Solberg siegte auf Pirelli, Michelin-Fahrer Loeb vor WM-Titel

Der Gewinn der Fahrer-Weltmeisterschaft ist so gut wie sicher: Citroën- und Michelin-Pilot Sébastien Loeb beendete die erstmals auf Sardinien stattfindende Rallye Italien auf dem zweiten Rang. Dank dieses Resultats fehlen dem 30-jährigen Franzosen drei WM-Läufe vor Saisonende nur noch fünf WM-Punkte zum Titelgewinn. Die Konstrukteurswertung haben Citroën und Michelin bereits vorzeitig für sich entschieden. Der Sieg auf der von Wertungsprüfungen auf Schotter gekennzeichneten Rallye ging allerdings mit deutlichem Abstand an den amtierenden Weltmeister und Subaru-/Pirelli-Fahrer Petter Solberg.

Rauer Schotter, grobe Steine und viel Staub: Das Debüt der Rallye Italien auf der Mittelmeer-Insel Sardinien erinnerte viele WM-Piloten an Bedingungen, wie sie sonst nur die WM-Läufe auf Zypern oder in Argentinien bereit halten. „Die Streckenführung ist sehr anspruchsvoll, denn die Pisten hier entpuppen sich als eng und dicht gesäumt von grobem Felsgestein“, urteilte Citroën-Sportchef Guy Frequelin, einst selbst Rallye-Pilot von Weltformat, der sich keine einzige Wertungsprüfung entgehen ließ. „Zudem besteht der Untergrund aus losem Schotter, oft überzogen von einer dicken Schicht Sand, die speziell von den ersten Fahrern von der Piste gefegt werden muss.“

Der Franzose sollte Recht behalten. Sein Pilot Sébastien Loeb, der als Führender in der Fahrer-Wertung am Freitag Morgen als Erster in die 28,69 Kilometer lange Wertungsprüfung (WP) „Tantariles 1“ starten musste, erhielt prompt die Quittung: Der Titelkandidat büßte 32,1 Sekunden auf seinen direkten Verfolger Petter Solberg ein. „Wir haben viel mehr Zeit verloren als geplant“, fluchte der einstige Junioren-Weltmeister am ersten Service-Punkt und gestand: „Es lag nicht nur an den äußeren Bedingungen. Manchmal brauche ich zu Beginn einer Rallye einfach etwas Zeit, um aufzuwachen und meinen Rhythmus zu finden. Zudem stimmte die Voreinstellung meiner elektronischen Differenziale nicht 100-prozentig. Erst nachdem ich wieder die Grundabstimmung aktiviert habe, ging es besser.“ In der Tat: Auf der WP 3 – der 23,14 Kilometer langen „Tepilora 1“ – markierte Loeb seine erste Bestzeit und rückte in der Zwischenwertung hinter Solberg, Peugeot-Pilot Marcus Grönholm und Markko Märtin (Ford) wieder auf Rang vier vor.

Auch Grönholm, der sich über zu starkes Übersteuern seines Peugeot 307 CC WRC beklagte, hatte auf der ersten WP Boden auf Solberg verloren. Auf der zweiten Schleife der ersten Etappe aber konnte der zweifache Ex-Weltmeister bereits wieder kontern und setzte Bestzeiten auf den WP vier und fünf. Im Etappenziel lag der Finne hinter Solberg auf Rang zwei. Sein Abstand: 30,3 Sekunden. Sein Vorsprung auf Loeb, der inzwischen Märtin auf den vierten Rang verdrängt hatte: 4,5 Sekunden.

Viele andere seiner Konkurrenten waren zu diesem Zeitpunkt bereits zum Zugucken verurteilt: Skoda-Fahrer Toni Gardemeister hatte seinen Fabia WRC – erstmals mit einer leistungsfördernden Wassereinspritzung ausgerüstet – gleich am frühen Morgen ins Abseits befördert, in WP zwei flog Citroën-Junior Juuso Pykälistö von der Strecke und schied aus. Auch Mikko Hirvonen im zweiten Subaru Impreza WRC war am Ende des ersten Tages nicht mehr dabei: das Getriebe, WP3.

Michelin-Partner von technischen Defekten und Unfällen geplagt

Der zweite Tag der „Rallye Sardinien“ begann gleich mit mehreren Paukenschlägen. Armin Schwarz – der einzige deutsche Werkspilot – wurde nicht nur durch eine kräftige Grippe gehandicapt, sondern auch von Getriebeproblemen an seinem Skoda Fabia. Auf WP acht touchierte der Franke auch noch einen Stein und musste bitter enttäuscht aufgeben. Noch ärger aber traf es das Werksteam von Peugeot: Auf WP neun, der 34,21 Kilometer langen „Tandalo 1“, rollte erst Harri Rovanperä im zweiten 307 CC WRC aus – das Getriebe, erneut. „Es begann kurz nach dem Start“, berichtete der Finne. „Erst verloren wir den ersten und zweiten, wenig später auch den dritten Gang. Dann blieb die Schaltbox komplett in der ersten Stufe stecken, wir mussten aufgeben. Wirklich schade!“

Grönholm erging es nicht besser: „Nach fünf Kilometern versagte der Turbo“, so der gelernte Landwirt. „Wir konnten nur noch langsam fahren und verloren viel Zeit.“ Genau gesagt: mehr als 20 Minuten. An der Kampfeslust des Nordmanns, der eine Saison zum Abhaken erlebt, änderte dies nichts: Kaum hatte sein Peugeot nach dem Service wieder zu alter Leistungsstärke zurückgefunden, setzte „Magic Markus“ gleich die nächste Bestzeit und verbesserte sich von Rang 20 auf Platz 18.

