Rallye Schweden: Geht das Wintermärchen für Michelin weiter?

Vom 5. bis 8. Februar wird die Rallye Schweden veranstaltet, zweiter Lauf zur diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft. Die Auftakt-Rallye des Jahres 2004 (traditionell die Rallye Monte Carlo) fand unter winterlichen Bedingungen, die auch in Schweden erwartet werden, statt und brachte für Michelin die ersten sechs Ränge in der Fahrerwertung und natürlich auch die ersten Plätze in der Markenweltmeisterschaft. Titelverteidiger Petter Solberg war auf der Monte mit seinem Pirelli-bereiften Subaru Siebter geworden und wird in Schweden versuchen, die Dominanz der Michelin-bereiften Teams von Citroen, Ford, Peugeot sowie von Mitsubishi zu brechen.

Den Prognosen der Meteorologen vertrauend, wird sich die Rallye Schweden den Piloten in diesem Jahr wieder einmal als „Traum in Weiß“ präsentieren. Damit steht auf den Wertungsprüfungen rund um das Rallye-Hauptquartier Karlstad ein besonders eindrucksvolles Spektakel bevor – denn auf der geschlossenen Schneedecke werden die Piloten auf der Jagd nach Zehntelsekunden ihre WRC-Boliden wieder in eindrucksvollen Drift-Winkeln und mit atemberaubender Geschwindigkeit über die eisglatten Strecke treiben. Den nötigen Grip für die waghalsigen Manöver sollen wiederum die Spike-Pneus von Michelin liefern: Denn 22 Mal in den vergangenen 24 Jahren rollte der Sieger der Rallye Schweden auf Reifen aus Clermont-Ferrand – zuletzt allein sechs Mal in Folge.

Skandinavische Meisterschaft mit internationaler Beteiligung: Laut Statistik könnten alle WRC-Piloten, die nicht aus Skandinavien stammen, am zweiten Februar-Wochenende gleich zu Hause bleiben. In der langen Geschichte der Rallye Schweden durften bislang ausschließlich schwedische und finnische Fahrer den – aufgrund der äußerst winterlichen Temperaturen stets gut gekühlten – Sieger-Champagner genießen. Dennoch reisen auch mittel- und südeuropäische Driftkönige immer wieder gerne in den hohen Norden. „Schweden gehört zu den schönsten Rallyes der Saison“, findet beispielsweise der belgische Michelin-Pilot Freddy Loix und spricht dabei stellvertretend für die Mehrzahl der Teilnehmer. Zu dieser Einschätzung tragen unter anderem die so genannten „Bobbahnen“ bei: An den hohen Schneewänden – die die Strecke rechts und links begrenzen – „lehnen“ die WRC-Cracks ihre Boliden gerne an, um ihnen bei Lenk- und Bremsmanövern zusätzliche Stabilität zu verleihen. „Außerdem verzeihen sie kleinere Fahrfehler“, wie Loix zugibt.

Und die können auf dem glatten Geläuf verständlicherweise jedem Piloten leicht unterlaufen: Während Normal-Autofahrer bei Schnee und Eis richtigerweise eine äußerst vorsichtige Fahrweise bevorzugen, gehört die Rallye Schweden trotz der scheinbar widrigen Streckenverhältnisse zu den schnellsten Veranstaltungen im WM-Kalender überhaupt.

So rüstet sich Michelin für die Rallye Schweden

Kein Wunder, dass den Reifen besondere Bedeutung zukommt: Michelin stellt seinen Partnerteams mit den Profil-Varianten „GA“ (für Schnee) und „GE“ (asymmetrisches Profil für überwiegend eisige Abschnitte) zwei Spike-Pneus zur Verfügung, die dieser Herausforderung gewachsen sein sollten. Die Lauffläche beider Reifen misst nur hundert Millimeter in der Breite – auf ihr finden aber bis zu 380 vom Reglement erlaubte Spikes Platz. Und die verrichten Schwerstarbeit: Bei 120 km/h berührt beispielsweise jeder einzelne Stahlnagel 17 mal pro Sekunde die Fahrbahn. Die schmale Lauffläche sorgt dafür, dass die maximal 20 Millimeter langen Eisenstifte mit hohem Druck durch die obere Schneeschicht gepresst werden, um im darunter liegenden, festeren Schnee Grip aufzubauen. Das sehr weite Profilmuster hilft dabei, den losen Schnee seitlich abzuleiten. Auf Wertungsprüfungen, auf denen keine durchgehende Schicht der weißen Pracht mehr liegt, sollte der frei liegende Schotter möglichst wenig Spikes aus der Lauffläche reißen.

