Marktführer hinken dem Markt hinterher

Die Automobilbranche geht pessimistisch ins neue Jahr. So befürchten inzwischen drei Mal so viele Unternehmen wie im Vorjahr, dass sich 2005 als schwächstes Geschäftsjahr der Periode 2003 bis 2008 entpuppen wird (22 ggü. 8 %). Zwar ist immer noch jedes vierte Unternehmen der Meinung, dass 2003 das schlimmste Jahr für die Branche war. Im vergangenen Jahr konnte sich der Markt allerdings auch nicht wirklich erholen: Die Neuzulassungen blieben bei 3,27 Millionen Einheiten. Auch für das neue Jahr werden kaum neue Impulse auf dem deutschen Automobilmarkt erwartet. „Solange die Politik nicht am Arbeitsmarkt ankommt und die Arbeitslosenzahlen nicht zurückgehen, wird es keine Bewegung geben“, prognostiziert Willi Dietz vom Institut für Automobilwirtschaft.

Wie die Unternehmensberatung KPMG im Rahmen einer Umfrage feststellt, seien aktuell nur noch 23 Prozent der Unternehmen und damit deutlich weniger als bei der Umfrage im Vorjahr zuversichtlich, wenigstens im Jahr 2006 zur vollen Profitabilität zurückkehren zu können. 22 Prozent und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr erwarten das erst für 2007. Hans-Dieter Krauss, Segment-Leiter Automotive bei KPMG in Deutschland: „Die Hoffnung der Unternehmen, wonach die Talsohle bereits durchschritten sei, hat sich offenbar nicht erfüllt.“ Viele Unternehmen seien bereits dabei, ihre Anstrengungen zu verstärken, um über Restrukturierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen die gestiegenen Lohn-, Material- und Energiekosten zu kompensieren. Das jüngste Beispiel: Opel in Europa.

Krauss weiter: „Auch für den deutschen Markt sind die Prognosen für die nächsten zwölf Monate wesentlich zurückhaltender als in der jüngeren Vergangenheit. In einem Marktumfeld, das von einem zunehmend härter werdenden Wettbewerb geprägt ist, sind Absatzsteigerungen – wenn überhaupt – nur durch neue attraktive Modelle, kostengünstige Fertigung und weiterhin hohe Rabatte zu erzielen.“

Eine deutliche Veränderung zum Vorjahr ergab sich auch bei der Frage nach globalen Überkapazitäten. Heute glauben rund drei Viertel der von KPMG befragten Unternehmen und damit erheblich mehr als früher, dass die globalen Überkapazitäten unter 20 Prozent liegen. Hans-Dieter Krauss: „Das ist eine Aussage, die dramatisch von unseren Marktanalysen abweicht. Aus unserer Sicht ist das Thema der globalen Überkapazitäten nach wie vor ein großes Problem. Es zu unterschätzen, könnte für die Automobilindustrie fatale Folgen haben.“ Die Höhe der globalen Überkapazitäten bewegt sich nach Beobachtung von KPMG um die 25 Prozent. Um diese auf 20 Prozent zu reduzieren, müssten bereits die heutigen Produktionskapazitäten um mehr als vier Millionen Einheiten abgebaut werden.

Inzwischen geht jeder vierte Topmanager davon aus, dass der Marktanteil europäischer Marken sinken wird, doppelt so viele wie im Vorjahr (12 Prozent). Nur bei asiatischen Marken rechnen fast alle Befragten mit Wachstumsraten: 87 Prozent sind überzeugt, asiatische Marken würden über die nächsten fünf Jahre zulegen (Vorjahr: 80 Prozent). Diese Entwicklung zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr ab. In der Liste der acht größten Gewinner auf dem westeuropäischen Automobilmarkt (gemessen vom ACEA nach Neuzulassungen) steht lediglich ein europäisches Unternehmen: BMW mit einem Plus von 11,6 Prozent (Platz 5). Angeführt wird diese Liste von Kia (+42,2 %), Daewoo (+22 %), Mazda (+19,3 %) und Hyundai (+18,9 %). Die genannten asiatischen Unternehmen haben aber lediglich einen Marktanteil von zwei Prozent oder weniger, so dass der Zuwachs nach Stückzahlen wenigstens etwas Trost für die europäischen Hersteller bietet. Im vergangenen Jahr (Januar bis November) wurden in Westeuropa 42.228 Fahrzeuge von Kia mehr neu zugelassen als noch 2003; bei BMW waren dies immerhin 54.365 Einheiten mehr.

Zu den großen Verlierern des vergangenen Jahres gehören einige der arrivierten europäischen Marken. Peugeot beispielsweise musste bei den Neuzulassungen in Westeuropa ein Minus von 4,7 Prozent verdauen, Citroën immer noch ein Minus von 2,8 Prozent. Als zweites „Sorgenkind“ der Branche hat sich DaimlerChrysler im vergangenen Jahr hervorgetan. Der Konzern litt unter einem Rückgang bei den Neuzulassungen von 2,7 Prozent, wobei die Konzernmarken Mercedes (-5,7 %) und Chrysler (-4,4 %) wesentlich stärker betroffen waren, als die Tochter Smart; im vergangenen Jahr wurden in Westeuropa immerhin 18,3 Prozent mehr Smarts neu zugelassen. Ford liegt mit plus vier Prozent stabil, General Motors dümpelt dahin (+0,2 %; Opel: -0,3 %), genau wie Fiat (+0,1 %).

Laut der KPMG-Umfrage setzen deutlich mehr Führungskräfte als in den Vorjahren, nämlich 56 Prozent, auf wachsende Marktanteile beim klassischen Pkw in den nächsten fünf Jahren. Anders sieht es bei den Luxus-Modellen aus. Nur noch 40 Prozent der Befragten rechnen hier mit einem Anstieg (Vj.: 48 %). Darüber hinaus sind die befragten Topmanager überzeugt, dass die Kaufentscheidung der Kunden in den nächsten fünf Jahren hauptsächlich von der Qualität beeinflusst wird (82 %). Weitere wichtige Faktoren sind der Benzinverbrauch (77 %), die Sicherheit (75 %) und natürlich der Preis (67 %).

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