Reifensicherheitsstandards in den USA verschärft

Ab dem 1. Juni 2007 müssen sich Reifenhersteller, die ihre Produkte auf dem amerikanischen Markt verkaufen wollen, neuen Reifensicherheitsstandards unterwerfen. Am Anfang der Woche veröffentlichte die Bush-Regierung die erstmals seit 1967 geänderten Regeln für die vorgeschriebenen Reifentests – der Gesetzgeber hat allerdings die ursprünglich noch höheren Standards wieder teilweise verworfen, die nach der Firestone-Rückrufaktion in 2000 und 2001 gefordert worden waren. Wie die Agentur Reuters meldet, werden die neuen Regeln fast 300 Millionen neue Reifen jährlich betreffen und die Reifenhersteller, die die Reifensicherheitsstandards durch Tests in eigenen Anlagen gewährleisten müssen, jährlich 31,6 Millionen US-Dollar kosten. Andere Quellen sprachen früher davon, dass die Erstinvestitionen der Reifenindustrie bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar betragen könnten, und es wurde mit zusätzlichen jährlichen Kosten in Höhe von 300 bis 400 Millionen US-Dollar gerechnet. Da aber die neuen Reifensicherheitsstandards von den ursprünglich geforderten höheren Standards abweichen, wird auch mit geringeren Folgekosten zu rechnen sein, eben den jährlich 31,6 Millionen US-Dollar. Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) geht davon aus, dass durch die neuen Tests jährlich vier Menschenleben gerettet und 102 Verletzte verhindert werden. Zu den neuen Reifensicherheitsstandards gehört unter anderem ein Test bei Geschwindigkeiten von 87, 93 und 99 Meilen pro Stunde (mph; 140, 149,66 und 159,32 Km/h) für jeweils 30 Minuten. Bisher mussten Reifen bei 75, 80 und 85 mph (120,7, 128,74 und 136,79 km/h) getestet werden. Ein Reifen hat den Test bestanden, wenn es einerseits keinen sichtbaren Beweis dafür gibt, dass sich die Lauffläche ablöst oder bricht und wenn der Reifen seinen Fülldruck während des Tests konstant gehalten hat. Des Weiteren werden die Reifen einem 34-Stunden-Dauertest unterzogen. Für vier Stunden läuft der Reifen bei 75 mph und 85 Prozent der Maximallast, für sechs Stunden bei 90 Prozent der Maximallast und für weitere 24 Stunden bei 100 Prozent der Maximallast. Testgeschwindigkeit sowie die zurückgelegte Distanz des getesteten Reifens liegen jeweils um 50 Prozent über den bisherigen Vorgaben. Hinzu kommt ein Test, mit dem die Performance eines Reifens mit zu geringem Luftdruck garantiert werden soll. Bei dem Test, der weite Familienfahrten simuliert, läuft der Reifen 90 Minuten bei 75 mph mit dem Luftdruck, der erreicht werden muss, um das Reifendruckkontrollsystem – ist demnächst Vorschrift in den USA – auszulösen. Einige andere ursprünglich vorgesehene Tests werden ab dem 1. Juni 2007 nun doch nicht verpflichtend für alle Neureifen sein. Ursprünglich hatte die NHTSA erwartet, dass bis zu 30 Prozent der getesteten Reifen nach den schärferen Reifensicherheitsstandards, die jetzt so nicht kommen werden, durchfallen würden; nach den neuen Teststandards werden fünf bis elf Prozent erwartet. Auch der ursprüngliche Vorschlag der NHTSA, eine Übergangszeit bis zum Inkrafttreten von zwei bis drei Jahren einzuführen, sei nun auf Druck der Industrie auf vier Jahre ausgedehnt worden. arno.borchers@reifenpresse.de

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