Das erwarten die Michelin-Partnerteams

Als Tabellenführer in der Markenwertung reist Ford nach Schweden: Beim Saisonauftakt in Monte Carlo unterstrichen Markko Märtin und François Duval mit dem zweiten und dritten Platz eindrucksvoll, welche Rolle das britische Team 2004 spielen will. „Wir sind sehr gut in die Saison gestartet“, analysiert der Este Märtin. „Auf diesem hohen Level möchten wir uns über das gesamte Jahr bewegen.“ Und sein vierter Rang aus dem Vorjahr beweist, dass mit ihm in Schweden immer zu rechnen ist.

Weniger gute Erinnerungen an die Rallye Schweden 2003 hat Citroën-Pilot Sébastien Loeb: Vor Jahresfrist musste der Franzose als Tabellenführer zunächst als Erster auf die Piste und den Schneepflug für seine Konkurrenten spielen. Mehr als der siebte Rang sprang für den ehemaligen Kunstturner schließlich nicht heraus. Doch obwohl er als „Monte“-Sieger auch in diesem Jahr wieder zum „Räumdienst“ antritt, sieht Loeb der Herausforderung gelassen entgegen: „Ich glaube, dass ich um einen Platz auf dem Podium kämpfen kann“, so der 29-Jährige. „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir den Xsara WRC entscheidend weiterentwickelt. Der Wagen ist jetzt noch einfacher auf Schnee zu fahren. Das steigert mein Vertrauen. Ich freue mich auf die Herausforderung.“ Auch Loebs Teamkollege Carlos Sainz hat sich für die zweite Runde der Rallye-WM 2004 viel vorgenommen. Nach seinem „Nuller“ beim Saisonauftakt brennt der Spanier darauf, die ersten Punkte auf seinem Konto zu verbuchen.

Michelin-Partner Peugeot kann am zweiten Februar-Wochenende eine grandiose Erfolgsgeschichte fortschreiben: Vier Siege aus den vergangenen vier Jahren stehen bei den „Löwen“ zu Buche. Mit dem brandneuen 307 WRC, der in Monte Carlo mit den Plätzen vier und fünf ein gelungenes Debüt feierte, wollen die Peugeot-Piloten diese makellose Statistik weiterführen. Ebenso wie Peugeot-Pilot Freddy Loix bezeichnet auch der dreifache Schweden-Sieger Marcus Grönholm die Veranstaltung rund um Karlstad aus verständlichen Gründen „als meine absolute Lieblings-Rallye“. Und Peugeot-Sportdirektor Corrado Provera erklärt: „Aufgrund unserer Siegesserie in den vergangenen Jahren reisen wir mit breiter Brust nach Schweden. Unser Auto ist schnell und zuverlässig. Beste Voraussetzungen für ein sehr gutes Ergebnis.“

Sehr zufrieden mit dem Debüt des neuen Autos zeigt sich auch Mitsubishi: Bei der Rückkehr der „Three Diamonds“ in die Rallye-Weltmeisterschaft steuerte Gilles Panizzi den Lancer WRC 04 in Monte Carlo auf Anhieb in die Punkteränge. „Ein herausragendes Ergebnis“, freut sich Mitsubishi-Motorsportdirektor Sven Quandt. „Doch ich glaube, dass der zweite Schritt immer schwieriger ist als der erste. Wir müssen hart arbeiten, um regelmäßig in die Punkte fahren zu können.“ Nach Gianluigi Galli in Monte Carlo nimmt in Schweden turnusmäßig der junge Kristian Sohlberg am Steuer des erfolgreichen Debütanten Platz.

So verlief die Rallye Schweden 2003

Der Eis-Eilige hielt Audienz: Peugeot- und Michelin-Pilot Marcus Grönholm wiederholte seinen Erfolg aus dem Jahr 2002 und gewann auch die Rallye Schweden 2003. Der vor Jahresfrist amtierende Weltmeister übernahm bereits auf der zweiten von insgesamt 17 Wertungsprüfungen die Führung, die er souverän bis ins Ziel verteidigte – und dabei nicht weniger als acht Mal die schnellste Zeit setzte. Hinter Grönholm und Subaru-Mann Tommi Mäkinen (auf Pirelli) erreichte der britische Peugeot-Michelin-Fahrer Richard Burns das Ziel als schnellster Nicht-Skandinavier auf dem dritten Rang.

Statistisches
Rallye Schweden, 2. Lauf zur Rallye-WM 2004 (5. – 8. Februar 2004); Gesamtlänge: 1.981,68 Kilometer, davon 19 Wertungsprüfungen über 394,80 Kilometer; Start und Ziel in Karlstad; längste Prüfung: WP 2 und 4 Granberget (52,57 km); kürzeste Prüfung WP 5 und 13 Hagfors Sprint (1,86 km); größte WP-Distanz zwischen zwei Servicepunkten: 54,43 km (WP 4 und 5).

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