Ecclestone muss Macht und Einnahmen teilen

Die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Formel-1-Geschäft geht jetzt in ihre entscheidende Phase, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Londoner High Court of Justice ist eine gerichtliche Anhörung anberaumt, bei der der 74 Jahre alte Sportunternehmer Bernie Ecclestone abermals gegen seine drei Mitgesellschafter aus der Bankenszene antritt. Der Bayerischen Landesbank sowie den Investmentbanken Lehman Brothers und J.P. Morgan Chase, die zusammen 75 Prozent an der Formel-1-Holding SLEC besitzen, wurden im Dezember per Gerichtsbeschluß in der von Ecclestone geführten Dachgesellschaft mehr Einfluss zugesprochen. Beim Schlagabtausch vor dem High Court soll nun die frisch gewonnene Macht der Inhaber der Formel-1-Rechte auch auf die operativ tätigen Unternehmen unterhalb der SLEC-Holding übertragen werden, so die Zeitung weiter.

Die drei Geldhäuser dringen auf mehr Einfluss bei den Tochtergesellschaften Formula One Management (FOM) und Formula One Administration (FOA), die beide als Geldeintreiber und -verteiler im weitverzweigten Firmenreich von Ecclestone fungieren, weil bei ihnen die Einnahmen aus der Werbung und die Erlöse aus dem Verkauf der weltweiten Fernsehrechte für die Formel 1 zusammenfließen. Im vergangenen Jahr dürften die Veranstalter fast eine Milliarde Dollar durch Fernseheinnahmen, Bandenwerbung oder durch Zahlungen der Rennstreckenbetreiber erlöst haben. Obwohl die Banken seit dem Richterspruch vom Dezember – entsprechend ihrem Mehrheitsanteil – die Oberhoheit bei der SLEC besitzen, fällt ihnen damit der unternehmerische Durchgriff auf die FOA und FOM aber nicht automatisch zu, so die FAZ weiter. Ecclestone, dessen Familiengesellschaft Bambino Holdings Ltd. nur 25 Prozent an der SLEC hält, kann durch den Stimmrechtsanteil von 50 Prozent bei der FOA jede für ihn unliebsame Entscheidung der drei Mitgesellschafter neutralisieren.

Diese Masche hat bei Ecclestone Methode. Der 74 Jahre alte Milliardär bestimmte über Jahrzehnte im Geschäft mit dem Formel-1-Zirkus wie ein Alleinherrscher und wusste dabei Außenstehende stets geschickt zu blockieren. Sein Firmenimperium besteht aus einem schier unüberschaubaren Geflecht an Firmen, die durch verzwickte Rechtskonstruktionen miteinander verbunden sind und deren Geschäftssitz – aus Steuerspargründen – auf den britischen Kanalinseln oder in Liechtenstein angesiedelt sind.

Nicht nur den beteiligten Banken, sondern auch den Hauptakteuren der Formel 1 seien die Mauscheleien von Ecclestone ein Dorn im Auge, schreibt die Zeitung weiter. Weil die beteiligten Autohersteller von ihren Sportengagements finanziell kaum profitierten, drohten die Manager von Ferrari, Daimler-Chrysler, BMW und Renault das Abkommen mit Ecclestone zu kündigen und mit einer eigenen Konkurrenzserie zur Formel 1 zu starten. Der kühne Plan scheint nach dem Ausscheren von Ferrari jetzt allerdings Makulatur. Völlig überraschend verkündete der italienische Rennstall in der vergangenen Woche, sich mit Ecclestone auf eine Verlängerung des bisherigen Abkommens bis 2012 geeinigt zu haben. Die übrigen Teams geraten durch den Vorstoß des Branchenführers in Zugzwang und werden wohl Ferrari folgen müssen, sagen Branchenkenner.

Trotzdem: Angeblich ist der Brite jetzt bereit, seine Geschäftspartner aus der Industrie stärker als bisher an den Erlösen aus der Rennserie zu beteiligen. Danach will er den zehn Teilnehmern der Formel 1 für die nächsten fünf Jahre Einnahmen von mindestens 1,6 Milliarden Pfund (2,3 Mrd. Euro) garantieren, heißt es in seiner Umgebung. Bislang wollte er seinen Partnern binnen drei Jahren nur 500 Millionen Dollar zukommen lassen.

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