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Michelins Halbjahreszahlen besser als erwartet

Michelin hat 7,821 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2004 umgesetzt. Das entspricht einem Plus von 6,4 % gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stieg der Operating Profit auf 694,8 Millionen Euro (plus 20,1 %), entsprechend einer Umsatzmarge von 8,9 Prozent; bis dahin hatten Analysten „nur“ mit einer Marge von rund 8 Prozent gerechnet. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 328,9 Millionen Euro, doch ist in Erinnerung zu rufen, dass dieser im Vorjahr u.a. durch die Viborg-Akquisition belastet war.

Vor der Presse in Paris räumte Finanzchef Michel Rollier zwar ein, dass die wirtschaftliche Lage von Viborg sich als „schlechter als erwartet“ erwiesen habe, die Akquisition als solche sei dennoch richtig gewesen. Viborg bedeute nicht nur viel zusätzliches Geschäft und zudem knapp 300 Verkaufsstellen allein in Deutschland, sondern der Erwerb habe auch große strategische Bedeutung. Die einmalige Belastung in Form hoher Abschreibungen ist inzwischen schon fast vergessen, Viborg auf dem Sanierungsweg inzwischen weit vorangekommen. Die Sparte Pkw- und Leicht Lkw-Reifen steuerte 3,737 Milliarden Euro (47,8 Prozent) zum Gesamtumsatz bei und mit 389,6 Millionen Euro sogar 56 Prozent zum Operating Profit. Einzigartig die Entwicklung der Sparte Lkw-Reifen, die mit 2,077 Milliarden Euro insgesamt 26,6 Prozent zum Umsatz beisteuerte, aber 41,8 Prozent zum Operating Profit. Das Sorgenkind „Andere Geschäftseinheiten“ –das sind im wesentlichen die Sparten EM-Reifen, Industriereifen, Agrarreifen, Zweiradreifen, Stahlcord, Felgen – erwirtschaftete einen Umsatz von 2,472 Milliarden Euro (31,6 % vom Umsatz) und einen Operating Profit von 15 Millionen Euro (2,2 % ). Im Vorjahr hatte diese Einheit noch im roten Bereich gelegen. Preiserhöhungen von Rohstoffen, die mit rund 185 Millionen zusätzlich zu Buche schlugen, konnte das Unternehmen durch zusätzliche Verkäufe, vor allem aber durch Preiserhöhungen, die sich auch umsetzen ließen, auffangen. Mit dem derzeitigen Kurs von mehr als 46 Euro nähert sich die Aktie einem neuen Allzeithoch.

Es kam nicht von ungefähr, dass Rolliers Vortragspult während der Pressekonferenz vor große Lkw-Reifen geschoben worden war, denn diese Sparte treibt den Erfolg des Konzerns in beeindruckender Art und Weise nunmehr bereits seit Jahren. Während der ganze Konzern im Rahmen eines bald zu Ende gehenden Fünf-Jahres-Plans auf einen zweistelligen operativen Gewinn zusteuert, die Pkw-Sparte dieses nun erstmalig mit einer Marge von 10,4 Prozent schaffte, glänzt die Lkw-Reifensparte seit Jahren schon mit zweistelligen Raten. Im Vorjahr waren es 13,1 Prozent und nun sind es bereits 14 Prozent. Und das auf einem Gebiet, auf dem die meisten Wettbewerber um ein ausgeglichenes Ergebnis ringen müssen.
Besonders positiv stellte sich der Erstausrüstungsmarkt für den Lkw-Reifenbereich dar. Der Markt wuchs in Nordamerika um nicht weniger als 33 Prozent. Aber auch die Zuwächse im europäischen Erstausrüstungsmarkt, z.B. bei Trailern von glatten elf Prozent, konnten sich sehen lassen. Aber auch das Ersatzgeschäft entwickelte sich in den beiden volumenstärksten Weltregionen Nordamerika und Europa sehr erfreulich. Michelin war in der Lage, die Preise um 3,5 bis 4,5 Prozent anzuheben und legte auch bei den Absatzzahlen noch einmal zu. Die Durchsetzung der Preiserhöhungen ist insbesondere bei großen Lkw-Reifen dringend erforderlich, weil bei der Herstellung ein sehr hoher Anteil Naturkautschuk, für den die Preise weiter nach oben zeigen, benötigt wird.

In absoluten Zahlen hat die Sparte Pkw- und L-Lkw-Reifen den größten Anteil am Umsatz sowie ebenso am Operating Profit. Michelin hat dabei besonders im Ersatzgeschäft weitere Erfolge feiern können. Zuwächse in Nordamerika stammen überwiegend aus gestiegenen Absatzzahlen der Führungsmarke Michelin; während BFGoodrich und Uniroyal die Anteile hielten bzw. leicht zulegten, ging das Geschäft mit Hausmarken weiter zurück. In Europa hatten die Franzosen bereits im ersten Quartal mächtig zugelegt, weil der Handel angesichts kommender Preiserhöhungen kräftig vordisponiert hatte. Die positive Tendenz setzte sich auch im zweiten Quartal fort.

Für die zweite Hälfte des Jahres erwartet der Konzern einen schrittweisen Rückgang der Zuwächse. Obwohl die Rohstoffpreise noch weiter steigen werden, zeigte sich Rollier sehr zuversichtlich auch „die operative Marge bei ruhigerer Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte nochmals steigern zu können.“

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