GVA sieht Teilebranche in großer Gefahr

Automobilhersteller betreiben intensive Lobbyarbeit, um sich ein Monopol auf dem Markt für karosserieintegrierte Ersatzteile (Karosserieteile, Scheinwerfer und Autoglas) zu verschaffen. „Sollten sie bekommen, was sie möchten, wird der Wettbewerb durch alternative Hersteller von Autoteilen ausgeschaltet, was zu hohen Arbeitsplatzverlusten auf dem freien Kfz-Ersatzteile- und Reparaturmarkt führen wird“, wie der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) in einer Presseerklärung mitteilt.

Frits Bolkestein, EU-Binnenmarkt-Kommissar, ist ebenfalls der Ansicht, dass hier eine Gefahr für den europäischen Wettbewerb bestehe und schlägt daher eine so genannte „Reparaturklausel“ vor, die die Designrichtlinie der EU-Kommission (98/71) ergänzen soll, um Ersatzteile vom Designschutz auszunehmen. Natürlich würden Automobilhersteller die Exklusivrechte am Design ihrer Fahrzeuge behalten, aber es würde kein Monopol auf Ersatzteile gewährt. Darüber hinaus arbeitet eine eigene Studie der Kommission mit dem Titel „Extended Impact Assessment“ klar heraus, dass Designschutz nicht auf Ersatzteile ausgedehnt werden dürfe. „Sollte die Reparaturklausel scheitern, seien die Folgen für die Arbeitsplätze und den Wettbewerb in Europa katastrophal“, so der Branchenverband GVA weiter.

Die große Mehrzahl freier Teilehersteller, Kfz-Ersatzteilhändler und Werkstätten sind kleinere und mittlere Unternehmen. Falls dem Wunsch der Automobilhersteller nachgekommen wird, würden Teilehersteller in der EU mit ziemlicher Sicherheit vom Markt gedrängt, glaubt der Gesamtverband. Im besten Falle bleibe ihnen keine andere Wahl, als abhängige Lieferanten der Automobilhersteller zu werden.

Freie Großhändler würden mindestens ein Viertel ihres Umsatzes einbüßen, heißt es weiter in der Presseerklärung. Freie Werkstätten liefen Gefahr, wettbewerbsfähige Bezugsquellen für Ersatzteile zu verlieren und sich in die Abhängigkeit von Lieferungen durch die Fahrzeughersteller zu begeben. Sie seien dann nicht mehr in der Lage, gegenüber den Werkstattnetzen der Automobilhersteller zu konkurrieren.

Automobilhersteller in der EU kauften vermehrt ihre Teile aus Niedriglohnländern. Heutzutage schon beziehen sie 25 bis 30 Prozent ihrer Teile von außerhalb der EU. Ersatzteilimporte von Automobilherstellern aus Nicht-EU Ländern machten ungefähr weitere 15 Prozent des Marktes aus. Somit stammen also etwa 40 Prozent des von Automobilherstellern kontrollierten Kfz-Ersatzteilmarktes von außerhalb der EU, „was Arbeitsplätze außerhalb der EU schafft – und dies mit zunehmender Tendenz“, so der GVA.

Die Hersteller geben vor, dass ihnen das Gemeinwohl am Herzen liege, kritisiert der Verband. Doch eine McKinsey-Studie habe den wahren Grund gezeigt, warum Automobilhersteller ein Monopol anstrebten: Im Jahre 2000 erzielten die europäischen Automobilhersteller 39 Prozent ihres Reingewinns mit Ersatzteilen – und nur 18 Prozent durch die Herstellung und Verkauf von Fahrzeugen. „Für sie ist Designschutz auf karosserieintegrierte Ersatzteile eine unerschöpfliche Quelle des Profits“, urteilt der GVA, der rund 2.000 Einzelhändler von Kfz-Ersatzteilen vertritt.

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