Michelin dominiert bei der Deutschland-Premiere

Gelungene Premiere: Die Rallye Deutschland hat eindrucksvoll klargestellt, dass sie ihren Platz im WM-Kalender verdient hat. Mehr als 250.000 Zuschauer sahen an drei Tagen hochklassigen Motorsport. Auf den anspruchsvollen und selektiven Wertungsprüfungen mussten die Teilnehmer ihr ganzes Fahrkönnen unter Beweis stellen, was den Michelin-Piloten besonders gut gelang. So nahm der spätere Sieger Sebastien Loeb auf der ersten Etappe am Freitag den schnellsten Nicht-Michelin-Piloten durchschnittlich eine halbe Sekunde pro Kilometer ab. Auf den extrem nassen – und dadurch sehr rutschigen – Pisten auf der berüchtigten Panzerplatte in Baumholder war der WM-Führende Grönholm gar rund acht Zehntelsekunden pro tausend Meter schneller. Schnell wurde daher klar, dass der Sieg nur über die Michelin-Piloten führen würde: Bereits nach der dritten Etappe übernahm Loeb die Führung, die er bis ins Ziel nicht mehr abgeben sollte. “Es war ein harter Kampf, denn Richard Burns übte bis zum Schluß starken Druck auf mich aus”, fasste der 28-Jährige zusammen. “Jetzt bin ich einfach nur glücklich, meinen ersten WM-Sieg eingefahren zu haben – und das sozusagen auch noch bei meinem Heimspiel”, freute sich der Elsässer, der von vielen französischen Fans vor Ort frenetisch gefeiert wurde. Der Zweitplatzierte zeigte sich derweil als fairer Verlierer: “Ich habe wirklich alles versucht, Sebastien noch einzuholen”, versicherte Burns. “Aber er war einfach zu stark. Ich kann ihm nur gratulieren.” Mit den sechs Punkten für seinen zweiten Platz eröffnet sich der Brite alle Chancen auf den Vizeweltmeistertitel. Sogar eine Wiederholung seines Vorjahreserfolgs rückt für den amtierenden Weltmeister jetzt wieder in greifbare Nähe. Noch bessere Karten auf den Gesamtsieg in der diesjährigen Fahrer-WM besitzt allerdings nach wie vor Teamkollege Marcus Grönholm, der durch seinen dritten Platz die Tabellenführung weiter ausbauen konnte. “Bei einer Asphalt-Rallye auf das Podium zu fahren, werte ich für mich als sehr gut”, freute sich der Finne, der aber auch ein wenig mit seinem Schicksal haderte. “Ohne die Probleme am ersten Tag wäre hier auch ein Sieg möglich gewesen”, spielte der Weltmeister des Jahres 2000 auf die Hydraulikprobleme seines Peugeot 206 WRC an. Probleme ganz anderer Art plagten derweil Michelin-Pilot Armin Schwarz: Der Deutsche lag nach dem ersten Tag auf einem hervorragenden sechsten Platz und hatte somit alle Optionen auf sowohl Fahrer- und Markenpunkte. Für den Samstag hatte sich der 39-Jährige auf den schwierigen Prüfungen in Baumholder viel vorgenommen – zumal mit dem einsetzenden Regen sein größter Wunsch in Erfüllung ging. “Ich wollte die nassen Pisten ausnutzen, um eine Attacke zu starten”, blickte der Hyundai-Pilot zurück. Auf der zweiten Prüfung des Tages rutschte der Oberfranke in einer langgezogenen Rechtskurve jedoch bei Tempo 120 von der Strecke und prallte gegen zwei Bäume. “Das war der heftigste Unfall meiner Karriere”, berichtete Schwarz noch leicht geschockt. “Doch dank der Robustheit meines Accent WRC kamen wir recht glimpflich davon.” Bei dem Hyundai-Fahrer stellten die Ärzte einen Rippenbruch fest. Beifahrer Manfred Hiemer erlitt Prellungen im Brustbereich. Über den Grund für den Abflug konnte der Deutsche noch nichts Definitives sagen: “Das Auto fühlte sich zuvor schon etwas merkwürdig an, wenn ich in Spitzkehren die Handbremse benutzte – vielleicht gab es ein Problem mit den Differenzialen.” Da Hyundai-Teamkollege Freddy Loix mit einem Motorschaden die Segel streichen musste, konnte der koreanische Hersteller nicht mehr in den Kampf um Marken-Punkte eingreifen. Stattdessen nahm Michelin-Partner Mitsubishi – in der Marken-WM direkter Konkurrent von Hyundai – durch den neunten Platz von François Delecour noch einen Hersteller-Zähler mit nach Hause. An der Spitze der Marken-Wertung vergrößerte Tabellenführer Peugeot seinen Vorsprung: Da Citroën in diesem Jahr keine Punkte für die Hersteller-WM erhält, zählten der zweite und dritte Platz von Peugeot wie ein Doppelsieg und wurde entsprechend mit der Maximalpunktzahl von 16 Zählern honoriert.

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