigkeit, da direkter Wettbewerb (von Parallelimporten einmal abgesehen) nicht vorhanden ist. „Früher hat es nicht so viele Großhändler gegeben“, lamentiert Inhaber Peter van’t Hof, der seit Jahrzehnten im Geschäft ist. Jeder Reifenhändler werde heute im Großhandel aktiv – das Internet mache dies möglich, weiß Peter-Alexander van’t Hof. Gerade daher seien die Abgrenzungsmöglichkeiten, die Exklusivmarken wie Kingstar, Falken oder demnächst Antyre bieten, überaus wichtig für den Erfolg eines Großhändlers.

Neben diesen Exklusivmarken, die Tyre Trading International eben nur auf bestimmten Märkten vertreiben darf, je nachdem, was die geschlossenen Verträge vorsehen, ist das Unternehmen aus Numansdorp bei Rotterdam aber auch im Großhandel mit den üblichen am Reifenmarkt etablierten Marken aktiv. Kunden, die mit TTIs Exklusivmarken Handel betreiben, sollen im Idealfall keinen zweiten Großhändler nötig haben, um das Geschäft am Laufen zu halten. Da die Kundschaft hauptsächlich aus Reifenfachhandelsbetrieben in Deutschland, Holland, Großbritannien etc., besteht – Großhändler gehören eher weniger hinzu –, finden die Lieferungen eher paketweise statt. Container-Käufe und die Zusammenarbeit mit anderen deutschen oder holländischen Großhändlern sind „aber eher die Ausnahme“. Peter van’t Hof sieht sein Unternehmen Tyre Trading International als wichtigen „Servicebetrieb“, der den Kunden im Reifenfachhandel die gesamte Produktpalette anbieten könne – „der Hersteller kann dies nicht“. TTI sieht sich also in der klassischen Rolle des Großhändlers, der en gros und zu guten Preisen einkauft und in kleinen Chargen weiterverkauft.

Neben Pkw-, 4×4-, und SUV-Reifen führt Tyre Trading International nur noch Motorradreifen. Das Unternehmen Motorbandenservice Nederland wird ebenfalls als Großhandel geführt, allerdings nur online und nur für Motorradreifen. Übrigens: Bereits heute gehen 95 Prozent der Bestellungen aus Deutschland bei TTI via Internet ein, man nähert sich also langsam dem erhofften papierlosen Büro. In dieses Geschäft stieg die Familie van’t Hof erst vor sechs Jahren ein, als einer von drei bestehenden Großhändlern in Holland, die Motorradreifen national vertrieben, in Konkurs ging. Peter van’t Hof witterte seine Chance und baute seitdem den Großhandel mit Motorradreifen zu einem wichtigen Standbein des Unternehmens aus, wie er betont. Zum angeschlossenen Reifenfachhandelsbetrieb S&G in Numansdorp, der zur selben Unternehmensgruppe gehört wie TTI und der Zweiradgroßhandel, kämen Motorradfahrer aus ganz Holland, sagt Peter van’t Hof, und will damit seine Position auf dem heimischen Markt unterstreichen. Was für viele andere Großhändler aus kleineren Ländern gilt, gilt nach wie vor auch für Tyre Trading International: „Wenn man wachsen will, muss man nach draußen gehen“, so Peter van’t Hof und deutet damit an, dass auch in Zukunft – trotz prozentualer Absatzeinbußen in der jüngsten Vergangenheit – Deutschland als direktes Nachbarland ohne logistische Probleme sowie als größter Reifenmarkt Europas eine der wichtigsten Rollen für TTI spielen wird. In jedem Fall hofft das Unternehmen, im laufenden Jahr seinen Umsatz um etwa zehn Prozent auf rund 14 Millionen Euro steigern zu können, bei einem Absatz von 250.000 Reifen in 2005.

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