Winterreifen halten deutschen Markt stabil

Das Reifenersatzgeschäft in Deutschland hat sich im Jahr 2004 weiterhin einigermaßen stabil entwickelt. Reifenhandel und -handwerk können damit – zumindest im Vergleich zu einer Vielzahl anderer Einzelhandelsbranchen – relativ zufrieden sein, ohne sich jedoch mit dem Erreichten zufrieden geben zu dürfen. Denn weiterhin sehr schwierige allgemeinwirtschaftliche wie marktspezifische Rahmenbedingungen werden den Unternehmen der Branche in naher Zukunft verstärkte Anstrengungen abverlangen, um diese Position zumindest halten zu können: So die Analyse des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV).

Laut Angaben des bundesweit tätigen Fachverbandes, in dem rund drei Viertel der Betriebe der Reifenbranche organisiert sind, lag der Gesamtumsatz 2004 in den Hauptgeschäftsfeldern des Reifenfachhandels – Pkw- und Nutzfahrzeug-Reifen – um rund 2,0 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bedingt war dies durch die im vergangenen Jahr weiterhin stabil gebliebenen bzw. leicht gestiegenen Produkt-/Dienstleistungspreise und ein sich weiter positiv entwickelndes Produktmix – hin zu höherwertigen (größeren) Reifen im UHP-Bereich (Ultra High Performance) sowie bei Off Road- und SUV-Bereifungen, einschließlich Winterreifen. Die einzelnen Segmente entwickelten sich dabei wie folgt:

Mit 45,43 Millionen Stück – Lieferung Handel an Verbraucher – wurde im Produktsegment Pkw-Reifen in 2004 exakt das Vorjahresniveau erreicht, bei gleichzeitiger weiterer Erhöhung des Anteils an Winterreifen.

Das Absatzplus von 2,4 Prozent auf insgesamt 21,13 Millionen Stück Winterreifen ist ein deutliches Indiz dafür, dass das Sicherheitsbewusstsein der deutschen Pkw-Fahrer unabhängig vom tatsächlichen Witterungsverlauf mittlerweile anhaltend hoch ist. In der Saison 2004/2005 wurde erstmals im Bundesdurchschnitt eine Umrüstquote auf Winterreifen (bezogen auf den gesamten Pkw-Bestand) von über 50 Prozent erreicht – genau 50,4 Prozent, das entspricht plus 1,8 Prozent zum Vorjahr. Ein weiterer Erfolg der unter Federführung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates von der gesamten Automobil- und Reifenbranche und den Medien getragenen „Initiative PRO Winterreifen“.

Der Absatz von Pkw-Sommerreifen lag mit 24,3 Millionen Stück um rund 2,0 Prozent unter Vorjahresniveau. Positiv wirkte hier aber das bereits angesprochene Produktmix hin zu höherwertigen (größeren) Reifen im UHP-Bereich (Geschwindigkeitsindices H, V, W, Y und Z), der sich bei rund 65 Prozent Anteil am Sommerreifenabsatz stabilisiert hat, sowie bei Off Road- (+8,1 % zum Vorjahr) und SUV-Bereifungen.

Der schon in der Vergangenheit zu beobachtende Verbrauchertrend hin zu preiswerteren Zweit- und Drittmarken zulasten der Premiumfabrikate hielt in 2004 unvermindert an. Dieser ermöglichte es dem durch hohe Sortimentsbreite und -tiefe ausgezeichneten Reifenfachhandel, trotz erhöhten Konkurrenzdrucks den Marktanteil gegenüber dem Hauptwettbewerber Autohaus/Kfz-Werkstatt auf hohem Niveau zu stabilisieren. Aber auch der eher preisaggressive Fachmarkt-Vertriebskanal (ATU, Pit Stop) konnte weiterhin von dem kostenbewussteren Einkaufsverhalten der Autofahrer profitieren. Der Anteil des Reifenfachhandels am Sell Out (Handel an Verbraucher) lag im vergangenen Jahr bei 57 Prozent, Autohäuser/Kfz-Werkstätten erreichten 29 Prozent, Fachmärkte 12 Prozent und sonstige Vertriebskanäle zwei Prozent, das entspricht dem Niveau des Vorjahres.

