Goodyears Technologien der Zukunft

Aus Anlass der zahlreichen Produktvorstellungen nutzten Goodyears Entwickler in Mireval ebenfalls die Gelegenheit, den anwesenden Pressevertretern Einblicke in zukünftige Technologiestandards zu geben. Jürgen Spielmann, Technologiedirektor bei Goodyear Europe, führte etwa in eine experimentelle Versuchsreihe ein, die derzeit unter Führung des amerikanischen Mutterkonzerns stattfindet.

Das Ziel der Versuchsreihe ist der sich selbst reparierende Reifen. Zu diesem Zweck haben Goodyears Techniker im Innern eines Goodyear G286-Lkw-Reifens eine zähe Flüssigkeit untergebracht, die auftretende Löcher im Reifen in kürzester Zeit verschließt und eine Reifenpanne somit verhindert. „Das Prinzip dieser Masse ist: Wenn sie mit Luft in Verbindung kommt, vulkanisiert sie“, ergänzt Jochen Clahsen von Goodyear Deutschland. Die zähflüssige Flüssigkeit, so der Produktleiter Lkw-Reifen, könne eventuell auch größere Risse in einem Reifen abdichten. Wo die Grenzen dieser neuen Technologie liegen, sprich: wie groß der Riss oder das Loch maximal sein darf, werde derzeit bei Goodyear getestet. Über die genaue Zusammensetzung der Flüssigkeit schweigt man sich bei Goodyear – verständlicherweise – aus, man ist sich allerdings sicher, dass die von Goodyear derzeit entwickelte Technologie zu den zukünftigen Reifenstandards gehören wird wie auch Luftdrucküberwachungssysteme oder Notlaufeigenschaften. Die in Mireval anwesenden Pressevertreter konnten sich vom Wirkungsgrad dieser Neuentwicklung überzeugen. Mittels eines Bolzenschussgerätes wurden in einen der Versuchsreifen etwa 50 Nägel hineingeschossen – der Reifenluftdruck hingegen veränderte sich um kein Zehntel, nachdem die Nägel entfernt wurden. Reifen, die mit Goodyears selbstversiegelnder Flüssigkeit ausgestattet sind, sollen nachschneidbar und voll runderneuerungsfähig sein, so Jochen Clahsen im Gespräch mit der NEUEN REIFENZEITUNG. Mit der Markteinführung rechnet Clahsen allerdings nicht vor 2005.

Jeder Fahrzeugbetreiber wünscht sich möglichst widerstandsfähige Reifen. Zwar konnte die Häufigkeit von Durchstichverletzungen dank moderner Technologie drastisch reduziert werden, doch sind sie immer noch eine der Hauptursachen unvorhergesehener Verzögerungen im Transportwesen. Goodyear ist mit der Entwicklung eines einzigartigen Prozesses, der einen Druckverlust des Reifens beispielsweise im Falle einer Durchstichverletzung durch Fremdkörper verhindern soll, bereits sehr weit gediehen. Der „intelligente Reifen“, ein weiteres Projekt, an dem Goodyear gemeinsam mit Siemens VDO arbeitet, soll schon in wenigen Jahren Realität werden. Durch einen eingebetteten Mikrochip wird dieser Pneu langfristig die Optimierung der Fahrzeugleistung und den weitgehenden Ausschluss von Reifenpannen ermöglichen. Die Fahrer werden rechtzeitig über eventuelle Abweichungen beim Reifendruck oder der Reifentemperatur informiert und können damit schnell Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Entwicklung erfolgt in drei Stadien: Im ersten Stadium wird ein Chip in den Reifen eingebaut, der Informationen zur eindeutigen Kennzeichnung des individuellen Reifens enthält. Dieser Chip ist fester Bestandteil des Pneus und „er begleitet den Reifen sein ganzes Leben lang“, so Jochen Clahsen. Der Chip bleibt auch während einer etwaigen Runderneuerung aktiv. Zu den Informationen auf dem Chip gehören Reifengröße, eindeutige Identifizierungsdaten, Fertigungsdaten und sogar kundenspezifische Informationen. Mittels einer Technologie namens RFID (Radio Frequency Identification) kann jeder Reifen mit einem Hand-Lesegerät eindeutig identifiziert werden, was ein schnelleres und zuverlässigeres Reifenmanagement ermöglicht. Im zweiten Stadium können dann auch Reifendrücke, -temperaturen und sogar die Profilabnutzung registriert werden. Im dritten Stadium wird das Reifenchip-Überwachungssystem in die Bord-Kontrollsysteme des Lkw integriert. Ein Gerät im Lkw liest die Chips ab und leitet die Informationen über eine Anzeige an den Fahrer weiter. Dies stellt sicher, dass die Reifen jederzeit mit optimalem Luftdruck betrieben werden, und dass im Falle eines Druckverlusts oder Temperaturanstiegs Reifenschäden vermieden werden, was ein Maximum an Wirtschaftlichkeit und Lebensdauer gewährleistet. Außer diesen Informationen werden die Kilometerleistung jedes Reifens und weitere nützliche Informationen, wie beispielsweise zurückgelegte Entfernungen mit zu geringem Luftdruck, aufgezeichnet.
arno.borchers@reifenpresse.de

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