Zoff im französisches Ronal-Werk und auch in Landau

Seit Monaten wird in dem französischen Ronal-Werk St. Avold kein Rad mehr gefertigt, nachdem die Belegschaft von den Restrukturierungsplänen des Herstellers von Aluminiumgussfelgen erfahren hatte. Inzwischen verhärten sich die Fronten weiter, nicht nur juristisch beharken sich die Geschäftsführung der deutschen Muttergesellschaft auf der einen und Teile des ehemaligen Managements sowie Gewerkschaftsvertreter in Frankreich auf der anderen Seite, sogar zu massiven Handgreiflichkeiten mit Verletzten ist es in der letzten Woche gekommen. Die Firma Ronal hat angekündigt, mit einer offiziellen Stellungnahme ihre Sicht der Dinge darstellen zu wollen.

Zur Vorgeschichte: Ronal hatte geplant oder jedenfalls angekündigt, die Belegschaft in St. Avold von knapp 180 auf ca. hundert Mitarbeiter verringern zu wollen und das Werk auf Kleinserien – vor allem für Tuner – zu spezialisieren. Kunden der Aluminiumräderfabrik waren bei Schließung die Automobilhersteller Ford und smart sowie die Tuner Brabus (teilweise in Zusammenarbeit mit smart), Lorinser, Hartge und Carlsson. St. Avold ist mit einer Kapazität von etwa 500.000 Einheiten jährlich sowohl innerhalb der Ronal-Gruppe als auch im internationalen Wettbewerbsvergleich eine eher kleine Produktionsstätte von Aluminiumgussfelgen.

Die Mitarbeiter und vor allem die in der Gewerkschaft CGT organisierten schenkten den Restrukturierungsankündigungen Ronals keinen Glauben und sahen darin eine Vorstufe zur Werksschließung. Ronal wolle immer mehr Produktion nach Osteuropa verlagern, vor allem nach Polen, wo das Unternehmen in den letzten Jahren kräftig investiert hatte, und habe bereits im April und Mai 40 Kokillen aus St. Avold abgezogen und nach Polen transportiert, so die Streikführer. Als Belege für die Pläne des Ronal-Managements sollen handschriftliche Notizen eines Geschäftsführungsmitgliedes dienen, aus denen hervorgehe, dass ein Sozialplan nichts kosten dürfe und man einen Streik provozieren solle. Die Notizen sollen von verschiedenen Sitzungen in der Schweiz stammen und sind teilweise bereits im November 2003 entstanden. Wie die CGT in den Besitz dieser Notizen gekommen ist, ist ebensowenig bekannt wie deren Authentizität.

Der von der CGT bzw. Arbeitern initiierte Streik eskalierte, deutschen Ronal-Mitarbeitern und auch französischen Kollegen aus dem Vertrieb wurde und wird der Zugang zu dem Werk verweigert. Ronal weigerte sich im Gegenzug, weiterhin für in St. Avold gefertigte Produkte zu haften. Mit der misslichen Folge, dass etwa 20.000 bereits produzierte Räder nicht an Kunden ausgeliefert werden konnten, sich noch heute auf dem Werksgelände befinden und beispielsweise nicht an smart-Modellen des Tuners Brabus verbaut werden können. Das Werk St. Avold befindet sich in keinster Weise mehr unter dem Einfluss von Ronal.

Und die Eskalation ist nicht gestoppt: Mittlerweile haben sich die Fronten noch weiter verhärtet, so wird gegenseitig geklagt, unter anderem wird Ronal Insolvenzbetrug vorgeworfen. Hintergrund: In Frankreich sind bei Entlassungen ab zehn Mitarbeiter Sozialpläne Pflicht, geht das Unternehmen jedoch in Konkurs, trägt der Staat die anfallenden Kosten. Übrigens ist das Verfahren inzwischen auch über einige Landesgrenzen hin und her geschwappt, so wurde Klage beim Untersuchungsrichteramt Olten in der Schweiz eingereicht: Beklagte sind der Präsident und der Geschäftsführer der Ronal AG, die in Härkingen ansässig ist. Andererseits soll es zu finanziellen „Unregelmäßigkeiten“ bei der Ronal France S.A. gekommen sein. Rechtlich ist der Zwist derzeit eine „Hängepartie“.

Im Juni hatte Ronal den Konkurs beantragt, der auch am 6. Juli eröffnet wurde, ein Insolvenzverwalter ist eingesetzt und verhandelt mit beiden Seiten, um doch noch irgendwie zu einer gütlichen Lösung zu gelangen. Doch davon ist man nach Sachlage wohl noch weit entfernt, obwohl ein Mitglied der deutschen Geschäftsführung auf Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG weiterhin beteuert, das Werk noch nicht abgeschrieben zu haben.

Gleichwohl ist Ronal gezwungen, den Kunden entgegen zu kommen und hat bereits knapp 50 Kokillen, die sich in St. Avold befinden und teilweise nicht einmal Eigentum des Räderherstellers, sondern dessen Kunden sind, nachzubauen. Wie zu erwarten reagieren einige dieser Kunden auf den aktuellen Zustand zunehmend unwirsch, wollen zwar durchaus weiterhin bei Ronal fertigen lassen, geben aber bereits den Hinweis: „nur in einem Werk, das sicher ist“.

Die französischen Streikführer versuchen ihre Kollegen in Polen und auch in Deutschland hinter sich zu bringen. Von den polnischen Kollegen wird Solidarität erwartet, den deutschen wird bedeutet, dass sie bestimmt als nächste dran seien. Und schon wird gemutmaßt, das deutsche Werk Landau (am Firmensitz in Forst ist keine vollstufige Produktion mehr) könne als nächstes von einer Schließung bedroht sein. Das allerdings ist wenigstens mittelfristig eher unwahrscheinlich, schließlich ist Landau das technologische Herz des Unternehmens, womit nicht nur die Entwicklung, sondern auch die Produktion gemeint ist. In Landau stellt Ronal arbeitstäglich etwa 4.500 Räder, im Jahr 1,2 Millionen bis 1,4 Millionen her.

Als sich französische Kollegen vor einigen Tagen Zugang zum Werk Landau verschafften, kam es zu Handgreiflichkeiten mit mehreren Verletzten und neuer Arbeit für die Juristen, schließlich sei das Hausfriedensbruch. Der Insolvenzverwalter ist in keiner beneidenswerten Situation, weil immer noch kräftig Dampf auf dem Kessel ist. Die Situation für St. Avold wird zunehmend verzwickter, weil Kunden abspringen und es schwierig werden dürfte, neue zu akquirieren. Auch geht das in dem Werk ja noch vorhandene Know-how peu à peu verloren, das Tischtuch zwischen Ronal-Geschäftsführung und Teilen der Werksleitung in Frankreich ist zerschnitten.

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