Der Absatz von Nutzfahrzeugreifen (Llkw- und Lkw-Reifen) lag in 2004 mit 5,96 Millionen Stück um 0,3 Prozent über dem Vorjahresniveau, wobei innerhalb dieses Segmentes eine beachtliche Verschiebung zugunsten leichter Lkw-Reifen (Llkw; +6,9 % zum Vorjahr) und zulasten schwerer Lkw-Reifen (Lkw; -4,3 % zum Vorjahr) festzustellen ist. Von der positiven Entwicklung konnten insbesondere die – meist kooperationsgebundenen – Reifenfachhandelsbetriebe profitieren, die ihr Angebot vornehmlich auf regionale und überregionale Flotten ausgerichtet haben und ihrer Klientel Rundumbetreuung inklusive 24-Stunden Breakdown-Service bieten. Die Ergebnisse dieser Spezialisten dürften über dem Durchschnitt liegen, während andere weniger professionelle Nutzfahrzeugreifen-Vermarkter weiter an Boden verloren haben dürften.

Der Distributionsanteil des Reifenfachhandels im Segment Nutzfahrzeugreifen liegt traditionell bei nahe 100 Prozent.

Dass Reifenfachhandel und -handwerk trotz der im Bundesdurchschnitt recht positiven Entwicklung der Absatz- und Umsatzzahlen im Reifenersatzgeschäft das vergangene Geschäftsjahr nicht uneingeschränkt als Erfolg verbuchen können, liege insbesondere an zwei Faktoren: Zum einen gibt es nach wie vor erhebliche regionale Unterschiede; insbesondere ein vornehmlich witterungsbedingtes Süd-Nord-Gefälle im Umsatzvolumen sowie strukturell bedingte Schwächen in Ostdeutschland. Andererseits ist die Branche von anhaltend extremem Wettbewerb geprägt, der durch eine zu hohe Anzahl an Distributionsstellen verursacht wird.
Bereits im Dezember 2004 resümierte der BRV-Vorstand deshalb die Gesamt-Geschäftslage wie folgt:

„Das Jahr 2004 war für unsere Branche schwierig und wenn überhaupt, können wir mit den Ergebnissen nur bedingt zufrieden sein. Die Umsätze lagen zwar leicht über dem Vorjahr, die Erträge und Ergebnisse zeigten jedoch eine teilweise Abwärtstendenz. Die Robustheit der Branche, die uns in den vergangenen Jahren von anderen Branchen, die mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu kämpfen hatten, positiv abhob, zeigt erste deutliche, insbesondere betriebswirtschaftliche Schwächen.

Im Hinblick auf das Jahr 2005 ist unsere Einschätzung daher eher von Molltönen geprägt. Die OECD hat die Wachstumserwartungen für die Eurozone im Jahr 2005 angesichts des hohen Ölpreises und des starken Euro reduziert. Der Verbraucher wird sich angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung und seiner Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes vorerst von seiner „Sparkonsumentenhaltung“ nicht wegbewegen. Die Einführung der Lkw-Maut wird die betriebswirtschaftliche Situation unserer Speditionskunden nicht verbessern. Die Rahmenbedingungen werden sich 2005 bestenfalls auf dem Niveau des Jahres 2004 bewegen. Es wird also nichts anderes übrig bleiben, als die eigenen betrieblichen Bedingungen zu optimieren und an deutlichen Effizienzsteigerungen und Kostenreduktionen nachhaltig zu arbeiten.“

„Die Mehrheit der Unternehmen des Reifenfachhandels und -handwerks erwartet weiterhin fragile, instabile Märkte ohne Zeichen konjunkturellen Aufschwungs“, so berichtet BRV-Präsident Peter Seher, Vulkaniseurmeister und selbst Inhaber eines Filialunternehmens in der Branche. „Wenn es denn überhaupt so etwas wie ein Patentrezept geben kann, um sich angesichts dieser Herausforderungen fit für die Zukunft zu machen, dann nur das eine: Nach dem Motto ‚all business is local’ konsequent alle Register erfolgsorientierter Unternehmensführung ziehen, um sich durch eine aufwärts gerichtete Firmenkonjunktur von der lahmenden Wirtschaftsentwicklung positiv abzukoppeln.“

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