Loeb gefährdete die zweite Position nicht mehr

An der Spitze blieb die neue Reihenfolge bis zum Ende der zweiten Etappe unverändert: Solberg tobte vornweg, Loeb kontrollierte mit gelassenem Tempo seinen zweiten Rang. „Wir konzentrieren uns darauf, keine Fehler zu machen“, gestand der Titelanwärter. „Das ist auf diesen Prüfungen gar nicht so einfach.“ Guy Fréquelin blies ins selbe Horn: „Es macht für Seb überhaupt keinen Sinn, Petter zu attackieren – der zweite Platz ist hier für uns so viel wert wie ein Sieg.“

Hinter Solberg und Loeb lieferten sich derweil Carlos Sainz im zweiten Citroën und Markko Märtin ein furioses Duell um den dritten Rang. Der Ford-Pilot hatte gleich zu Beginn des zweiten Tages auf der WP „Sas Molas 1“ nicht nur das vordere linke, sondern auch noch das hintere rechte Rad beschädigt – aber nur einen Ersatzreifen dabei. Mit anderen Worten: Die Focus WRC04-Crew musste auch noch die folgenden beiden Wertungsprüfungen, also weitere 43 Kilometer mit defektem Vorderpneu bewältigen – eine Aktion, die dank des pannenresistenten ATS („Appui Temporaire Souple“) erstaunlich gut gelang. „Das Auto ließ sich nicht sehr einfach fahren, doch das ATS von Michelin funktionierte wunderbar“, staunte der Este am folgenden Service-Punkt. Zudem haderte Märtin mit dem Stoßdämpfern seines Turbo-Allradlers: „Nach zehn Kilometern überhitzen und verhärten sie.“

Trotz dieser Probleme lag der Este vor der dritten und letzten Etappe gerade Mal 2,9 Sekunden hinter Sainz. Der Sprung aufs Podest sollte dem Ford-Mann dennoch verwehrt bleiben: Ein Motorschaden auf WP 16 warf ihn schlussendlich aus dem Rennen.

Loeb indes ließ sich auch auf den letzten Kilometern der Rallye Italien nicht mehr aus dem Konzept bringen und fuhr einen niemals gefährdeten zweiten Rang nach Hause. Mit nunmehr 100 WM-Punkten beträgt sein Vorsprung auf Solberg 26 Zähler – bei noch 30 zu vergebenden Punkten. Während Carlos Sainz das Topergebnis für Citroën mit einem dritten Rang komplettierte, rückte der italienische Meister Andrea Navarra (Subaru/Pirelli) auf die vierte Position vor. François Duval im zweiten Focus WRC04 beendete die Rallye auf Rang fünf, während Mitsubishi-Werkspilot Giggi Galli auf einem Lancer Evo 8 die seriennahe Gruppe N gewann und Sechster wurde. Mit einem Rückstand von 26.39,2 Minuten auf Solberg kämpfte sich Grönholm bis auf den siebten Platz vor – und darf sich damit noch über zwei Fahrer-WM-Punkte freuen, während sein Team Peugeot in der Konstrukteurs-Wertung vier Zähler hinzu addieren darf.

135. Rallye-WM-Sieg für Pirelli

Solberg sicherte Pirelli in der seit 1973 ausgetragenen Rallye-Weltmeisterschaft bereits den 135. Sieg. Den Schotterprüfungen des erstmals zur WM gewerteten Laufs auf der italienischen Mittelmeerinsel drückte der Subaru-Werkspilot seinen Stempel deutlich auf: 13 von 19 möglichen Bestzeiten gingen an den Weltmeister und seinen britischen Beifahrer Phil Mills. „Das war eine perfekte Rallye für uns“, freute sich Solberg im Ziel. „Alles lief ohne die geringsten Unregelmäßigkeiten. Das Auto und die Reifen funktionierten tadellos. Die ganze Mannschaft hat gut gearbeitet.“

Der Skandinavier hatte bis ins Ziel einen überwältigenden Vorsprung von mehr als zwei Minuten aufgebaut. Auf dem losen Schotter wählten der Subaru-Werkspilot und seine Reifenspezialisten bei mehr als 25 Grad Außentemperatur am ersten Tag den Pirelli PZero in der Variante KM4. Tags darauf diente der KM4 am Morgen erneut als erste Wahl, während nachmittags bei etwa 30 Grad Celsius die härtere KM2-Variante aufgezogen wurde. „Trotz der tückischen Prüfungen und der geringen Haftung haben Auto und Reifen meine Erwartungen erfüllt“, urteilte Solberg am Ende des Tages. Am dritten Tag wechselte der Vorjahres-Weltmeister zwischen den Reifenvarianten KM und KP4 und vergrößerte seinen Vorsprung nochmals.

Per-Gunnar Andersson erkämpfte sich im frontangetriebenen Suzuki Ignis Super 1600 mit Pirelli den neunten Platz vor Fiat-Pilot Paolo Andreucci. Andersson sicherte sich mit seinem Ergebnis den dritten Saisonsieg in der Junior-Rallye-Weltmeisterschaft, die Nachwuchspiloten in Super-1600-Modellen vorbehalten ist. Als neuer Tabellenzweiter liegt der Schwede vor dem Finale in Spanien nur drei Zähler hinter Suzuki-Markenkollege Guy Wilks, der auf Sardinien Zweiter wurde. Der Brite vertraut ebenso wie alle anderen Junior-WM-Piloten exklusiv auf Pirelli. Renault-Mann Nicolas Bernardi und Suzuki-Fahrer Mirco Baldacci liegen dahinter mit 27 Punkten in der Tabelle gleichauf. Damit besitzen in der attraktiven Nachwuchs-Klasse vor dem Finale noch vier Piloten Titelchancen.

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