Neues Arbeitszeitmodell bei Conti

Ziel: Auf Konjunkturschwankungen schnell reagieren In einem gemeinsamen Pressegespräch haben Vertreter der Unternehmensleitung der Continental AG und des Betriebsrats des Werks Hannover-Stöcken Mitte August eine Vereinbarung zur Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Schichtsystems im Reifenwerk vorgestellt. Mit Hilfe eines den Mitarbeitern während einer Betriebsversammlung vorgestellten Arbeitszeitmodells, das ab Januar 2003 eingesetzt wird, ist eine hohe Flexibilität in der Auslastung der Reifenproduktion verbunden, gleichzeitig sollen Kurzarbeit und betriebsbedingte Kündigungen besser als bisher vermeidbar sein. Die Vereinbarung erlaubt eine Produktion in einem Korridor von 12 bis 21 Schichten pro Woche und sieht überdies den systematischen Einsatz von Leiharbeitnehmern in der Produktion vor. Dr. Hans-Joachim Nikolin, Mitglied des Vorstands der Continental AG für den Konzernbereich Nfz-Reifen, erläuterte die Ziele der Flexibilisierung: Für den wirtschaftlichen Erfolg des Konzernbereiches sei es ein entscheidender Erfolgsfaktor, dass bei konjunkturbedingten Auftragsschwankungen die Niedrigkostenstandorte der Continental voll ausgelastet bleiben würden. “Das Werk Stöcken als einziges Nfz-Reifenwerk der Continental an einem Hochkostenstandort hat die wichtige Aufgabe, Mengenänderungen in der Produktion aufzufangen”, so Nikolin bei der Vorstellung des neuen Modells. Dies sei nur mit Hilfe einer hochqualifizierten Mitarbeiterschaft und bei größtmöglicher Flexibilität in den Schichtsystemen möglich. Für die jetzt gefundene Regelung sprächen die schnelle Reaktionsmöglichkeit auf Auftragsschwankungen, eine Sicherung der für die Produktion hochwertiger Reifen notwendigen qualifizierten Kernmannschaft und die Vermeidung von den mit Kurzarbeit oder betriebsbedingten Kündigungen verbundenen hohen Kosten für das Unternehmen und die gesamte Gesellschaft. Nikolin zeigte sich optimistisch, dass die neue Regelung nach ihrer Einführung in Stöcken auch auf andere Standorte von Continental ausgeweitet werde. Wilfried Hilverkus, Betriebsratsvorsitzender des Werks Stöcken, betonte die Vorteile der neuen Regelung aus Sicht der Arbeitnehmer: Durch die starke Flexibilisierung seien harte Einschnitte in das Berufsleben der Mitarbeiter, wie zum Beispiel Kurzarbeit oder gar betriebsbedingte Kündigungen, weitestgehend vermeidbar. Gleichzeitig sei ab Januar 2003 eine Rückkehr von der 38,75- zur 37,5-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich vereinbart worden. Diese Arbeitszeitverkürzung werde bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Schichtbetrieb in die Schichtpläne eingearbeitet, bei den übrigen würde die tägliche Arbeitszeit entsprechend um 21 Minuten verkürzt. Hannes Friederichsen, als Leiter des Werks Stöcken maßgeblich an der jetzt gefundenen Regelung beteiligt, erläuterte die Details: In einem flexiblen Schichtsystem werden die drei in Stöcken angesiedelten Bereiche Materialvorbereitung, Lkw- und Pkw-Reifenproduktion ab 2003 zwischen 12 bis 21 Schichten pro Woche arbeiten. Dabei könne im Schichtbetrieb “elastisch” auf Nachfrageschwankungen reagiert werden, wobei bis zu plus/minus 25 Schichten pro Mitarbeiter und Jahr über die normale Tarifarbeitszeit hinaus möglich seien. Die dazu eingerichteten “Kollektiven Flex-Konten” könnten ohne zeitliche Beschränkung in Folgejahre übertragen werden, nach einem Jahr mit hoher Nachfrage und dementsprechend vielen Schichten sei in einem schwächeren Jahr ein großer Zeitpuffer vorhanden. Dieser Wegfall der Jahresabgrenzung bedeute die Abschaffung der Jahresarbeitszeit, für viele auch heute noch ein heiß diskutiertes Tabuthema. Weiter ist vorgesehen, dass künftig Produktionsspitzen durch den Einsatz von Leiharbeitnehmern aufgefangen werden können. Dazu sei geplant, über einen längeren Zeitraum aus Fluktuation entstehende offene Stellen mit Leiharbeitnehmern zu besetzen. Eine entsprechende Leiharbeitsfirma werde in den kommenden Monaten von Geschäftsleitung und Betriebsrat zusammen ausgewählt. Die neue Regelung gilt für die rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Schichtsystemen arbeiten. Für die rund 1.900 außerhalb von Schichten Beschäftigten des Reifenwerks und der anderen in Stöcken angesiedelten Unternehmensteile wie des Bereichs Forschung und Entwicklung, der Continental Automotive Systems, der Maschinenfabrik und der Komplettradmontage gilt eine Arbeitszeitverkürzung auf 37,5 Stunden pro Woche. Außerdem wurde bei Bedarf die Nutzung eines Arbeitszeitkorridors von 35 bis 40 Stunden pro Woche vereinbart. Die über den Jahresurlaub von 30 Tagen hinausgehenden 4,5 kollektiven freien Tage für Beschäftigte ohne Schichtarbeit werden zukünftig vom Unternehmen in Abstimmung mit dem Betriebsrat festgelegt, Mitarbeiter im Schichtbetrieb erhalten neben ihrem Jahresurlaub aufgrund von Tarifverträgen und einer Betriebsvereinbarung fünf weitere freie Tage, die zukünftig ebenfalls einvernehmlich geregelt werden und nicht mehr individuell entnehmbar sind. Dies bedeutet für das Unternehmen eine deutlich vereinfachte Planbarkeit des Mitarbeitereinsatzes in der Fabrik.

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